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Kultur

Westi 24 - Propagandamaschine Putins?

Es ist nicht weit vom Moskauer DW-Studio zur Redaktion des neuen russischen Nachrichtensenders Westi 24. Der Weg führt am Casino "Imperia" vorbei über die "Uliza Pravdy", die "Straße der Wahrheit".

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Der Weg zu Dmitri Mednikow macht nachdenklich: Wie soll man sich den Chefredakteur des zwei Monate alten Pay-TV-Kanals für die "Newsmaker"des Landes vorstellen, einen 26-jährigen? Ein Putin-treuer Karrierist? Nach welchen Regeln arbeiten die Redakteure bei der staatlichen Medienholding WGTRK, zu der auch "Westi 24"gehört?

In seinem Büro sieht es nach Umzug aus: Getränkeflaschen und Bürokrimskrams stapeln sich in allgemeiner Unordnung, mitten im Raum steht ein Fernsehkarton. Anfangsschwierigkeiten? Ganz und gar nicht, widerspricht Mednikow, Typ Informatikstudent. Mit den ersten zwei Monaten seien "wirklich alle sehr zufrieden“. Dann schränkt er ein: "Natürlich gab es Anfangsprobleme. Wir haben nur 100 Mitarbeiter. Man hätte gerne mehr Geld ausgegeben können, fünf Millionen Dollar für das erste Jahr für einen neuen Sender sind beispiellos wenig.“

"Dringend gebraucht"

Bei einem Gesamtumsatz der staatlichen Medienholding WGTRK von 400 Millionen Dollar in 2005 erscheint die Investition in "Westi 24"in der Tat gering, selbst wenn das Programm derzeit nur an 450.000 Fernsehgeräte über das Bezahlfernseh-Paket NTV+ sowie in einigen Regionen per Kabel zu empfangen ist. "Westi 24"ist damit zunächst der kleinste Fernsehsender der WGTRK, zu der auch die landesweiten Programme "Rossija“, "Kultur“, "Sport"und "NTV"gehören.

Neu an "Westi 24"sind stündliche aktualisierte Nachrichten und die ausführliche Berichterstattung aus den Regionen. "Westi 24"überträgt zudem beispielsweise Debatten der Staatsduma und Reden des russischen Präsidenten Wladimir Putin in voller Länge. Der Kanal wurde dringend gebraucht, zeigt sich Chefredakteur Mednikow überzeugt: Die Regierung verfolge ihn, in den Amtssitzen der regionalen Gouverneure werde er gesehen und in den Management-Zentralen großer Firmen. Er ergänzt: "Wir verfolgen das Konzept der nationalen Nachrichten, dass es so in Deutschland nicht gibt.“

Staatliche Interessen - grundlegend für die Arbeit

Ein "Konzept der nationalen Nachrichten“? Der Verdacht kommt auf, dass hier doch nur "Putin pur"gesendet wird, wie die Tageszeitung "Die Welt"vermutete. Mednikow: "Ohne Zweifel: Der Eigentümer von Westi 24 ist der Staat. Deshalb sind staatliche Interessen, oder wie wir sie verstehen, grundlegend für unsere Arbeit."

Von Vorwürfen der Einseitigkeit und Kremlpropaganda distanziert er sich jedoch: "Was ist denn Propaganda? Man könnte behaupten, auch ARD und ZDF seien Propaganda, weil sie auf bestimmten Wertvorstellungen beruhen. Die Journalisten wählen Nachrichten nach ihren Wertvorstellungen aus. Und was meinen Sie mit Opposition? Opposition gegenüber wem? Das ist eine Frage der Begriffe. Bei euch gibt es ein parlamentarisches System, wo diejenigen, die nicht an der Regierung sind, die Opposition bilden. Und in Russland? Sind die Kommunisten Opposition? Ist die Partei Rodina Opposition? Davon abgesehen: Wir zeigen die Kommunisten, wir zeigen Rodina. Zeigen wir den SPS? Ja. Werden wir Jabloko zeigen? Unbedingt. Bloß muss es wirklich eine Nachricht geben.“

Kleine Brötchen

Vom Bildschirm verbannt werden nur Oppositionelle, die "der Gesellschaft schaden"oder die "gegen ihre Werte"sind. Wer genau das ist, können die Macher von "Westi 24"über die Direktverbindung zum Pressedienst des Präsidenten herausfinden, wie das Magazin Newsweek recherchierte.

Die Zukunft bringt den "Westi 24“-Redakteuren etwas Erholung vom Stress der Anfänge. Denn von ursprünglichen Ausbauplänen zu einem landesweiten Nachrichtenkanal mit umfassender Reichweite hat man Abstand genommen. Es heißt kleine Brötchen backen, und wer weiß: Vielleicht bleibt den Redakteuren so ein wenig Zeit, auf dem Weg ins Studio die "Straße der Wahrheit"besser kennen zu lernen.

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