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Deutschland

Wer ist Brigitte Mohnhaupt?

Brigitte Mohnhaupt, eine der Anführerinnen der Rote-Armee-Fraktion, wird Ende März nach 24 Jahren Haft vorzeitig entlassen. Der Verzicht auf das Absitzen der Reststrafe steht ihr rechtlich zu.

RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt

Nach dem Abitur tauchte sie unter und kam in Kontakt zur Terrorszene

Am 22. Januar hatte das Stuttgarter Oberlandesgericht über den "Fall Mohnhaupt" verhandelt. Brigitte Margret Ida Mohnhaupt war zuletzt im Februar 2006 gehört worden. Damals hatte das Gericht ihren Antrag auf Aussetzung der Reststrafe noch abgelehnt. Die Begründung war eindeutig: Die besondere Schwere der Taten gebiete die weitere Vollstreckung. Doch nun steht ihre Entlassung nach Verbüßung von 24 Jahren Haft bevor. Derzeit sitzt Mohnhaupt in der bayerischen Justizvollzugsanstalt Aichach ein. Ein psychologisches Gutachten attestiert ihr Unbedenklichkeit. Von ihr gehe keine Gefahr mehr aus, heißt es darin.

Zu den Morden im "Deutschen Herbst" 1977 hat sich die Anführerin der zweiten RAF-Generation (Rote-Armee-Fraktion) bislang nicht geäußert. Dennoch hatte die Bundesanwaltschaft ihre Freilassung beantragt.

Federführung bei Anschlägen

Der Tatort mit den zugedeckten Leichen von Siegfried Buback (vorne links) und seines Fahrers Wolfgang Göbel sowie der Dienstwagen des Generalbundesanwaltes, in dem die beiden erschossen wurde.

Generalbundesanwalt Buback und sein Fahrer Wolfgang Göbel wurden bei einem Anschlag der RAF getötet

Brigitte Mohnhaupt wurde 1985 zu fünfmal lebenslänglich und 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Eine Rekordstrafe in der bundesdeutschen Rechtsgeschichte. Auf ihr lastet der Vorwurf, den damaligen Arbeitgeber-Präsidenten Hanns-Martin Schleyer getötet zu haben. Wenig später, im gleichen Jahr 1977, soll sie Generalbundesanwalt Siegfried Buback und den Deutsche Bank-Chef Jürgen Ponto erschossen haben. Umstritten ist bis heute, ob die tödlichen Schüsse von Brigitte Mohnhaupt abgegeben wurden. Erwiesen ist hingegen ihre Federführung bei den Anschlägen.

Die Bundesrepublik erlebte in jenem Herbst einen 44 Tage andauernden Staatsnotstand. Die Grenzen des verfassungsrechtlich Legitimen wurden in dieser Periode mehrfach überschritten. Der Rechtsstaat zeigte Härte.

Im Prozess in Stuttgart fiel Mohnhaupt durch ihre kompromisslos radikale Haltung auf. "Was mir unheimlich zu schaffen gemacht hat, dass war dieses Potenzial an Hass und Menschenverachtung, was da zum Ausdruck gekommen ist", erinnert sich der damalige Vorsitzende Richter Günther Grebe.

"Sie war eine gute Schülerin"

Brigitte Mohnhaupt war RAF-Terroristin der ersten Stunde. Als die damaligen Anführer Andreas Baader, Ulrike Meinhoff, Gudrun Ensslin und Jan-Karl Raspe im extra für die RAF-Mitglieder gebauten Hochsicherheitstrakt in Stuttgart-Stammheim einsaßen, wurde Brigitte Mohnhaupt in einem persönlichen Auftrag von Baader und Meinhoff die Führung der RAF übertragen. Es war die Geburtsstunde der zweiten RAF-Generation.

Brigitte Mohnhaupt ließ - wie so viele der linken Terrorszene der 1970er Jahre - als Oberschülerin keinerlei Anzeichen von radikaler Gesinnung erkennen. "Sie war eine leistungsmäßig gute, ja sogar eigentlich sehr gute Schülerin. Allerdings nicht übermäßig fleißig und auch nicht übermäßig interessiert - jedenfalls in der Oberstufe", beschreibt Mohnhaupts damaliger Lehrer Rudolf Schmiech ihre Leistung.

Kontakt zur Terrorszene in München

Strafjustizanstalt Aichach

Mohnhaupt saß zuletzt in der Strafjustizanstalt Aichach ein (Archivfoto)

Umso überraschter waren ihre Mitschüler, Lehrer und Freunde als Brigitte Mohnhaupt abtauchte. 1967 machte sie Abitur und ging dann nach München zum Studium. Dort, so wird vermutet, kam sie in Kontakt zur Terrorszene.

Vor ihrer zweiten Festnahme 1985 war sie schon einmal zwischen 1972 und 77 inhaftiert. Seit nunmehr 24 Jahren sitzt sie ihre Strafe ab. Selbst Jörg Schleyer, Sohn des ermordeten Arbeitgeber-Präsidenten Hanns-Martin Schleyer, kann mit der vorzeitigen Entlassung Brigitte Mohnhaupts leben. "Von der Betroffenenseite würde ich sagen 'Ja'. Natürlich muss man auch als Betroffener die Hand reichen", sagt Schleyer. Nach 24 Jahren sei es dafür Zeit, sagt Schleyer. "Es wäre natürlich für alle leichter, wenn irgendeine Geste auf der anderen Seite erkennbar wäre." Er wolle aber nicht von Reue sprechen, so Schleyer. "Das wäre auch unangebracht."

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