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Musik

Wer holt die ESC-Krone?

Die Finalisten stehen fest: Von ursprünglich 39 Ländern nehmen am 18. Mai noch 26 am größten Musikfestival der Welt teil. Fans und Experten rätseln: Wer ist Geheimtipp, wer Favorit, und wer hat gar keine Chancen?

Die größte Sensation der beiden Halbfinale-Shows vom 14. und 16. Mai war das Ausscheiden aller fünf Republiken Ex-Jugoslawiens, die ihre Künstler nach Schweden geschickt hatten: Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Slowenien und Serbien mussten sich der Konkurrenz geschlagen geben. Vielleicht markiert dieses Resultat ein Ende des vielbeklagten Nachbarschaftsvotings in diesem Teil Europas.

In den ehemaligen sowjetischen Republiken sieht es anders aus: Von zehn sind außer Lettland alle noch dabei. Estland, Moldawien, Russland, Weißrussland und die Ukraine werden von fünf jungen hübschen Frauen vertreten.

Zlata Ognevich und Igor Vovkovinskiy während der Performance der Ukraine beim Eurovsion Song Contest in Malmö im Mai 2013 Foto: Andreas Brenner

"Die Schöne und der Riese" aus der Ukraine

Glaubt man den Wettbüros, hat die Ukrainerin Zlata Ognevich wohl die besten Chancen aus diesem Quintett. In ihrer Show lässt sich sich von einem 2,35 Meter großen Riesen auf die Bühne tragen - das sorgt für Aufmerksamkeit. Bemerkenswert ist der Shitstorm, dem Alyona Lanskaya in sozialen Netzwerken weißrussischer Blogger ausgesetzt war, nachdem bekannt wurde, dass sie die Vorrunde überstanden hatte. Offensichtlich kaufen ihr viele Landsleute weder das Lied über den glücklichen Planeten "Solayaoh" noch ihre propagandistischen Bekundungen über die Liebe zu ihrer Heimat ab.

Auf Einkaufstour

Auch für Aserbaidschan ist eine erfolgreiche Teilnahme am ESC eine Frage von staatstragender Bedeutung. Den Siegeswillen demonstrierte Aserbaidschan in diesem Jahr mit Farid Mammadov. Das durch Öl reich gewordene Land hatte in diesem Jahr extra den Griechen Fokas Evangelinos angeheuert: Er war schon für die Bühnenshow von früheren Eurovision Song Contest-Siegern wie der Griechin Helena Paparizou oder dem Russen Dima Bilan zuständig.

Aserbaidschan:Farid Mammadov bei der Bühnenshow Foto. EBU/ Sander Hesterman Aserbaidschan:Farid Mammadov Foto. EBU/ Sander Hesterman

Farid Mammadov tanzt mit seinem Alter Ego

Einen ähnlichen Weg schlug Georgien mit dem Duett "Nodi & Sophi" ein. Das Land kaufte einfach die Ballade "Waterfall" beim schwedischen Komponisten Thomas G:Son (Gustafsson). Er schrieb den Song "Euphoria", mit dem Loreen 2012 in Baku gewann. Das Konzept "Was man selber nicht kann, holt man sich woanders" hatte beim ESC schon oft gute Chancen auf Erfolg.

Ladys unter sich

Die Tatsache, dass die ehemaligen Sowjetrepubliken ihre Lieder im Westen einkaufen, widerlegt die These über die Blockkämpfe innerhalb der Eurovision Song Contest-Gemeinde. Und dennoch bieten drei Frauen der osteuropäischen Offensive Paroli: Emmelie de Forest aus Dänemark, Anouk aus den Niederlanden und Margaret Berger aus Norwegen.

Die Dänin Emmelie de Forest auf der Bühne mit zwei Trommlern Foto: EBU/ Thomas Hanses

Die Dänin Emmelie gilt als Favoritin

Die junge Dänin führt seit Wochen mit dem simpel gestrickten Popsong "Only Teardrops" die Listen der Wettbüros an. Zu PR-Zwecken ließ sich die immer barfüßig auftretende Emmelie die Fußnägel sogar von einem TV-Starmoderator lackieren.

Auf solche Gags würde sich die Niederländerin Anouk nie einlassen. Vor und während des Songs Contests nahm sie nur an von der EBU angesetzten Pressekonferenzen teil, weil das Pflicht für jeden ESC-Teilnehmer ist. Trotz dieser Medienabstinenz hat Anouk mit ihrem düsteren Song "Birds" die Herzen vieler Fans erobert.

Eine große Fangemeinde, vor allem bei den skandinavischen Jugendlichen, hat auch die bei ihren Auftritten äußerst kühl und distanziert wirkende Norwegerin Margaret Berger. Doch die Eisprinzessin-Attitüde kommt an.

Profis am Start

Natalie Horler von Cascada bei der Pressekonferenz während des Eurovision Song Contests in Malmö am 15. Mai 2013; Copyright: DW/A. Brenner

Cascada besticht durch Natürlichkeit

Viele Verehrer fand auch Natalie Horler - die Stimme und das Gesicht des deutschen Trios "Cascada". Da im Finale sehr viele Balladen gesungen werden, kann sie mit ihrem temperamentvollen Song "Glorious" durchaus auf eine gute Platzierung hoffen.

Darüber hinaus kann die Rheinländerin mit professionellem Auftreten sowie ihrer großen Popularität in vielen europäischen Ländern punkten; darunter auch Großbritannien, wo sie einst Michael Jackson vom ersten Platz in den Charts verwies.

In Falle der Britin Bonnie Tyler kann die Bekanntheit allerdings zum Fallstrick werden. Gerade Beispiele aus Großbritannien zeigen, dass Künstler, die ihren Zenit schon überschritten haben, ein Waterloo beim ESC erleben können – wie Engelbert Humperdinck, der letztes Jahr in Baku einen schmachvollen vorletzten Platz belegte.

Doch ein Überraschungssieger?

Auch unter den Männern gibt es heiße Favoriten: Griechenland, Rumänien und Italien haben durchaus Chancen auf vordere Plätze. Der Italiener Marco Mengoni hat seine Karriere gerade erst gestartet. In diesem Jahr gewann er den Musikwettbewerb von San Remo - den wichtigsten von ganz Italien. Er tritt mit der Ballade "L'Essenziale" an und hofft, damit Frauenherzen, aber vor allem ihre Stimmen erobern zu können.

Im krassen Gegensatz zu seinem Schmuselied steht der Ska-Song der Band "Koza Mostra" an der Seite von Aghaton Iakovidis. Mit "Alcohol is free" werben die Griechen in ausgelassener Partystimmung für kostenlosen Alkohol. Und aus Rumänien kommt ein Sänger, bei dem sich in Malmö die Geister scheiden: Kontratenor Cezar beherrscht die tiefen Tönen ebenso wie das Falsett. Es ist eine ziemlich schrille Performance, die aber auch ihre Abhänger findet.

Kurzum: In diesem Jahr gibt es beim Eurovision Song Contest keinen eindeutigen Favoriten wie in Baku 2012. Das Siegerland könnte also eine wirklich dicke Überraschung sein.

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