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Musik

Wenn das Klavier nicht mehr ausreicht

Der Pianist Nils Frahm sitzt nicht nur am Flügel. Er bearbeitet ihn auch gerne mal mit Klobürsten. Dazu nutzt er viel elektronisches Equipment. Experimentell, kreativ, mit einfachen, immer wiederkehrenden Harmonien.

Nebelwolken auf der Bühne. Scheinwerferstrahlen wandern durch den Nebel. Diffuses Licht beleuchtet das Arrangement: Ein Flügel, eine Orgel, ein Synthesizer, ein Fender Rhodes-Piano, Laptops, Sequenzer. Mittendrin ein Mann. Im Takt wippend schraubt er an Knöpfen, drückt Tasten, setzt sich mal an den Flügel, mal an das E-Piano. Er schwitzt. Aus den Boxen tönen elektronische, rhythmische Klänge. Das Publikum beobachtet den Mann fasziniert, ist ganz in seinen Bann gezogen. Zu den elektronischen Tönen kommen glockenklare Klavierklänge dazu. Nils Frahm ist in seinem Element. Er improvisiert, findet immer neue Ideen, die er sofort umsetzt. Alles live auf der Bühne.

Genregrenzen werden gesprengt

Bei Nils Frahm verschwinden die Grenzen zwischen klassischer Klavierkunst, aktuellen Elektrosounds und Popmusik. Frahm selbst sagte mal, der Begriff "ein Teller Buntes" würde seine Musik schon ganz gut beschreiben. Er möchte die Genres verwischen, die Grenzen zwischen Musikstilen auflösen. Was ihm gelingt.

Seit dem Film "Victoria" ist der Künstler einem breiteren Publikum ein Begriff. Frahm komponierte die Musik zu dem deutschen Film, der bei der Berlinale 2015 einen Silbernen Bären bekommen hat und in einem einzigen Kameratake gedreht wurde. Die Macher des Montreux-Jazz-Festivals wurden auf den Musiker aufmerksam und luden ihn im vergangenen Sommer ein. Nach seinem Live-Set feierte ihn das Publikum.

Seit Jahren schon ist Frahm auf ziemlich unterschiedlichen Festivals ein gern gesehener Gast. Nicht nur auf Klassik- oder Jazz-Veranstaltungen. Auch auf Elektro-Festivals wie dem Electro-Underground-Festival "Dimensions" in Kroatien. Oder beim "Traumzeit"-Festival in Duisburg. Sogar beim "Melt"-Festival, wo man eher Indie-Klänge gewohnt ist. Er spielt in London, in Paris, selbst in den USA.

Ein Stück Filz

Nils Frahm (Foto: Michael O'Neal)

Ein Klangkünstler durch und durch: Nils Frahm

Die Idee, Klaviersounds zu modifizieren, hat er zu Hause in seiner Berliner Altbauwohnung gehabt - und eher dem Zufall zu verdanken. Damit sein Klavierspiel für die Nachbarn nicht zu laut wurde, hat er Filz zwischen die Saiten geklemmt. Der Sound, der dadurch zustande kam, war so außergewöhnlich, dass Frahm beschlossen hat, damit zu arbeiten. Für ihn wurden damit neue Möglichkeiten eröffnet, das Klavier zu nutzen, die Bandbreite wurde größer. Er produzierte direkt eine Platte mit dem Titel "Felt" (dt. Filz).

Das war allerdings nicht seine erste. Die war nämlich schon 2005 erschienen, mit dem lustigen Titel "Streichelfisch", und sie war rein elektronisch. Denn neben dem klassischen Klavier hat ihn die elektronische Musik ebenfalls fasziniert. Er produziert eine Platte nach der anderen, alleine und mit anderen Musikern. Dabei werden die Sprünge zwischen den Genres immer kleiner.

Als Grenzgänger nicht allein unterwegs

Seine Zusammenarbeit mit dem isländischen Musiker Ólafur Arnalds hat große Beachtung gefunden. Auch Arnalds "präpariert" sein Klavier gerne. Zusammen haben die beiden seit 2012 mehrere CDs und EPs herausgebracht, die auch von anderen Kollegen geremixed werden. Es ist Ambient von der schönsten Sorte, Klangteppiche, die langsam ihre Farben und Harmonien verändern. Ruhige Musik, gefällige Harmonien, die sich immer wiederholen, in jeder Wiederholung aber einen anderen Charakter bekommen.

Nun hat sich Nils Frahm einem weiteren Projekt gewidmet. Gemeinsam mit zwei alten Kumpels bildet er das Trio Nonkeen. Die drei kennen sich seit der Kindheit, musizierten damals schon zusammen und nahmen ihre Werke auf Kassettenrekordern auf. So haben sie es in den letzten Jahren auch gemacht, haben viele Sessions miteinander gehabt, alles gesammelt und schließlich aus dem neuen und teilweise auch uralten Material ein Album zusammengeschraubt: "The Gamble". Damit gehen Nonkeen jetzt auf Tour. Am 16. April geht's im Berliner Radialsystem los.


Und hier die passende Spotify-Playlist der DW PopXport-Redaktion mit zehn ausgesuchten Musikstücken:

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