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Politik

Weniger ist mehr

Nach Ende des Irak-Kriegs befasst sich das Pentagon wieder mit dem Lieblingsthema von Donald Rumsfeld: der Reform der US-Streitkräfte. Deutschland als größte US-Militärbasis in Europa könnte besonders betroffen sein.

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Will die Streitkräfte umstrukturieren: US-Verteidigungsminister Rumsfeld

Schon vor seiner Zeit als Pentagon-Chef plädierte Donald Rumsfeld für eine grundlegende Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte. Als Leiter der nach ihm benannten Kommission analysierte der heutige Verteidigungsminister schon während der Amtszeit von Präsident Bill Clinton künftige Bedrohungsszenarien durch ballistische Raketen. Die Kommission, in der auch Rumsfelds heutiger Stellvertreter Paul Wolfowitz saß, kam unter anderem zu dem Schluss, dass die USA einer Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und "asymmetrischer" Angriffe auf Häfen, Kommunikationszentren und Städte ausgesetzt seien.

Seitdem ist viel passiert: Terroristen verübten die Anschläge des 11. September 2001, und die USA führten Krieg gegen Afghanistan und den Irak. All das dürfte Rumsfeld in seiner Meinung bestärkt haben, das US-Militär grundlegend zu reformieren: Der Verteidigungsminister will flexible und mobil einsetzbare Streitkräfte. Weniger und besser ausgebildete Soldaten statt Masse. Konzentration auf Marine und Luftwaffe, weg von der klassischen Armee, so fasst Joachim Krause, Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, die neue US-Militärstrategie zusammen.

Blickpunkt Asien

Doch nicht nur die Struktur, auch die geographische Ausrichtung der USA befindet sich im Wandel. Der künftig wahrscheinlichste Einsatzort des amerikanischen Militärs liegt in Asien. Deshalb gebe es, erklärt Otfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS), auch eine Bereitschaft zur Veränderung der weltweiten US-Truppenpräsenz. In den USA herrsche schon lange die Auffassung, dass viele Truppen für mögliche Konflikte schlicht am falschen Ort stationiert seien.

Ein womöglich falscher Ort, über den seit Monaten spekuliert wird, könnte Deutschland sein. Schließlich, so die Argumentation, sei der Grund für die US-Truppenpräsenz, die Bedrohung durch die Sowjetunion, hinfällig. Und politisch stehe es um die deutsch-amerikanischen Beziehungen seit dem Streit um den Irak-Krieg auch nicht zum allerbesten.

Fakten oder Politik

Werden die USA also ihre Soldaten aus Deutschland abziehen und in andere Länder verlegen? Bundesverteidigungsminister Peter Struck betonte am Wochenende (4. Mai 2003), er erwarte keine gravierenden Veränderungen und keine Strafaktion der USA. Diese Einschätzung teilt Sicherheitsexperte Nassauer. Er hält die Annahme, die USA wollten Deutschland durch eine Truppenverlagerung ins Ausland für den Irak-Streit bestrafen, für "hochgradigen Unfug". Solche Entscheidungen fielen nach Faktenlage, nicht aus politischen Gründen. Zudem wäre es für die Vereinigten Staaten unsinnig, große Militärstützpunkte in Deutschland wie Kaiserslautern, Ramstein oder Grafenwöhr, in die sie über Jahre viel investiert hätten, aufzugeben.

Dagegen bewertet Militärexperte Krause eine mögliche Verlagerung von US-Soldaten in mittel- und osteuropäische Staaten wie Polen als politische Reaktion auf den Irak-Krieg. "Denn Polen liegt ja nicht näher zu möglichen Krisenherden wie dem Nahen Osten." Die USA wollten künftig einfach weniger politische Unsicherheiten bezüglich ihrer Truppen im Ausland. "Schon in den vergangenen Jahren haben die USA eine Fähigkeit zur Machtprojektion aufgebaut, bei der sie von Alliierten möglichst unabhängig sind", erläutert Krause.

Reduzierung von Truppen in Deutschland

Als sicher gilt jedoch, dass die Zahl der in Deutschland stationierten US-Truppen in Zukunft deutlich unter die momentan im Lande befindlichen rund 70.000 Soldaten sinken wird. Auf der Streichliste des Pentagon dürfte dabei - im Einklang mit der Gesamtstrategie - besonders das Heer stehen.

Viel drastischer als in Deutschland sind die Pentagon-Pläne für den bislang wichtigsten Partner im Nahen Osten ausgefallen. Aus Saudi-Arabien sollen alle Soldaten abgezogen werden, und künftig nur noch eine kleine Militärberatertruppe verbleiben. Stattdessen bauen die USA ihre Präsenz in den Golf-Emiraten aus.

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