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Kultur

Weltaidsbericht: "Es gibt wichtige Fortschritte"

Es geht vorwärts im Kampf gegen Aids. Die Ausbreitung der Krankheit hat sich erstmals verlangsamt, heißt es im Aids-Bericht des UN-Programms UNAIDS. Entwarnung gibt es aber längst noch nicht.

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Mehr Geld für Kampagnen gegen AIDS

Im vergangenen Jahr steckten sich weltweit 4,1 Millionen Menschen mit dem HI-Virus an, wie das UN-Programm UNAIDS in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht mitteilte. Im Jahr 2003 hatten sich noch 4,8 Millionen Menschen infiziert. Der Bericht wird alle zwei Jahre erstellt. Ende 2005 lebten demnach geschätzte 38,6 Millionen mit dem Aids-Virus infizierte Menschen auf der Erde. Den meisten von ihnen sei nicht bewusst, dass sie sich angesteckt haben.

Aids in Südafrika

Aids hält Südafrika im Griff

UNAIDS warnte vor einem Nachlassen im Kampf gegen Aids. Das südliche Afrika sei trotz eines Rückgangs in wenigen Ländern weiter die am schlimmsten betroffene Region der Welt. Dort lebten zwei Drittel aller Aids-infizierten Menschen weltweit. Allein im Jahr 2005 seien in diesen Ländern zwei Millionen Menschen an der Krankheit gestorben. 2,7 Millionen Menschen steckten sich demnach neu an. Die Infektionsraten weiter außerordentlich hoch, etwa in Botswana, Namibia und Swasiland. Wenige Länder wie Simbabwe oder Kenia hätten rückläufige Ansteckungsraten.

Erstmals belastbare Daten aus China

Auch in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion breitet sich Aids dem Bericht zufolge weiter schnell aus. Dort lebten im Jahr 2005 rund 1,5 Millionen Menschen mit der Krankheit. 53.000 starben, etwa doppelt so viele wie noch zwei Jahre zuvor. Aids breite sich dort vor allem bei Drogensüchtigen aus, die oft Nadeln gemeinsam benutzten. Durch ungeschützten Geschlechtsverkehr werde die Krankheit dann vor allem in den unteren Schichten weiter getragen.

Aids Patient in China

Aids-Patienten in China

In China, wo laut UNAIDS erstmals belastbare Daten vorhanden waren, sind derzeit rund 650.000 Menschen mit dem Aids-Virus infiziert. Das entspricht allerdings nur einem Anteil von 0,1 Prozent an der Bevölkerung. Dagegen liegt die Zahl der Infizierten in Indien mit 0,9 Prozent weit höher. Breitet sich Aids in China vor allem unter Drogensüchtigen aus, so wird die Krankheit in Indien vor allem wegen ungeschütztem heterosexuellen Sex übertragen.

Mehr Mittel im Kampf gegen das Virus

Es seien "wichtige Fortschritte" erzielt worden seit dem großen UN-Aids-Gipfel 2001, der die Wende zum Rückgang der Ansteckungszahlen bringen sollte, hieß es in dem Bericht. UNAIDS lobt, dass die für die Aids-Bekämpfung zur Verfügung gestellten Finanzmittel weltweit erheblich gesteigert wurden. Im vergangenen Jahr seien umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro in die Aids-Bekämpfung geflossen. Das entspreche dem gesteckten Ziel.

Esther Babalola HIV/AIDS in Sagamu, Nigeria, Medikamente

Aids-Patientin in Nigeria wartet auf die Verabreichung von Medikamenten

In dem Bericht heißt es weiter, der Zugang zu Aids-Medikamenten sei enorm gestiegen. In Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen habe sich die Zahl derer verfünffacht, die eine antiretrovirale Therapie erhalten. Zwischen 2004 und 2005 habe sich dort die Zahl der Ausgabestätten für solche Medikamente verzehnfacht. Allerdings sei das Ziel, mindestens der Hälfte aller Betroffenen die notwendige Therapie zukommen zu lassen, verfehlt worden. Derzeit sei das nur bei jedem fünften Patienten garantiert. Dies liege vor allem an zu hohen Kosten.

Kinder vernachlässigt

Gleichwohl gibt es nach UNAIDS-Angaben weiter erhebliche Lücken in der Aids-Bekämpfung. "Ich glaube, diese Krankheit wird sich weiter in jeden Winkel dieses Planeten verbreiten", sagte der Leiter des UN-Programms gegen HIV/Aids, Peter Piot, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Vor allem bei der Prävention müssten größere Anstrengungen unternommen werden. Bei besserer Prävention in 125 Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen ausgebaut, ließen sich bis 2015 voraussichtlich 28 Millionen Neuinfektionen 2015 verhindern.

Schulkinder / Aids-Waisen in Nairobi (Kenia)

Aids-Waisen in Nairobi

Nach Ansicht der Hilfsorganisationen UNICEF und World Vision werden HIV-infizierte Kinder "dramatisch vernachlässigt". Kinder würden wesentlich schlechter versorgt als Erwachsene, kritisierte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF am Dienstag in Köln vor dem Aids-Sondergipfel der Vereinten Nationen. Weltweit seien derzeit 2,3 Millionen Kinder mit HIV infiziert. Von den rund 660 000 Kindern, die dringend Viren hemmende Medikamente brauchen, bekämen sie aber nur etwa 20.000 bis 30.000. "Jede Minute stirbt ein Kind an Aids", betonte das UN-Kinderhilfswerk.

Seit seiner Entdeckung im Jahr 1981 hat das Aids-Virus mehr als 25 Millionen Menschen den Tod gebracht. Mit dem HI-Virus, der die Krankheit ausbrechen lässt, steckten sich in dieser Zeit weltweit rund 65 Millionen an. (stl)

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