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Kultur

Online gegen Aids in China

Die chinesischen Behörden kämpfen mit vielfältigen Kampagnen gegen die Ausbreitung der Immunschwäche Aids. Zum Beispiel mit einem chinesisch-deutschen Online-Trainingsprogramm zur Verhütung und Kontrolle von Aids.

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Aids-Patienten in China

650.000 Menschen sind in China mit Aids infiziert, legt man die am 1. Januar 2006 von offizieller Seite bekannt gemachte Statistik zugrunde. Inoffiziell sind es mindestens 200.000 mehr. Bei 75.000 von ihnen ist die Krankheit bereits ausgebrochen. Im Jahr 2005 haben sich rund 70.000 Menschen neu angesteckt, und die Tendenz zur weiteren Ausbreitung des HI-Virus ist groß.

Besonders die rund 150 Millionen Wanderarbeiter sind gefährdet. Alle Möglichkeiten zur Prävention und Bekämpfung von Aids müssen dringend ausgeschöpft werden. Aus diesem Grund hat InWEnt, die deutsche Gesellschaft für Internationale Weiterbildung und Entwicklung, gemeinsam mit der Chinesischen Vereinigung für Präventivmedizin (CPMA) ein Programm aufgelegt, mit dem der Kampf gegen Aids auch über das Internet geführt wird. Mit den online bereit gestellten Materialien können Mitarbeiter in der Aids-Bekämpfung geschult werden.

Training für Doktoren und Helfer

Nach mehr als einem Jahr Vorbereitung haben die chinesischen und deutschen Experten gemeinsam ein umfangreiches Bildungsnetz zur Aids-Bekämpfung ausformuliert. Es ist zugeschnitten auf das in der Grundversorgung tätige medizinische Personal und nichtmedizinische Spezialisten.

In einer ersten Phase wird in den beiden südwestchinesischen Provinzen Sichuan und Guizhou, wo die deutschen Experten bereits reichlich Erfahrung gesammelt haben, jeweils ein Kurs eingerichtet, in dem 30 Teilnehmer von zwei chinesischen Experten darin unterwiesen werden, wie man über das Internet Hilfestellung gibt und Fragen beantwortet. Zum Kursinhalt gehören Epidemiologie, Diagnostik und Therapeutik am Krankenbett sowie Krankenpflege. Auch Kenntnisse zu den gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen, die zur Ausbreitung von Aids führen, und dazu, wie man sie oder auch die Maßnahmen, die die Regierung ergreifen sollte, beeinflussen kann, gehören zum Lehrstoff.

Das sechsmonatige Programm arbeitet mit einer Kombination von web-gestützten und traditionellen Methoden. Zu Beginn findet ein zweitägiger Workshop, abschließend eine Diskussion statt. Dazwischen lernen die Teilnehmer über Chatrooms, Messageboards oder den Online-Austausch von Dokumenten zu diskutieren - mindestens zehn Stunden wöchentlich. Die als Trainer eingesetzten Experten kommunizieren in dieser Zeit mit ihnen über das Netz, beantworten Fragen, stellen Aufgaben.

Der deutsche Projekt-Experte Klemens Ochel vom missionsärztlichen Institut Würzburg betont die Vorteile gegenüber herkömmlichen Lehrmethoden: den lösungsorientierten Ansatz, die Interaktivität, den stufenweisen Kompetenzaufbau und das gemeinsame Nutzen von Erfahrungen.

Schmutzige Allianz

Aids breitet sich an der Peripherie Chinas rasant aus. In der an Vietnam grenzenden Provinz Yunnan, in Guangxi und in Chinas "wildem Westen", der autonomen Region Xinjiang, ist die Ansteckungsrate hoch. Dort trägt vor allem der Drogenkonsum zur Verbreitung bei, 70 Prozent der Süchtigen sind infiziert. In den zentraler gelegenen Gebieten wie der Provinz Henan haben in den 1990er Jahren unkontrollierte Bluttransfusionen das HI-Virus verbreitet. Heutzutage sind meistens sexuelle Kontakte Grund der Ansteckung, gefördert von der grassierenden Prostitution. Der chinesische Projektleiter, Zhang Konglai, sieht in der Ausbreitung von Aids für China eine ernsthafte Gefahr – und dringenden Handlungsbedarf.

Aufklärung gegen Vorurteile und Angst

AIDS Peking Soldat

Seit dem 1. März 2006 gibt es einen staatlichen "Erlass zur Prävention und Kontrolle von Aids"

Aids ist in China seit mehreren Jahren kein Tabuthema mehr, darauf wies Carola Donner-Reichle, Leiterin der Abteilung für gesellschaftliche Entwicklung bei InWEnt, hin. Die Pekinger Regierung engagiert sich in Aufklärungskampagnen. An der Basis, bei den Behörden vor Ort, mangele es jedoch immer noch sehr an Wissen. Vorurteile und Angst vor Ansteckung sind sogar bei medizinischem Personal noch verbreitet. Das habe sie bei ihren Besuchen in den Labors feststellen müssen. Mit dem neuen Programm soll genau diese Zielgruppe erreicht werden.

China verfolgt seine Anti-Aids-Politik spätestens seit dem am 1. März 2006 wirksam gewordenen "Erlass zur Prävention und Kontrolle von Aids" intensiv. Der Umgang mit der Krankheit ist seitdem juristisch geregelt, Patienten und Angehörige sind besser gegen Diskriminierung geschützt. In den größeren Städten wurden Aids-Zentren eingerichtet, Medikamente und Tests gibt es für die Ärmsten der Bevölkerung umsonst. Allerdings lasse der Informationsstand gerade bei den Mitarbeitern der Aids-Prävention in den am schwersten betroffenen Gebieten noch immer zu wünschen übrig, stellte Cai Jiming, Vizepräsident der CPMA, fest. "Wir brauchen jetzt vorrangig gut ausgebildete Leute an der Basis, dort, wo an vorderster Front agiert wird. Die politischen Rahmenbedingungen sind geschaffen, die Mittel werden kontinuierlich aufgestockt, der internationale Erfahrungsaustausch und die Unterstützung aus dem Ausland funktionieren."

Wenn man erreiche, dass sich die Lebensgewohnheiten der Risikogruppe änderten, wenn Süchtige nicht mehr die Nadel teilten, beim Sex Kondome benutzt würden, und in der breiten Bevölkerung insgesamt mehr auf die Gefahr der Ansteckung geachtet würde, dann sei es wichtig, diese Erfolge auch bekannt zu machen.

Im November 2006 wird nach Abschluss der ersten Programmphase vorläufig Bilanz gezogen. Schon jetzt ist abzusehen, dass das kooperative Anti-Aids-Projekt anschließend auf weitere westchinesische Provinzen und bald vielleicht auch ganz China ausgedehnt wird.

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