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Fokus Osteuropa

Weiterer Kriegsverbrecher stellt sich dem UN-Tribunal

Vinko Pandurovic, angeklagt vom UN-Kriegsverbrechertribunal, hat sich nach einem Gespräch mit Serbiens Justizminister Zoran Stojkovic dazu entschlossen, sich freiwillig dem Tribunal in Den Haag zu stellen.

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335 identifizierte Opfer des Srebrenica-Massakers vor ihrer Beisetzung in der Gedenkstätte "Potocari" im Juli 2004

Pandurovic ist einer der wichtigsten mutmaßlichen Kriegesverbrecher, die wegen des Massakers in Srebrenica angeklagt sind. Nach einem bereits eingespielten Ritual veröffentlichte die Regierung eine Mitteilung, in der Pandurevics Entschluss als moralisch, ehrenvoll, verantwortungsbewusst und im größten Interesse von Serbien-Montenegro und der Republika Srpska sei. Am Mittwoch (23.3.) ist Pandurovic aus Belgrad in die Niederlande gereist und befindet sich nun in UN-Haft in Scheveningen.

Ruhestand als jugoslawischer General

Zunächst waren die Zuschauer sicherlich verwirrt, als sie Pandurevic vor Fernsehkameras bekleidet mit einer General-Uniform der Armee von Serbien-Montenegro erblickten und er bereits hinlänglich bekannte patriotische Phrasen drosch. Aus Patrotismus habe er sich nach so vielen Jahren dazu entschlossen, freiwillig nach Den Haag zu gehen, auch wenn er der Meinung sei, nicht für die verübten Kriegsverbrechen verantwortlich zu sein. Der seit Jahren gesuchte Pandurevic war Kommandeur der Brigade Zvornik der Armee Republika Srpska, in deren Verantwortungsbereich 1995 Srebrenica lag, wo ein Massaker an schätzungsweise 7.000 bis 8.000 Muslimen verübt wurde. Jüngsten Informationen zufolge beendete Pandurevic seine militärische Karriere im Juni 2001 als General der Armee Jugoslawiens.

Doch keine Freiwilligen?

Das Erscheinen Pandurevics in der Uniform eines Generals der Armee Jugoslawiens wirft ein neues Licht auf die oftmals wiederholte Geschichte von serbischer Seite, dass sich Serbien nicht im Krieg befunden, es lediglich seinen Landsleuten geholfen habe, sich in Bosnien und Kroatien zu verteidigen. Dieser Geschichte zufolge hätten auch Offiziere der Armee Jugoslawiens – als Freiwillige – Serben nur verteidigt. Dafür hätten sie ihren Militärdienst in Serbien quittiert. Die Wahrheit lautet jedoch anders.

Belgrad finanziert

Nun ist es öffentlich bekannt, dass im November 1993 beim Generalstab der Armee Jugoslawiens das so genannte 30. Kader-Zentrum gegründete wurde, das für die Republika Srpska zuständig war, und kurz darauf auch ein 40. für die selbsternannte Republika Srpska Krajina in Kroatien. In der ICTY-Anklage wird der ehemalige Generalstabschef Momcilo Persic beschuldigt, diese Zentren gegründet zu haben. Die Hauptfunktion dieser Zentren war es, über sie Sold auszuzahlen und den Dienst zahlreicher Offiziere der Jugoslawischen Volksarmee zu regeln, die in der Armee der Republika Srpska und der Republika Srpska Krajina dienten, ebenso wie für zahlreiche Offiziere, die aus diesen Armeen in die Armee Jugoslawiens abkommandiert wurden.

Pandurovic nur einer von vielen

In der Anklage gegen Perisic ist der Name Vinko Pandurovic nur einer von vielen Offizieren, die Belgrad entsandte, zahlte und über ihre Beförderung entschied, während sie in den Kriegen in Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien kämpften. Danach haben viele – trotz Anklageerhebung wegen Kriegsverbrechen – ihre Karriere in der Armee Jugoslawiens fortgesetzt. Nach dem Fall der Republika Srbska Krajina wurde das 40. Kader-Zentrum im Herbst 1995 aufgelöst. Das 30., zuständig für die Republika Srspka, wurde erst nach starkem Druck aus dem Ausland im Februar 2002 aufgelöst. Dann stellte Belgrad auch die Finanzierung der Armee der Republika Srspka ein.

Mutmaßliche Kriegsverbrecher wurden vom Staat geschütztI

Der Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses von Serbien-Montenegro, Branko Banovic, sprach am Montag (21.3.) laut aus, was jahrelang verleugnet wurde. Er erklärte, das Erscheinen Vinko Pandurovics, eines Generals der Republika Srpska, in der Uniform eines Generals der Arme von Serbien-Montenegro sei ein Beweis dafür, dass die ICTY-Angeklagten unter dem Schutz des Staates gestanden hätten und ihr Aufenthaltsort sehr wohl bekannt gewesen sei. "Wenn die internationale Gemeinschaft nicht Druck ausgeübt hätte, gäbe es auch keine Auslieferungen. All dies schadet dem Staat und demonstriert, dass der Einsatz für die Kooperation mit dem ICTY nicht ehrlich war, dass diese Leute die ganze Zeit hier waren und die Unterstützung der Institutionen von Serbien-Montenegro erhielten", so Banovic.

Jovan Radovanovic, Belgrad
DW-RADIO/Serbisch, 23.3.2005, Fokus Ost-Südost

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