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Aktuell Asien

Weitere Proteste in Bangladesch

Auch drei Tage nach dem Todesurteil gegen einen islamistischen Politiker gehen in Bangladesch die Unruhen weiter. Dabei sind bislang mindestens 51 Menschen gestorben. Nun hat die Regierung die Streitkräfte mobilisiert.

Angesichts der Unruhen im Norden des Landes hat die Regierung in Dhaka zusätzliche Truppen geschickt. Die Soldaten postierten sich in der von der Gewalt besonders betroffenen Stadt Shahjahanpur, wie die Polizei mitteilte. Zuvor hatten dort rund 5000 aufgebrachte Demonstranten und Anhänger der Jamaat-e-Islami-Partei zwei Polizeiwachen sowie das Haus eines örtlichen Führers der regierenden Awami-Liga angriffen.

Die gewalttätigen Proteste entzündeten sich an einem Todesurteil gegen einen islamistischen Politiker. Am Donnerstag war der Vize-Chef der Jamaat-Partei, Delwar Hossain Sayedee, wegen Gräueltaten während des Unabhängigkeitskriegs mit Pakistan aus dem Jahr 1971 zum Tode verurteilt worden. Seit dem Urteil sind mindestens 51 Menschen bei den Zusammenstößen getötet worden. Sayedee ist einer der bekanntesten islamischen Prediger des Landes.

Geschlossene Schulen und Geschäfte

Unmittelbar nach der Urteilsverkündung in Dhaka gingen Sayedees Anhänger auf die Straßen. Seine Partei rief zu einem Generalstreik auf. In der Hauptstadt Dhaka blieben Schulen und die meisten Geschäfte geschlossen. Tausende von Polizisten waren auf den Straßen im Einsatz.

Anhänger der Jamaat-Partei gehen auf die Straße mit Schlägern in den der Hand (Foto: AFP)

Das Todesurteil gegen Delwar Hossain Sayedee hat heftige Reaktionen seiner Anhänger ausgelöst

Verurteilt wurde vom sogenannten internationalen Strafgericht für Bangladesch (ICT), das nicht unter Schirmherrschaft der UN steht. Das Tribunal untersucht seit 2010 Vergehen des Unabhängigkeitskrieges von 1971.

Sayedee ist der dritte und bislang ranghöchste Verurteilte. Nach Überzeugung des Gerichts gehörte er während des Unabhängigkeitskriegs einer brutalen pro-pakistanischen Miliz an. Er soll auch mitverantwortlich dafür sein, dass damals 25 Häuser von Hindus niedergebrannt wurden. Nun soll er gehängt werden.

Unabhängigkeitskrieg bis heute umstritten

Die Vorgänge während des Unabhängigkeitskrieges gegen Pakistan vor mehr als vier Jahrzehnten sind in Bangladesch bis heute äußerst umstritten.

Nach Darstellung der Regierung wurden damals drei Millionen Menschen getötet. Für die Gewalt werden unter anderen islamistische Milizen verantwortlich gemacht, die im Auftrag Pakistans tätig gewesen sein sollen. Andere Schätzungen gehen von 300.000 bis 500.000 Toten aus.

Das Urteil gegen Sayedee ist nur eines in einer ganzen Serie von Prozessen gegen führende Vertreter der Islamisten. Anfang Februar wurde der Sayedee-Vertraute Abdul Qader Molla zu lebenslanger Haft verurteilt. Bei anschließenden Ausschreitungen wurden 16 Menschen getötet. Es sind noch acht Prozesse gegen Jamaat-Politiker anhängig.

GD/sti (afp, ap)