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Welt

Weitere Leiche aus Kreuzfahrtschiff geborgen

Ein dreizehntes Todesopfer und große Sorgen um die Umwelt: Die Lage vor der italienischen Insel Giglio ist auch gut eine Woche nach dem Unglück der "Costa Concordia" weiter angespannt.

Bergungsteams haben ihre Suche nach Vermissten auf der "Costa Concordia" wieder aufgenommen. Am Sonntagvormittag (22.01.2012) stiegen Spezialkräfte erneut in das Wrack des Kreuzfahrtschiffes. Aus Sicherheitsgründen beschränkte sich die Suche aber zunächst auf die Teile des Schiffes, die aus dem Wasser ragen. In der Nacht waren die Arbeiten gestoppt worden, weil sich das auf Grund gelaufene Schiff leicht bewegt hatte.

Immer noch zwölf Deutsche vermisst

Am Sonntag wurde eine weitere Leiche geborgen. Taucher entdeckten den Körper einer Frau im Heckbereich des Schiffes. Damit ist die Zahl der bestätigten Toten auf dem Schiff auf 13 gestiegen.

Inzwischen steht auch fest, dass unter den Opfern mindestens ein Deutscher ist. Das teilte ein Polizeisprecher auf einer Pressekonferenz mit. Bei den bisher identifizierten Toten handelt es sich außerdem um vier Franzosen sowie je eine Person aus Spanien, Italien und Ungarn.

Immer noch werden mindestens 20 Menschen vermisst. Unter ihnen sind nach Agenturberichten zwölf Deutsche. Krisenstab-Chef Franco Gabrielli geht davon aus, dass die Vermissten wahrscheinlich noch an Bord des gekenterten Kreuzfahrtschiffes sind.

Costa Concordia (Foto: ap)

Immer noch werden Vermisste an Bord des Schiffes vermutet

Der deutsche Botschafter in Italien, Michael H. Gerdts, stattete Giglio am Samstag einen Besuch ab. Dabei äußerte der Diplomat die Hoffnung, dass noch Überlebende gefunden werden könnten. "Die Hoffnung ist absolut da", sagte Gerdts. Gezielte Sprengungen sollten den Rettungstauchern neue Zugänge auf dem Schiff ermöglichen.

Mehr als zwei Millionen Liter Treibstoff

Der Kummer um die Vermissten ist eine Sache, die Sorge um die Umwelt vor der Insel Giglio die andere. Die Costa Concordia hat noch mehr als zwei Millionen Liter Treibstoff an Bord, vor allem Schweröl. Bis zum Sonntagabend soll nach Darstellung des Krisenstabes entschieden werden, wie das Schiff leergepumpt werden soll. Vorher darf die niederländische Spezialfirma, die bereits eingeschaltet wurde, mit den Arbeiten nicht beginnen. Krisenstabs-Chef Gabrielli versicherte aber, er wolle den größtmöglichen Einsatz bringen, um den Inselbewohnern eine Umwelt-Tragödie zu ersparen. Die italienische Regierung hat über die Gegend rund um den Unglücksort bereits den Notstand verhängt.

Wollte Costa Werbung machen?

Kapitän Francesco Schettino wird abgeführt (Foto: Reuters)

Entlastende Aussage? Kapitän Schettino

Unterdessen hat der Kapitän des gekenterten Kreuzfahrtschiffes die Reederei Costa Crociere für sein riskantes Manöver vor der Insel Giglio verantwortlich gemacht. Bei einer Anhörung vor Gericht hat Francesco Schettino laut Tageszeitung "La Repubblica" erzählt, die sogenannte Verbeugung vor Giglio vom 13. Januar "wurde noch vor dem Start in Civitavecchia von Costa geplant und verlangt". Mit Routen, die nahe an der Küste entlang führen, "machen wir Werbung für uns", zitierte der "Corriere della Sera" den unter Hausarrest stehenden Kapitän der "Costa Concordia".

Manöver dieser Art habe es bereits "vor Capri, Sorrento, auf der ganzen Welt" gegeben, habe Schettino vor der Untersuchungsrichterin am vergangenen Dienstag weiter gesagt. Die Staatsanwaltschaft Grosseto hofft derweil auf die Daten und aufgezeichnete Gespräche der in den vergangenen Tagen gefundenen Blackbox in dem vor Giglio leckgeschlagenen Schiff. Diese Hoffnung zerstreute Schettino allerdings in seiner Aussage vor Gericht. "Wir hatten an Bord ein Problem, seit 15 Tagen war das Backup der Sprachaufzeichnung kaputt. Wir haben einen Techniker gebeten, das Problem zu beheben, aber das ist nicht passiert."

Autor: Marko Langer/Pia Gram (dpa, AFP)

Redaktion: Ulrike Quast

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