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Asien

Weiter Gewalt in der Hauptstadt Thailands

In Bangkok haben die Kämpfe zwischen Opposition und Regierung neue Opfer gefordert: Ein Demonstrant wurde erschossen, ein zur Opposition übergelaufener General durch einen Kopfschuss schwer verletzt.

Polizisten überqueren bei Nacht im Schein von Autoscheinwerfern eine Straße (Foto: ap)

Polizisten patrouillieren vor dem Krankenhaus, in dem der verletzte General versorgt wird

Die Regierung hat inzwischen das seit Wochen von Oppositionsanhängern besetzte Geschäftsviertel in der Hauptstadt Bangkok komplett abriegeln lassen. Außerdem sei in dem Gebiet der Strom abgeschaltet worden, teilte ein Armee-Sprecher mit.

Die Gewalt in Bangkok war in der Nacht zum Freitag (14.05.2010) erneut eskaliert. Polizeikräfte schossen bei Kämpfen gegen Demonstranten mit scharfer Munition. Ein 25-jähriger Demonstrant wurde durch einen Kopfschuss verwundet und erlag später seinen Verletzungen.

Demonstranten recken ihre Arme in die Luft (Foto: ap)

Viele Regierungsgegner blieben der eskalierenden Gewalt zum Trotz in Bangkoks Geschäftsviertel

Auch der zu den oppositionellen "Rothemden" übergelaufene Generalmajor Khattiya Sawasdiphol wurde von einer Kugel in den Kopf getroffen. Der General war grade dabei, ausländischen Reportern ein Interview zu geben. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er auf der Intensivstation behandelt wurde. Mindestens drei weitere Menschen wurden verwundet.

Es wurde vermutet, dass ein Scharfschütze auf Khattiya geschossen hatte. Er gehört zu denjenigen, die von der Regierung als "Terroristen" bezeichnet wurden, und wird für einige der Gewalttaten der jüngsten Zeit verantwortlich gemacht.

Notstand in 17 Provinzen

Thailands Regierung von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva hatte am Donnerstag den Notstand auf weitere 15 Provinzen des Landes ausgedehnt. Das gibt den Sicherheitskräften nun in insgesamt 17 Provinzen mehr Befugnisse, um gegen Demonstranten vorzugehen und die bürgerlichen Freiheiten einzuschränken. Mit der Maßnahme will die Regierung verhindern, dass sich Demonstranten aus den ländlichen Gebieten der Protestkundgebung in der Hauptstadt Bangkok anschließen.

Schwer bewaffnete Soldaten (Foto: ap)

Soldaten errichteten am Rand des Geschäftsviertels von Bangkok Straßensperren

Auswärtiges Amt warnt, US-Botschaft geschlossen

Das Auswärtige Amt riet am Donnerstag von nicht notwendigen Reisen nach Bangkok ab, da weitere Gewaltakte in der Stadt nicht auszuschließen seien. Insbesondere das Touristen- und Einkaufsviertel rund um die Kreuzung Ratchadamri / Ploenchit Road habe sich zum Demonstrationsschwerpunkt entwickelt. Zahlreiche Hotels und Geschäfte hätten dort geschlossen, der Verkehr sei erheblich behindert. Die Nutzung des Flughafens der Hauptstadt als Transitflughafen für Flüge innerhalb Thailands oder ins Ausland sei aber in keiner Weise beeinträchtigt, teilte das Auswärtige Amt auf seinen Internetseiten mit. Die Tourismusregionen im Süden des Landes seien von den Demonstrationen nicht betroffen.

Die USA schlossen ihre Botschaft in Bangkok. Die US-Regierung sei "sehr besorgt" über die Gewalt, sagte ein Außenamtssprecher in Washington. Die britische Botschaft soll am Freitag geschlossen bleiben, wie eine Sprecherin des Außenministeriums in London

mitteilte.

Die verfeindeten Lager

Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva vor einem Mikrofon (Archivfoto: dpa)

Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva steht unter großem Druck

Die "Rothemden" sind Anhänger des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der in Dubai im Exil lebt. Die Demonstranten werden angeführt von der außerparlamentarischen Vereinigten Front für Demokratie gegen Diktatur (UDD). Diese hat vor allem bei der ärmeren Landbevölkerung Anhänger. Nach eigenen Angaben wollen die "Rothemden" mit ihren Protesten mehr Demokratie erstreiten. Zudem wollen sie den Einfluss der Elite des Landes zurückdrängen, zu denen sie Vertraute des Königshauses, einflussreiche Geschäftsleute, Armeegeneräle und Angehörige des Justizapparats zählen. Die Demonstranten werfen diesen Gruppen Amtsmissbrauch und Verschwörung zum Sturz von gewählten Regierungen vor. Die UDD verlangt Neuwahlen.

Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva steht unter enormem Druck, die Krise zu beenden. Bei den schlimmsten politischen Auseinandersetzungen in Thailand seit fast zwanzig Jahren sind bislang 29 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt worden. Die Proteste haben Teile der Hauptstadt lahmgelegt und belasten auch die Wirtschaft des Landes.

Autor: Martin Schrader (afp, apn, dpa, rtr)

Redaktion: Marko Langer

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