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Politik

Weit vom Frieden in Nahost entfernt

Der Besuch von Ariel Scharon auf dem Tempelberg in Jerusalem vor fünf Jahren galt als einer der Auslöser für die zweite Intifada. Der Nahostexperte der Deutschen Welle, Peter Philipp, erklärt die Hintergründe.

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Der Hass zwischen Palästinensern und Israelis ebbt nicht ab

Im Gegensatz zu konventionellen Kriegen werden Volksaufstände nicht ausgerufen und es gibt weder eine Erklärung zu Beginn, noch eine zum Ende. So ist weiterhin umstritten, was konkret den zweiten Palästinenser-Aufstand, die "Al-Aqsa-Intifada", im Herbst 2000 ausgelöst hat. Und wenn auch seit März dieses Jahres ein brüchiger Waffenstillstand besteht, so zeigen die jüngsten Ereignisse im Gazastreifen doch, dass die Feindseligkeiten längst nicht beigelegt sind.

Fünf Jahre nach dem Beginn der Intifada bleibt die Lage gefährlich

Ariel Scharon beim Besuch des Tempelbergs in Jerusalem (Archivfoto).

Trotz solcher Unklarheiten wird der 28. September 2000 allgemein als ein Tag bezeichnet, dessen Ereignisse maßgeblich zum Ausbruch der zweiten Intifada beigetragen haben: Ariel Scharon, damals noch Führer der nationalistischen Opposition, besuchte demonstrativ den Ostjerusalemer "Tempelberg" - wo einst der jüdische Tempel gestanden haben soll, sich aber auch der muslimische "Felsendom" und die "Al-Aqsa-Moschee" erheben, das drittgrößte Heiligtum des Islam. Obwohl orthodoxe Juden diesen Bereich meiden, zieht es Nationalisten immer wieder dorthin und die Extremsten unter ihnen träumen von der Wiedererrichtung des Tempels.

Fehlgeschlagene Verhandlungen

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Maskierter Palästinenser der Hamas-Bewegung

Scharon gehört nicht zu ihnen, aber sein Besuch löste bei den Palästinensern die Furcht aus, Israel wolle nun vom Tempelberg Besitz ergreifen. Es kam zu Demonstrationen in den besetzten Gebieten, zu schweren bewaffneten Zwischenfällen, zu Toten und Verletzten. Eine Lawine war losgetreten, die bis heute 3500 Palästinensern und 1500 Israelis das Leben gekostet und Zehntausende von Verwundeten gefordert hat.

Eine internationale Untersuchungskommission befand zwar, dass der Besuch auf dem Tempelberg nicht der Hauptgrund für die Intifada war, das kümmerte aber niemanden mehr. Tatsache ist auch, dass der wenige Jahre zuvor in Oslo begonnene Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern ins Stocken geraten war und dass nur wenige Wochen vor den verhängnisvollen Tagen im September ein letzter Versuch der USA fehlgeschlagen war, Israels Premier Ehud Barak und PLO-Chef Jassir Arafat in Camp David auf einen Neubeginn festzulegen.

Freies Bildformat: Israelische Offensive gegen die Hamas Bewegung, Panzer

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Beide blieben weitgehend unflexibel und wahrscheinlich keimte hier die Idee bei Arafat, dass nur massiver Druck auf Israel Ergebnisse bringen könnten. Ein fataler Gedanke, denn eigentlich war ein Kernpunkt der Oslo-Verträge die Erkenntnis gewesen, dass man mit Gewalt keinen Frieden würde erzielen können.

Radikale setzten sich durch

Die Ereignisse sollten diese Erkenntnis bestätigen. Aber es war zu spät: Die Radikalen hatten das Sagen und tagtäglich wurden ihnen zunächst Unbeteiligte in die Arme getrieben, denn es waren ja - auf beiden Seiten - in erster Linie diese Unbeteiligten, die zu den Opfern zählten.

Fünf Jahre später steht man nun vor einem Scherbenhaufen und beide Seiten lecken sich die Wunden. Ob sie ihre Lehre daraus gezogen haben, ist ungewiss. Auf jeden Fall ist man heute weiter denn je von einem Frieden entfernt, sind gegenseitiges Misstrauen und Hass heute größer als vor fünf Jahren. Und wird es lange dauern, wenigstens an den Punkt der Politik zurückzukehren, von dem aus die "Al-Aqsa-Intifada" damals ihren Anfang nahm.

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