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Politik

Weichenstellungen in Sierra Leone

Erstmals seit dem Ende des Bürgerkriegs wählt Sierra Leone ohne die Hilfe internationaler Friedenstruppen. Der Urnengang gilt als wichtiger Test für die Sicherheitslage des von Gewalt und Terror traumatisierten Landes.

Unterstützer der PMDC in Orange, Quelle: dpa

Die PMDC ist eine der drei Parteien, die möglicherweise den nächsten Präsidenten stellt

"Es ist besonders wichtig, dass diese Wahlen friedlich ablaufen - egal, wer der Gewinner ist", sagt Andreas Mehler, Direktor des Leibnitz-Instituts für Afrika-Forschung in Hamburg. Trotz des massiven Einsatzes von UN-Truppen sei die Sicherheitslage im Land noch immer ein wunder Punkt. Frühere Kämpfer ohne Arbeit und Perspektive seien heute leicht für kriminelle Handlungen zu gewinnen.

Sierra Leone liegt außerdem in einem sehr unsicheren Umfeld. Das Nachbarland Guinea gilt zum Beispiel als sehr konfliktträchtig. "Man muss befürchten, dass es auch weiterhin zu Instabilitäten kommt", sagt Afrika-Experte Mehler.

Karte Sierra Leone, Quelle: AP/DW

Lackmustest für die Demokratie

"Die Wahlen sind der Lackmustest für die Frage, wo Sierra Leone in Fragen Demokratie steht", sagt der internationale Beobachter Ibrahim Kargbo. Noch sei der Ausgang der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vollkommen unklar. Der amtierende Präsident Tejan Kabbah darf dem Gesetz nach nicht nochmals antreten, weshalb in jedem Fall ein personeller Wechsel an der Staatsspitze ansteht.

Sierra Leones Präsident Ahmed Tejan Kabbah, Quelle: AP

Präsident Ahmed Tejan Kabbah wird abtreten

Von den sieben Anwärtern auf das Präsidentenamt haben drei eine reelle Chance: Kabbahs Partei SLPP stellt den jetzigen Vizepräsidenten Solomon Berewa auf. Die All Poeple's Congress Party (APC) tritt mit Ernest Koroma an ihrer Spitze an. Der dritte Kandidat Charles Margai ist ein Dissident der SLPP und Gründer der People's Movement for Democratic Change (PMDC).

Engilbert Gudmundsson, Manager der Weltbank in Sierra Leone, hofft auf eine Regierung, die das Land stabilisiert. "Nötig ist eine Regierung, die die richtigen Entscheidungen trifft", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Der Wahlausgang müsse die Menschen in Sierra Leone als Volk zusammen bringen.

Hoffnung auf den Aufschwung

Die Bevölkerung hoffe, dass mit der Wahl der wirtschaftliche Stillstand überwunden wird, sagt Andreas Mehler. Zwar habe eine umfangreiche UN-Mission für mehr Frieden gesorgt. Die amtierende Regierungspartei Sierra Leone People's Party (SLPP) habe jedoch vor allem wirtschaftlich nichts erreicht.

Die Arbeitslosigkeit im Land liegt bei über 70 Prozent, die Kindersterblichkeit ist mit am höchsten auf der Welt, und Wasser und Strom sind rar. "Die Probleme, die mit zum Bürgerkrieg geführt haben - die regionalen Konflikte und die mangelnde Perspektive für die Jugend - sind nach wie vor da", erklärt Mehler.

Zehn Jahre grausamer Bürgerkrieg

Drei Männer sieben Flussschlamm auf der Suche nach Diamanten, Quelle: AP

Hauptgrund für den Bürgerkrieg waren Diamanten.

Zehn Jahre lang - von 1991 bis 2001 - tobte in Sierra Leone ein schrecklicher Bürgerkrieg. Der Hauptgrund waren Rohstoffe: Obwohl das kleine Land mit seinen 5,3 Millionen Einwohnern zu den ärmsten Staaten der Welt gehört, ist es reich an Bodenschätzen. Im Kern ging es bei dem Konflikt um die Kontrolle des Diamantenhandels, den die damalige Regierung und die Rebellen beherrschen wollten.

Beide Seiten gingen äußerst grausam vor und hackten beispielsweise ihren Gegnern Gliedmaßen ab. Rund 120.000 Menschen wurden während des Krieges getötet, tausende verstümmelt. Regierung und Rebellen rekrutierten zudem Kindersoldaten.

Charles Taylor, ehemaliger Präsident des benachbarten Liberia, wird vorgeworfen, den Krieg mit Waffen- und Diamantenschmuggel angefacht zu haben. Er ist mittlerweile wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem UN-Sondertribunal für Sierra Leone angeklagt. Sein Prozess läuft seit Juni am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

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