1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Weg vom russischen Gas - aber wie?

Hastig wird derzeit nach Alternativen zum russischen Gas gesucht. Ist etwa eine Energieunion die Antwort? Der polnische Ministerpräsident ist davon überzeugt.

"Wie auch immer sich der Konflikt in der Ukraine entwickelt, eine Lehre daraus ist klar: Eine übergroße Abhängigkeit von russischer Energie macht Europa schwach", schrieb Polens Ministerpräsident Donald Tusk in einem

Gastbeitrag in der "Financial Times"

. Er fordert die EU auf, sich unabhängiger von russischen Energie-Lieferungen zu machen. Dazu schlage er den Aufbau einer Europäischen Energieunion nach dem Vorbild der Bankenunion vor.

Donald Tusk, polnischer Ministerpräsident (Foto: epa)

Tusk fordert ein Ende der Abhängigkeit von Russlands Energie

Ziel müsse es sein, dass die EU-Staaten in der Energiepolitik und bei der Versorgung mit Öl und Gas enger zusammenarbeiten. Dazu gehöre eine EU-Zentrale, die Gas für alle 28 Mitgliedsländer einkaufe und ein Solidaritätsmechanismus, über den EU-Staaten bei Gasengpässen unterstützt werden. Zudem müsse die EU ihre fossilen Energie-Alternativen wie Kohle und das umstrittene Schiefergas voll nutzen. Die EU deckt

rund ein Drittel ihres Öl- und Gasbedarfs mit Lieferungen aus Russland.

Schiefergas wieder in aller Munde

Die Suche nach Alternativen zu russischem Gas ist in vollem Gange. Dabei wird in der Politik auch wieder über die höchst umstrittene Förderung von Schiefergas diskutiert. Befürworter der sogenannten Fracking-Methode, die in den USA die Energieabhängigkeit vom Ausland stark reduziert hat, sehen sich durch den Konflikt mit Russland bestärkt. Chemiekonzerne wie BASF haben sich wiederholt für einen Einsatz der Technik im Schiefergestein ausgesprochen - bislang aber mit wenig Erfolg. Gegner verweisen auf Gefahren für das Trinkwasser und ein höheres Erdbebenrisiko.

Die Chemiebranche erhofft sich durch die Technik Milliardeneinnahmen, die restliche Industrie setzt auf sinkende Energiekosten: Viele deutsche Unternehmen plädieren daher dafür, eine Nutzung der heimischen Vorkommen zu untersuchen. "Bisher kennen wir nur die Potenziale aus verschiedenen Studien. Was davon wirtschaftlich nutzbar ist, muss erkundet werden", sagt ein Sprecher des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) in Hannover. In Deutschland ist der Einsatz der Technik im Schiefergestein bislang nicht erlaubt. Zurzeit gebe es Stillstand, sagt der Sprecher. Auf Dauer sei dieser Zustand der Rechtsunsicherheit nicht tragbar.

Große Bedenken

Umweltverbände weisen hingegen auf hohe Risiken einer Schiefergasförderung hin. "Hydraulisches Fracking kommt für uns weiterhin nicht in Frage", sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), Stefan Ott, zu Reuters. Alle maßgeblichen Institute hätten erst unlängst nochmals auf die Risikohaftigkeit dieser Methode hingewiesen. "Es kann nicht sein, dass wassergefährdende Chemikalien in den Untergrund gepresst werden und damit das Trinkwasser angegriffen wird". In Niedersachsen seien kleinere Erdbeben auch mit der Erdgasförderung in Beziehung gesetzt worden. "Inwieweit das mit der eingesetzten Fracking-Methode zusammenhängt, kann keiner sagen, aber auch nicht ausschließen", sagt Ott. In einigen Gebieten der USA ist durch Fracking nach Ansicht von Umweltschützern das Trinkwasser verseucht.

Bereits am Wochenende hatte sich in der Politik eine breite Debatte über die Verringerung der deutschen Abhängigkeit von russischen Erdgas-Lieferungen entzündet. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks schaltete sich am Montag (21.04.2014) ein. "Wir haben das eigentlich völlig klargelegt, auch im Koalitionsvertrag, dass wir keinesfalls Fracking wollen", sagte sie im Deutschlandfunk. Das gelte zumindest solange wie giftige Substanzen in die Erde gepresst werden müssen, um überhaupt Fracking möglich zu machen, betonte die SPD-Politikerin. Im Koalitionsvertrag wird das Fracking-Verfahren bei der Schiefergasförderung als Technologie mit hohem Risikopotenzial bewertet. Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt seien wissenschaftlich nicht ausreichend geklärt.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links