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Wirtschaft

"Wechselstube der Nation"

Der Euro stellt den Einzelhandel vor hohe Herausforderungen.

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Einkaufen in Euro - das stellt den Einzelhandel vor zahlreiche Herausforderungen.

In insgesamt 22 Ländern, besonders in Europa, ist die Metro AG vertreten. Seit 2000 expandiert das größte deutsche Handelsunternehmen auch nach China. Zu der Metro AG gehören unter anderem Supermarktketten wie Real, Kaufhäuser wie Kaufhof und Elektronikmärkte wie Saturn.

Gerade diese Sparten sind besonders von der Euro-Umstellung betroffen, denn vom 1. Januar bis zum 28. Februar 2002 werden die Geschäfte der Metro als "Wechselstube der Nation" den Euro an den Kunden bringen. Das heißt die Kunden können in der Übergangszeit mit D-Mark weiterbezahlen, die Geschäfte geben aber schon Euro-Wechselgeld heraus. So soll ein Großteil des Bargeldes in Deutschland umgetauscht werden.

Um für die Umstellung gerüstet zu sein, begann die Metro schon früh mit den Vorbereitungen. Wolfgang Blasch, Projektleiter für den Euro, erzählt: "Ich persönlich beschäftige mich seit 1997 mit dem Thema 'Euro'. Wir haben 1997 mit der Projektarbeit begonnen und haben diese bis heute eigentlich vollzogen. Da ja dieser Zeitraum bis zur Einführung des Euros relativ lang war, war es schon mal so, daß sich der eine oder der andere zurückgelehnt hat - wir haben ja noch so viel Zeit."

Fast 200 Millionen Euro wird die Umstellung für den Metro-Konzern kosten. Besonders mit der rechtzeitigen Computer- und Kassenumstellung am ersten Januar musste sich der Konzern auseinandersetzen, sagt Wolfgang Blasch: "Das ist ein fließender Vorgang, das heißt die Kassenprogramme sind zum größten Teil schon euro-fähig. Das heißt sie müssen nur noch scharfgeschaltet werden, wie wir sagen." Das müsse dann aber auch entsprechend funktionieren, fügt Blasch hinzu: "Wir sind gerade in der Endphase, was die IT-Umstellung anbetrifft. Wir werden also dann auch am 31.12. wie am 1.1. eine Menge Personal in den Märkten, wie den Zentralen haben, die dann prüfen und checken, inwieweit die zentralen Systeme funktionieren. Wir müssen auf jeden Fall am 2.1. funktionsfähig sein, wenn der erste Kunde in unserem Markt ist."

Es muss jedoch auch vermieden werden, dass Falschgeld in den Umlauf kommt. Für Wolfgang Blasch und das Metro-Team ist dies eine der größten Herausforderungen: "Wir haben Informationen, dass Falschgeld ein gewisse Bedeutung bekommen wird, insbesondere jetzt zur Bargeldeinführung des Euros. Zum anderen wird es noch in diesem Jahr zu einem verstärktem Falschgeldaufkommen nach Informationen der Bundesbank und des Bundeskriminalamtes kommen. Auf der anderen Seite wird gerade in dieser Phase der doppelten Währung bis zum 28.2. nächsten Jahres sicherlich verstärkt Falschgeld in den Umlauf kommen."

Die Metro AG leitete Maßnahmen ein, um den Umlauf von Falschgeld entgegenzuwirken. Wolfgang Blasch gibt Einzelheiten: "Diese Maßnahmen waren verschiedener Art: Einmal rein organisatorische Dinge, dass man in Form von Richtlinien, von Anweisungen dieses an die Mitarbeiter gebracht hat, dass aber auch hier Technik eingesetzt wurde, dass wir zum Beispiel in den Märkten sogenannte UV-Lampen oder Mikroschriftleser einsetzen, dass dies aber auch intern und extern kommuniziert wurde, über Plakate und Kartenaufkleber mit dem Hinweis, dass hier auch auf Falschgeld kontrolliert wird."

Über das Internet wurde eine Falschgeld-Meldekette eingerichtet, in der alle Händler andere über den versuchten Umtausch von Falschgeld unterrichten können. Aber auch das Personal der Metro AG wurde "euro-fit" gemacht, sagt Blasch: "Die Mitarbeiter, das ist sicherlich ein Schwerpunkt unserer gesamten Strategie zur Euro-Einführung, müssen gut geschult sein, um gegenüber dem Kunden aussagefähig zu sein. Denn wir merken auch heute, je näher der Zeitpunkt rückt zum 1.1., dass wir auf jeden Fall mehr konkrete Fragen zum Euro bekommen." Auf der anderen Seite gelte es, das Kassierpersonal mit den neuen Euro-Münzen und -scheinen vertraut zu machen.

Besonders die Sicherheitsmerkmale der neuen Scheine wie zum Beispiel das Wasserzeichen oder der Stichtiefdruck müssen bekannt gemacht werden. Die Mitarbeiter in den Geschäften müssen darüber Bescheid wissen, dass die Kunden noch bis Ende Februar mit D-Mark bezahlen können. Außerdem müssen Kunden in dieser Zeit der zwei Währungen mit langen Wartezeiten rechnen, da die Kassierer Scheine sorgfältig prüfen.

Ein anderes Problem stellte sich mit der Frage, wie der Euro eigentlich in die Supermarktkassen kommt? "Wir werden in unserem Konzern ausschließlich über sogenannte Geld- und Werttransporteure beliefert", sagt Blasch, "da haben wird schon sehr frühzeitig das Wechselgeld und den Wechselgeldbedarf für unsere einzelnen Märkte festgestellt über ein Simulationsprogramm und dieses dann auch an unsere Geld- und Werttransporteure weitergereicht, auch in der Abstimmung wie weit, zu welchem Zeitpunkt, in welcher Höhe, in welcher Stückelung, dieses schon sehr früh festgelegt haben."

Rund 250 Millionen Euro werden ab Oktober 2001 an die Metro-Filialen geliefert. Die Räumlichkeiten, um diese Mengen an Geld zu lagern, sind in den Märkten vorhanden. Wachpersonal musste extra eingestellt werden. Hohe Versicherungen mussten geschlossen werden. 1998 informierte die Metro ihre Lieferanten, auch außereuropäische, dass bis Ende 2001 der Geschäftsverkehr in D-Mark weitergehen würde. Erst ab dem 1.Januar wird dieser auf Euro umgestellt.

Von Seiten der Bevölkerung wird dem Handel in Deutschland oft vorgeworfen, die Euro-Umstellung für Preiserhöhungen zu nutzen. Die Metro AG will dies aber nicht tun, versichert Blasch: "Vom Grundsatz her haben wir uns in unseren Vertriebslinien dazu entschieden, daß wir die Euro-Umstellung nicht für Preiserhöhungen nutzen werden. Es lässt sich aber sicherlich sehr schwer oder wenn auch gar nicht bei dem enorm starken Wettbewerb, den wir hier in Deutschland haben Preiserhöhungen durchsetzen."

Steigende Ölpreise, der geringe Wert des Euros gegenüber dem US-Dollar, sowie die Mineralölsteuererhöhung verteuern aber die Lieferantenpreise der Metro. Dadurch könnten die Verbraucherpreise dennoch steigen, räumt Blasch ein. Er sieht die Metro auf jeden Fall aber gut für ist die Währungsumstellung vorbereitet: "Wir sind soweit gut im Zeitplan, dass wir eigentlich sagen können, wir werden auf jeden Fall zum 2. Januar funktionsfähig sein. Ein Großteil ist schon fertig. Ein paar Restarbeiten sind sicherlich noch zu erledigen. Im Großen und Ganzen ist das Thema für uns schon durch."

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