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Politik

Weblog: Der Weltinformationsgipfel

Kolumne: Tausende Delegierte konferieren in Genf über die Rolle der Dritten Welt in der Informationsgesellschaft von Morgen. Und was geschieht zwischen den Konferenzen?

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Schokolade statt WLAN

"Ich bin ja schon drin", murmele ich halb erfreut wie erstaunt, und frage mich ob ich in diesem Augenblick auch gerade so dumm aus der Wäsche schaue wie Boris Becker in seinem Werbespot für AOL. Ich sitze im Media Center des UNO-Gipfels zur Informationsgesellschaft inmitten von Hunderten von Journalisten und habe es nach einigen Fehlversuchen endlich einen Internetzugang gefunden.

Auf der Suche nach Proxy

"So, so, ich soll meinen Proxy festlegen", lese ich aus der knappen Anleitung, die auf den Tischen liegt, leise vor mich hin. Wie gut, dass wir auf einem Internet-Gipfel sind. Hier weiß bestimmt Jeder auf Anhieb was ein Proxy ist und wie man ihn ändert. Das hätte ja auch leicht ins Auge gehen können.

Im Vorfeld gab es Gerüchte und Meldungen, dass der Internetzugang auf dem Gipfel generell nur für teure Schweizer Franken zu haben sein würde. Das ist so natürlich nicht ganz richtig. Dies wäre auch zuviel des Guten für das schadenfreudige Journalistenherz gewesen. In einem Cyber-Steh-Café vor dem Media Center darf jeder ins Internet - solange er will.

Geduld mitbringen

Für Journalisten gibt es in Genf freie Netzwerkanschlüsse und endloses Surfvergnügen. Nur die Verbindung ist ein wenig lahm. Man kommt in das Media Center, packt sein Laptop aus, schnappt sich eines der frei herumliegenden Netzwerkkabel, stöpselt es ein, und schon sucht der Browser geduldig und behäbig nach seinem Schweizer Proxy. "Aber ich bin ja jung, ich kann warten", zitiere ich eine andere AOL-Werbefigur.

Während ich so warte, frage ich mich, warum es kein WLAN (Wireless Local Area Network; Kabelloses Netzwerk) auf diesem Gipfel zur Informationsgesellschaft gibt. In der kostenlosen, mit allerlei Schnickschnack (Schokolade!) gefüllten Tragetasche, die man üblicherweise fast zu jeder Veranstaltung geschenkt bekommt, finde ich eine Werbebroschüre der Schweizer Telefongesellschaft Swisscom - mit einem Gutschein für zwei Stunden kostenlosem WLAN-Zugang.

Skurrile Kostenverteilung

Anscheinend wollte Swisscom für die Option, während des gesamten Gipfels zeitlich unbegrenzt auf das Internet zugreifen zu können, 199 Schweizer Franken verlangen, umgerechnet 128 Euro. "Von diesem Geld kann man in Bulgarien zwei Monate leben", kommentierte Veni Markovski, Chef der Internet Society Bulgaria und ICANN-Direktor die Meldung. Absurder kann man sich auf einem Gipfel, der sich mit Lösungen zur Überwindung der digitalen Spaltung befasst, wirklich nicht anstellen.

Ach ja: Die Schokolade aus der Tragetasche, war wirklich lecker.

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