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Sport

Wawrinka siegt mit Sensationstennis

Der Schweizer Stan Wawrinka schlägt Topfavorit Novak Djokovic im Finale von Paris und zeigt dabei beeindruckendes Tennis. Der Serbe wartet weiter auf seinen ersten großen Titel auf Sand.

Das Sandplatzreich Roland Garros hat einen neuen König - und der heißt nicht Novak Djokovic. Im mitreißenden Finale der French Open bezwang Stan Wawrinka den Branchenführer aus Serbien mit 4:6, 6:4, 6:3, 6:4 und krönte sich selbst zum Nachfolger des Seriensiegers Rafael Nadal. Djokovic scheiterte in Paris dagegen zum dritten Mal kurz vor der Erfüllung seines Titeltraums. "Das war das Match meines Lebens", sagte Wawrinka überglücklich im Siegerinterview: "Gegen Novak ist es immer eine unglaubliche Herausforderung. Ich hoffe, dass er eines Tages in Roland Garros gewinnt, weil er ein großer Champion ist."

Nach 3:12 spannenden und hochklassigen Tennisstunden verwandelte Wawrinka seinen zweiten Matchball und trat mit seinem zweiten Grand-Slam-Erfolg nach den Australian Open 2014 endgültig aus Roger Federers langem Schatten. Für Djokovic, den nahezu unbezwingbaren Dominator dieser Saison, endete eine Serie von 28 Matches ohne Niederlage. Wie 2012 und 2014 gegen den Spanier Nadal unterlag Djokovic im Endspiel auf dem Court Philippe Chatrier einem besseren Kontrahenten. Dem 28-Jährigen, der sich selbst auf dem Zenit seines Könnens wähnt, droht das gleiche Schicksal wie seinem Trainer Boris Becker. Der langjährige Leimener und heutige Londoner war Zeit seiner Karriere vergeblich dem Coupe des Mousquetaires nachgejagt.

Selbstbewusster Schweizer

Einen Satz brauchte Wawrinka, um sich an Djokovics variables Spiel zu gewöhnen, dann setzte er seine Ankündigung in die Tat um. "Wenn ich mein Spiel durchziehe", hatte Wawrinka gesagt, "ist er nicht glücklich. Das weiß ich." Sein Spiel besteht aus präzisen Geschossen, abgefeuert von der Grundlinie mit Vorhand und Rückhand gleichermaßen kraftvoll.

2015 French Open Novak Djokovic

Nicht schlecht gespielt, aber Novak Djokovic muss weiter auf den Sieg bei den French Open warten. Wawrinka war besser.

Wawrinka, der im Viertelfinale seinen Landsmann Federer erstmals bei einem Grand Slam bezwungen hatte, hielt sich nicht eine Sekunde mit dem Satzverlust auf. Seit seinem Sieg in Melbourne sei er gelassener geworden, er wisse nun, dass er auch die besten Spieler auf der Welt schlagen könne. Das Pariser Publikum trieb Wawrinka zusätzlich an. Der 30-Jährige aus Lausanne dankte es mit Zauberschlägen, im dritten Satz feuerte er eine Rückhand am Netzpfosten vorbei ins Feld. Djokovic schien angezählt, er versuchte sogar mit der ungeliebten Aufschlag-Volley-Kombination die achte Niederlage in seinem 16. Majorfinale abzuwenden.

Djokovic auf den Spuren seines Trainers

Verzweifelt blickte Djokovic in seine Box, suchte den Kontakt zu Becker, als Wawrinka nach einem epischen Ballwechsel von 30 Schlägen Djokovics Vorteil im vierten Satz geraubt hatte. Zum entscheidenden Break bei 4:4 schlug eine Rückhand die Linie entlang neben Djokovic ein. Becker hatte geahnt, dass Wawrinka für seinen Schützling die größte Herausforderung bei den French Open werden würde. "Stan ist seit seinem Erfolg in Melbourne beständig einer der besten Spieler der Welt - auf jedem Belag. Wenn Stan in Form ist und sich gut fühlt, dann ist er sehr schwierig zu spielen", sagte Becker.

Zudem fühlt sich Wawrinka auf roter französischer Asche besonders wohl, vor zwölf Jahren gewann er den Juniorentitel in Roland Garros, im November 2014 führte er die Schweiz in Lille zum historischen ersten Davis-Cup-Titel.

to/tu (sid, dpa)

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