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Kultur

Was, wenn der Virus kommt?

Die vermeintlichen Vogelgrippe-Fälle in Belgien und Köln haben sich als falscher Alarm erwiesen. Was passiert aber, wenn sich ein Verdacht als Erkrankung bestätigt? DW-WORLD hat nachgefragt.

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H5N1: Gefahr auch für den Menschen

Die Nachrichten über Vogelgrippe-Erkrankungen überschlagen sich seit Beginn des Jahres: Neben China und Südostasien grassiert die Seuche vor allem in der Türkei. Nach vorläufigen türkischen Tests sind bislang 20 Menschen mit dem besonders gefährlichen Virus H5N1 infiziert. Vier türkische Kinder sind an der Krankeit gestorben. Am Montag (16.1.) wurde nun auch in Israel ein Mann mit Verdacht auf Vogelgrippe ins Krankenhaus eingewiesen. Der Patient werde auf den H5N1-Erreger getestet, teilte die Klinik in Jerusalem mit. Der Mann besitze Hühner, von denen einige in den vergangenen Tagen verendet seien. Weltweit sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher 147 Menschen am Virus erkrankt, 79 seien daran gestorben.

Wird der Virus nach Mitteleuropa kommen?

Kann und will niemand sagen. Am 14. Januar schien es erstmals soweit zu sein - ausgerechnet im bürokratischen Herzen Europas. Ein aus der Türkei nach Brüssel zurückgekehrter Journalist klagte über Grippesymptome - ein Fehlalarm, wie sich herausstellte. Ein Tag später dann ein erster Verdacht auf eine Vogelgrippe-Erkrankung bei einem Menschen in Deutschland - der sich ebenfalls nicht bestätigte. Ursache der Symptome nach einem Türkei-Aufenthalt war nicht der unter Umständen tödliche Vogelgrippen-Virus H5N1, sondern eine Bronchitis. Der Mann war schlicht "akut erkältet", wie das Krankenhaus in Köln mitteilte.

Die ganze Aufregung um nichts?

Notfallkoffer Vogelgrippe

"Notfallkoffer Vogelgrippe" beim Zoll in der Ankunftshalle am Flughafen von Frankfurt am Main

Nein, ganz im Gegenteil, meint Virologe Werner Lange, ehemaliger Direktor der Influenza Abteilung des Robert-Koch-Institutes (RKI) in Berlin. Er sieht darin nämlich ein positives Zeichen. "Die Tatsache, dass die Ärzte die Patienten so schnell auf den H5N1-Virus geprüft haben, macht mich optimistisch." Optimistisch, dass die Wachsamkeit da ist - und das die Aktionspläne gegen die Seuche in Mitteleuropa greifen.

Was passiert, wenn tatsächlich Patienten mit Vogelgrippe auftauchen?

Gefahr für Andere besteht nicht - nach momentanem Wissenstand ist der Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. "Das entscheidende ist, dass zunächst einmal ein Anfangsverdacht geschöpft wird", sagt der Virologe Lange - also dass der behandelnde Arzt soweit denkt, einen Patienten, der etwa gerade aus der Türkei kommt, auf Vogelgrippe überprüfen zu lassen. Klinisch und administrativ läuft danach alles nach dem nationalen Influenza-Pandemie-Plan, den das Robert-Koch-Institut nach den internationalen Empfehlungen der WHO entwickelt hat. Schon bei Verdachtsdiagnose wird der Patient in einem Quarantäne-fähigen Krankenhaus auf der Intensiv-Station isoliert - zur Sicherheit. Es ist schließlich nicht auszuschließen, dass der Virus die Übertragung von Mensch zu Mensch "erlernt". Labordiagnostische Tests klären, von welcher Art Virus der Patient befallen ist. Gleichzeitig wird versucht, Kontaktpersonen des Erkrankten zu ermitteln, um diese ebenfalls auf eine Infektion zu überprüfen. Auch dies lief bei den bisherigen Verdachtsfällen "hervorragend", betont Lange. "Bei dem Belgier hatte man zum Beispiel schon eine Liste der Passagiere, die mit dem Erkrankten im selben Flug saßen." Bei frühzeitiger Erkennung stehen die Heilungschancen gut", sagt Lange.

Der Fall müsste laut Seuchengesetz gemeldet werden. Von der nationalen Pandemiekommision würden dann die Maßnahmen koordiniert: In Deutschland zwischen WHO, Bund, Ländern, Katastrophenschutz und vielen anderer Stellen. Hierbei wird sich an Gefahrenklassen, so genannten "pandemischen Warnperioden" orientiert. Davon gibt es sechs. Momentan gilt in Deutschland Stufe drei.

Wie wahrscheinlich ist, dass sich der Virus unter Geflügel in Mitteleuropa ausbreitet?

Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) ist das Gegenstück des Robert-Koch-Institut für die Veterinär-Medizin. In einer aktuellen umfangreichen Risikostudie vom 11. Januar 2006 bewerten die Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung aus den betroffenen Gebieten in der Türkei oder Rumänien durch illegale Importe als "hoch". Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz sieht in einer Stellungnahme Deutschland und die EU trotzdem als "gut aufgestellt" an, was die gezielte Beobachtung der als Überträger des Virus in Frage kommenden Zugvögel ebenso wie verstärkte Kontrollen an Flughäfen, Häfen oder Autobahnen angeht. Und falls es doch zu einer Infektion deutscher Geflügelbestände komme, glaubt FLI-Sprecherin Elke Reinking die EU gerüstet. Der EU-Maßnahmenkatalog in der Geflügelpestverordnung "sei über Jahre gereift". Die Chance einer Eindämmung ständen gut. "Ich schlafe diesbezüglich sehr gut. Und wir tun alles, damit das auch so bleibt."

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