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Afrika

Was verbirgt sich hinter Al-Shabaab?

Die Al-Shabaab-Miliz will in Somalia einen islamischen Gottesstaat durchsetzen. Und dabei schreckt sie auch vor Anschlägen nicht zurück. Wer ist Al Shabaab – und ist sie tatsächlich der Al-Kaida-Brückenkopf in Afrika?

Vermummte und bewaffnete Mitglieder der Al-Shabaab-Miliz in Mogadischu (Foto: AP)

Brückenkopf Al-Kaidas? - Al-Shabaab-Miliz in Somalia

Seit einigen Jahren schon dominiert Somalia die Agenda der halbjährlichen Gipfeltreffen der Regierungschefs Afrikas und so ist es auch in diesem Jahr beim Treffen der Afrikanischen Union (AU) in Kampala. Ausgerechnet dort, wo Selbstmordattentäter am Abend des WM-Endspiels (11.07.2010) mehr als 70 Fußballfans in die Luft sprengten. Wenngleich sich die somalische Islamistengruppierung Al-Shabaab (übersetzt: "Die Jugend") zu dem Attentat bekannt hat, trauen ihr einige Experten einen solch professionellen Anschlag nicht zu. "Die Fußsoldaten, die die Bomben am Körper getragen haben, waren Somalis. Aber die Hintermänner, die die Strippen gezogen und die Bomben hergestellt haben, sind Alliierte von Shabaab, und nicht Shabaab selbst", ist Abdi Sammter, Somalia-Experte der Universität Minneapolis in den USA, überzeugt. So wie die meisten Somalia-Beobachter, glaubt er, dass die Kampala-Anschläge den internationalen Dschihadisten innerhalb der Shabaab zugerechnet werden müssen.

Multinationaler Terror

Zerstörte Autos nach einem Bombenanschlag in Mogadischu (Foto: AP)

Terror und Angst: Die Shabaab ist für etliche Anschläge verantwortlich

Zu schwach und zu zerstritten sei die 2006 aus den gemäßigten islamischen Gerichtshöfen hervorgegangene somalische Zelle. Afghanen, Pakistani, Tschetschenen und Exil-Somalis aus Großbritannien und den USA zählen westliche Dienste zu den externen Shabaab-Mitgliedern. Logistische Hilfe soll der Nachbar Eritrea liefern, den der UN-Sicherheitsrat deshalb mit Sanktionen belegt hat. Vom benachbarten Kenia aus beobachtet der Somalia-Experte der "International Crisis Group", Rashid Abdi, die Internationalisierung von Shabaab: "Es handelt sich heute weitgehend um eine multinationale Terrororganisation. Gewissermaßen einen Klon von Al-Kaida." Dazu gehörten ausländische Dschihadisten, die in aller Welt angeworben wurden sowie Terrortechniken wie etwa die Selbstmordattentate, die denen der Taliban und Al-Kaida gleichen.

Klon von Al-Kaida

Al-Shabaab, die auch unter Hizbul Shabaab, (übersetzt: "Partei der Jugend") firmiert und die die USA als Terrororganisationen führen, wurde 1998 als Miliz innerhalb der Union Islamischer Gerichtshöfe (UIC) gegründet. Die Gerichte kontrollierten 2006 einige Monate lang Mogadischu und konnten erst im Januar 2007 von äthiopischen Truppen vorübergehend zerschlagen werden. Der Kampf gegen den als christlichen Besatzer empfundenen Nachbarn und Erzfeind Äthiopien begründet bis heute die Existenzberechtigung von Shabaab. Doch seit dem Abzug der Äthiopier müssen ebenso die AU-Truppensteller Uganda und Burundi als die erklärten Feinde der Gotteskrieger herhalten. Seit einer Erklärung im Januar dieses Jahres versteht sich Al-Shabaab offiziell als Brückenkopf Al-Kaidas in Ostafrika, man wolle "gemeinsam einen Gottesstaat am Horn von Afrika errichten", so der Wortlaut.

Schwer bewaffneter slamischer Kämpfer in einem Versteck (Foto: AP)

Die Al-Shabaab kämpft gegen die Regierung in Somalia

Demnach haben die Hardliner die Ideologiekämpfe innerhalb der mindestens vier Lager Al-Shabaabs gewonnen, so Rashid Abdi: "Der größte politische Graben besteht zwischen den Nationalisten, die den heiligen Krieg in der Hoffnung führten, eine islamistische Regierung zu etablieren und die äthiopischen Besatzer aus dem Land zu werfen, und jener anderen Gruppe, die den globalen Dschihad verfolgt", so der Experte. Diese Gruppierung sei mit den ausländischen Gotteskriegern alliiert und habe die Kontrolle über die Bewegung übernommen. Im Alltagsleben äußert sich die Dominanz der Hardliner in einer für die sunnitischen Somalis untypisch harschen Auslegung der Scharia-Gesetzgebung. Die Maßnahmen reichen von einem Verbot von Kino, Fußball und Tanzen bis zur strikten Bartvorschrift für Männer und der Steinigungen vermeintlicher Ehebrecherinnen.

Somalia-Politik der USA

Noch sind die Mitglieder der Staatengemeinschaft uneins über Maßnahmen gegen das Phänomen Al-Shabaab - einschließlich der in Kampala versammelten Staatschefs der Nachbarländer. Experten glauben, dass das Vorgehen der beiden wichtigsten externen Akteure in Somalia den zukünftigen Kurs der Radikalen entscheidend beeinflussen wird. Phillipe De Pontet, Somalia-Analyst der amerikanischen Denkfabrik "Eurasia Group", erklärt: "Besonders geht es dabei um Äthiopiens Politik gegenüber Somalia, und um die der USA. Ob etwa der Anschlag von Kampala zu einem Umdenken in der amerikanischen Somalia-Strategie führt."

Keine Truppenaufstockung

Somalischer Soldat auf Straßenpatrouille in Mogadischu (Foto: AP)

Uganda fordert die Aufstockung der AU-Truppen für Somalia

Somalia-Beobachter erklärten einvernehmlich, dass ein neuerlicher Grenzübertritt des Nachbarn Äthiopiens oder neue Raketenangriffe der Amerikaner gegen Al-Shabaab-Stellungen den Gotteskriegern weiteren Zulauf bringen. Ausgerechnet zu einer Zeit, wo sich viele Somalis wegen der Selbstmordattentate gegen Zivilisten von der Gruppierung distanzieren.

Angesprochen auf die Forderung des ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni nach einer Aufstockung der AU-Friedenstruppe AMISOM auf 20.000 Soldaten warnt Somalia-Beobachter Rashid Abdi jedoch vor einer weiteren Militarisierung des Konfliktes: Jede ausländische Intervention sei bislang kontraproduktiv gewesen und habe nur mehr Instabilität kreiert, anstatt das Land zu befrieden. "Meiner Meinung nach sind die, die jetzt eine zusätzliche Militärpräsenz in Somalia fordern, auf dem Holzweg. Stattdessen müssen wir die somalische Regierung in die Lage versetzen, ihren eigenen Krieg zu gewinnen." Denn es handele sich hier um einen somalischen Bürgerkrieg, so der Islamwissenschaftler weiter. "Eine Seite gegen die andere aufzurüsten ist sicherlich nicht das richtige Mittel."

Autor: Ludger SchadomskyRedaktion: Stephanie Gebert

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