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Afrika

Kommentar: Somalia als Failed State

Ihre Unabhängigkeit werden die Somalis kaum feiern. Die Gotteskrieger der radikalislamistischen Al Shabaab hacken schon fürs WM-Schauen Körperteile ab, da kommt eine Jubelparade nicht gut an, meint Ludger Schadomsky.

Ludger Schadomsky (Bild: DW)

Ludger Schadomsky ist Leiter des Amharischen Programms bei der DW

Selbst wenn sie dürften: Die Somalis haben 50 Jahre nach jenem Hoffnung stiftenden 1.Juli 1960 beim besten Willen nichts zu zelebrieren. Das Wissen, dass ihr Volk wie kaum ein anderes unter der kolonialen Aufteilung Afrikas gelitten hat, deren Folgen bis heute das Horn von Afrika destabilisieren, hilft den gepeinigten Menschen kaum. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass Somalia im Kalten Krieg zwischen den Fronten zerrieben wurde und nie die Chance hatte, ein demokratisches Staatswesen aufzubauen.

Doch es wäre falsch, allein den Kolonial-Kartographen die Schuld am Failed State Somalia zu geben. Nach mehr als einem Dutzend Versuchen seit 1991, eine konsensfähige Regierung zu bilden, gilt Somalia als hoffnungsloser Fall. Das ist tragisch, weil die alles dominierende Clanstruktur des Landes im Kern zutiefst demokratisch konzipiert ist. Ist es zynisch zu sagen, dass Somalia heute Glück hat, als Piratennest und Al-Qaida-Basis auf dem Radar der Weltgemeinschaft aufzutauchen? Denn so ist der Westen genötigt, sich Gedanken um das strategisch wichtige Land am Horn von Afrika zu machen, nachdem er nach dem Debakel der UN-Mission Anfang der 90-er Jahre jede kohärente Somalia-Politik eingestellt hatte.

Natürlich ist es ein Gemeinplatz, dass letztlich nur Somalis Somalia auf die Beine bringen können. Die klügsten Köpfe sitzen allerdings längst nicht mehr in Kismayo oder Mogadischu, sondern in der Diaspora, in Toronto und Stockholm. Auch dies macht den Nation Building-Prozess so mühsam. Aber sie müssen sich jetzt intensiv in den Friedensprozess einschalten und zwischen Darod, Hawiye, Isaaq und all den übrigen verfeindeten Clans vermitteln. Dass der untragbare UN-Sonderbeauftragte für Somalia, Ould-Abdallah, endlich abberufen ist, ist ein Aufbruchsignal. Und auch der Nachbar Somaliland macht Mut: Dort gingen am vergangenen Samstag eine Million Wahlberechtigte friedlich zur Urne, um, wie erste Ergebnisse andeuten, den amtierenden Präsidenten abzuwählen. Somaliland hat sich 1991 von Rest-Somalia losgesagt und ist seitdem der Gegenentwurf zum anarchischen Süd-Somalia. Dass diese Bemühungen international nicht anerkannt werden, in Mogadischu aber eine Karsai-ähnliche Regierung ohne jeden Rückhalt protegiert wird, ist nur eine der bitteren Erkenntnisse für die Somalis an diesem 50.Unabhängigkeitstag.

Autor: Ludger Schadomsky

Redaktion: Christine Harjes

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