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Wirtschaft

Was steckt hinter der Gas-OPEC?

Iran, Russland und Katar, die mehr als die Hälfte der weltweiten Gasvorräte besitzen, wollen sich in einer so genannten Gas-OPEC zusammenschließen. Langfristig könnte das Auswirkungen auf Europa und Deutschland haben.

Gas aus Russland, Iran und Katar (Quelle: AP, dpa, DW)

Mehr als die Hälfte der weltweiten Gasvorkommen befinden sich in Russland, Katar und Iran

Bisher waren die großen Gasförderländer im Forum der Gas exportierenden Länder (GECF) organisiert. Dieses zeigte sich allerdings als handlungslahm. Nun wollen sich Iran, Russland und Katar neu organisieren. Vergangene Woche haben die Länder in Teheran die Gründung eines Gas-Kartells angekündigt. Die so genannte Gas-OPEC will sich als Pendant zur Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) verstehen. Algerien, Ägypten, Nigeria, Venezuela, Indonesien und Libyen gelten als weitere Kartell-Kandidaten.

Verunsichern und beeindrucken

Stahlrohr für Ostsee-Gaspipeline (Quelle: dpa)

Rohrlieferung: Momentan befindet sich die Ostsee-Gaspipeline zwischen der Insel Rügen bis Russland im Bau. 2011 soll sie in Betrieb genommen werden

Gas-OPEC - alleine diese Wortkombination hat einen argwöhnischen Nachhall im europäischen Ohr, erinnert es doch Europa an seine Energieabhängigkeit, unter anderem von Russland. Rund ein Drittel des Öls und etwa 40 Prozent des Gases importiert Deutschland von seinem östlichen Nachbarn. Der geplante Atomausstieg würde diese Abhängigkeit noch brisanter machen, zumal Deutschland in der Vergangenheit bereits einige Probleme mit den russischen Gaslieferungen hatte.

Dramatisieren sollte man die Lage aber nicht, meint Roland Götz von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Er persönlich nehme die Ankündigung zunächst nicht ganz ernst, schließlich gebe es zwei Möglichkeiten: "Entweder meint Russland genau das, was es sagt. Oder es ist eher wie eine Redeweise, eine nicht wirklich ernst gemeinte Strategie", vermutet Götz. Der Ausdruck Gas-OPEC sei vielleicht nur ein Wort, das man benutze, "weil es interessant klingt und man damit andere Länder und Geschäftspartner ein bisschen beeindrucken will", sagt Götz.

Langfristige Verträge

Wenn Russland tatsächlich nur Beeindrucken wollte, dann wurde das Ziel wohl schon erreicht. Die EU-Kommission kritisierte unverzüglich die "Gas-Troika" - auf diesen Namen haben die Medien das geplante Kartell bereits getauft. Der Sprecher der Kommission forderte, dass Gas auf dem Markt weiter frei und transparent verkauft werden müsse. Die andere Möglichkeit, dass Russland wirklich ein Kartell im wirtschaftlichen Sinne meint, schließt Götz auch nicht aus, hält es aber für unwahrscheinlich. Das würde dem Land mehr Probleme als Vorteile bringen: Das gesamte Gasgeschäft mit Europa - dem wichtigsten Geschäftspartner Russlands - beruhe auf Langfristverträgen, die die Möglichkeit eines Kartells ausschlössen, so Götz. "Wenn wirklich ein Kartell, ähnlich wie die OPEC, geplant wird, müsste Russland, oder besser gesagt Gasprom, seine ganze Gasstrategie, seine Geschäftspolitik auf den Kopf stellen, was ich nicht glaube", sagte Götz.

Noch kein Weltmarkt für Erdgas

Tatsächlich laufen die Gasverträge zwischen dem deutschen Energiekonzern E.ON und Russland bis zum Jahr 2036. Der große Abnehmer zeigte sich deswegen gelassen.

Es gab schon seit längerem Bestrebungen der großen Gas-Exporteure, eine mächtigere Organisation nach dem Vorbild der OPEC zu gründen. Bis jetzt führten die Gaspreise eine Art Satellitendasein zu den Ölpreisen. Wenn der Ölpreis fällt - was im Moment der Fall ist - kostet auch das Gas weniger und das ist in den entsprechenden Lieferverträgen festgeschrieben.

Öltanker Viking - Archivfoto. (Quelle: dpa)

Bisher transportieren Tanker wie Viking nur Öl. Kommt bald auch Gas auf dem Seeweg?

"Da stellt sich die Aufgabe, die Preise zu koordinieren. Und das ist jetzt einfach ein Schritt, den man mit den Ländern machen kann, die bereit sind, den Preismarkt zu regulieren", findet Heiko Pleines von der Bremer Forschungsstelle Osteuropa. Nach Ansicht des Experten existierte bisher für Gas kein Weltmarkt, wie es einen für Erdöl gebe. Gasexporteure hätten den Treibstoff an konkrete Abnehmer durch konkrete Pipelines geliefert. Der Preis sei durch bilaterale Verträge geregelt gewesen, was ein Kartell überflüssig mache. Notwendig werde ein solches erst dann, so Pleines, "wenn man, ähnlich wie beim Erdöl, einen Weltmarkt bekommt, der über die Tankerlieferungen funktioniert. Was sich jetzt zu entwickeln scheint, das ist ein Markt für Flüssiggas." Das bedeute, dass verflüssigtes Gas auf Tankern an jeden beliebigen Ort der Welt transportiert werde, wo sich wiederum andere Preise ergeben würden, sagte Pleines.

Zukunftsmusik

Abdullah bin Hamad Al-Attiya (Katar), Gholam Hossein Nozari (Iran) und Alexei Miller (Russland) gaben in Katar die Pläne einer Gas-OPEC bekannt (Quelle: AP Photo/Vahid Salemi)

Vertreter der Länder Katar, Iran und Russland (v.l.) auf der Pressekonferenz in Teheran. Das nächste Treffen findet in Russland statt

Pleines nimmt an, dass Gasprom eher langfristig plane, um den Anschluss an den neuen künftigen Markt nicht zu verlieren. Allerdings gebe es noch keine weltweit funktionierende Infrastruktur für die Verbreitung des Flüssiggases. Deswegen sei das alles erstmal Zukunftsmusik und für Deutschland in absehbarer Zeit eher unwichtig, meint der Experte. Russland plane in vielem langfristig, fährt er fort. "Die haben eine Energiestrategie bis 2020. Das heißt, sie machen sich wirklich Gedanken, was in einigen Jahrzehnten passiert."

Was genau Russland und Gas-Troika mit ihrem Kartell meinen, wird vielleicht in einigen Wochen deutlicher. Mitte November planen nämlich die großen Gasexporteure ein weiteres Treffen, diesmal in Moskau. Dabei wollen sie konkrete Details der Organisationsgründung besprechen und das Kartell, über das bisher nur spekuliert wird, de facto ins Leben rufen.

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