1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Was Konvertiten am Islam anzieht

In Deutschland sind seit den 1980er Jahren etwa 25.000 Menschen zum Islam übergetreten. Nicht immer reagieren ihre Familien positiv darauf. Was ist ihre Motivation den Glauben zu wechseln, und was sagt ihr Umfeld?

Vor Beginn des gemeinsamen Ramadan Fastenbrechentreffens unterhalten sich am 12.10.2006 eine türkische und zwei deutsche, junge Frauen in Essen miteinander.

Im Dialog

Nikole war Mitte zwanzig, als sie ihren Entschluss gefasst hat, Muslima zu werden. "Ich bin ohne Religion groß geworden, habe mich mit 14 Jahren taufen lassen, weil ich mich für Religion interessierte", sagt die zweifache Mutter. Mit dem Christentum konnte sie sich jedoch im Laufe der Zeit nicht mehr identifizieren. "Die Antworten vom Pfarrer waren immer: 'Es ist eben so.' Im Islam finde ich, ist alles erklärt. Man hat für alles eine Antwort und eine Regel", so die 28-Jährige.

Sie hat viele Bücher über den Islam gelesen und was sie las, hat ihr imponiert. "Für mich passt einfach das Gesamtbild. Ich finde, da widerspricht sich nichts", sagt Nikole. Ihre Eltern respektieren ihre Entscheidung, "solange sie mich nicht mit Kopftuch sehen müssen. Das können sie gar nicht ertragen", so die junge Mutter, denn sie haben sofort das Bild der am Herd gebannten Frau mit Kopftuch vor sich. Nikole fühlt sich wohl mit dem was sie tut, denn "wenn man weiß, warum man etwas tut, dann kann man sich auch an die Regeln halten", sagt die konvertierte Muslima.

Muslima erst nach mehreren Ehe-Jahren

Der Koran, übersetzt und kommentiert von Prof. Dr. Adel Theodor Khoury, arabisch-deutsche Ausgabe von 2004 Gewuenschte Bildbeschreibung Frau Karin Rohde vom Gütersloher Verlagshaus GmbH, verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit stellet uns dieses Bild zur Verfügung. Uebertragung der Rechte dieses Bildes an DW-Online Frau Karin Rohde vom Gütersloher Verlagshaus GmbH, verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit stellet uns dieses Bild per folgende e-mail zur Verfügung: Karin.Rohde@gtvh.de, an: Davoud.Khodabakhsh@dw-world.de, am: Dienstag, 9. August 2005 08:44. Frau Rohde erklärt, dass das Verlagshaus mit der Veröffentlichung des Buchcovers durch die Deutsche Welle Online einverstanden ist.

Auch für Deutsche

Auch die 35-jährige Tulia ist zum Islam konvertiert, jedoch erst nach einigen Jahren Ehe mit einem muslimischen Mann. "Ich hatte mit Religion gar nichts am Hut. Ich bin total ungläubig erzogen worden. Erst als ich meinen Mann kennengelernt habe, der aus Syrien stammt, und der auch langsam anfing, sich für den Islam zu interessieren und ihn zu praktizieren, habe ich mitbekommen, was Islam überhaupt ist", sagt Tulia. Vieles kenne sie auch aus ihrer eigenen Erziehung. In vielen Werten, die im Islam vermittelt werden, habe sie sich wiedergefunden. "Diese Brüderlichkeit, diese Ehrlichkeit und diese Grundanständigkeit und auch immer das Gute in dem Menschen zu sehen, habe ich schon von klein auf von meinen Eltern mitbekommen."

Trotzdem konnte Tulia sich anfangs mit der Religion ihres Mannes überhaupt nicht identifizieren und hatte Schwierigkeiten sie zu verstehen. "Irgendwann hat er mir dann von wissenschaftlichen Wundern im Islam erzählt. Da war ich wirklich sehr fasziniert. Ich konnte mir das absolut nicht erklären. In dem Moment habe ich mich entschieden Muslima zu werden", so die dreifache Mutter. Tulia war erstaunt darüber, wie exakt der Koran vor 1400 Jahren etwa die Entwicklung eines Embryos erklärt, ohne die heutigen medizinischen Hilfsmittel.

Übertritt nicht nur aus Liebe

Mounir Azzaoui - Bild von 2009

Mounir Azzaoui

Mounir Azzaoui ist ein muslimischer Aktivist aus Aachen und hat in den letzten zehn Jahren rund 300 Konversionen begleitet. Seiner Erfahrung nach konvertieren Menschen in Deutschland vor allem aus Überzeugung zum Islam. Entscheidend sei der Kontakt in Schule, Beruf oder privatem Umfeld.

Das schaffe Möglichkeiten, den Islam kennenzulernen, sagt Azzaoui. Es gebe auch jene, die aus Liebe zu einem Moslem zum Islam konvertieren und dadurch in der Familie akzeptiert werden wollen. Doch die Mehrheit der von ihm begleiteten Konvertiten seien aus Überzeugung Muslime geworden.

Keine genauen Zahlen

Richtfest der Kölner Zentral-Moschee am 2.2.2011.

Islam in Deutschland - 2011 Richtfest Kölner Moschee

Wie viele Menschen tatsächlich zum Islam konvertieren, ist nicht bekannt. "Um zum Islam überzutreten, muss man sich nirgendwo registrieren lassen. Außerdem habe der Islam keine Kirchenstruktur, wo alle Organisationen miteinander vernetzt sind", sagt Mounir Azzaoui.

Auch Salim Abdullah vom Islam-Archiv in Soest kann keine genaue Zahl nennen. Er schätzt, dass es Deutschland etwa 25.000 Konvertiten gibt. Die Vermutung, dass vor allem Frauen konvertierten, damit sie einen muslimischen Mann heiraten können, bestätigt der Islamexperte nicht. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen, die schon seit zehn, fünfzehn Jahren mit muslimischen Männern verheiratet sind, erst dann in die Moschee gehen und zum Islam übertreten möchten - nicht, weil der Mann sie dazu zwingt, sondern weil sie vom Islam überzeugt sind. Die islamische Theologie erlaubt, dass ein muslimischer Mann auch eine nicht-muslimische Frau heiratet", erläutert Salim Abdullah.

Konflikte und Chancen

Muslimische Hochzeit

Muslimische Hochzeit

Es komme auch vor, dass die Familie eines Konvertiten den Kontakt zu ihm abbreche, berichtet Mounir Azzaoui. "Wenn jemand übertritt, ist er oft der einzige aus der Familie, und natürlich treten Konflikte auf. Es gibt daher auch Konvertiten, die es erstmal für sich behalten und erst Stück für Stück damit rausrücken." Jedoch unterstützen die Imame in der Moschee die Konvertiten darin, den Kontakt zu den Eltern aufrecht zu erhalten. Sie zu ehren und zu respektieren ist im Islam ein wichtiger Grundsatz.

Mounir Azzaoui versteht eine Konversion nicht nur als Übertritt in eine andere Religion. Gerade deutsche Muslime hätten eine wichtige Position. "Konvertiten können eine wichtige Brückenfunktion einnehmen zwischen der muslimischen Gemeinde und der Gesellschaft. Sie sprechen gut deutsch und kennen die deutsche Kultur."

Autorin: Hebah Omar

Redaktion: Jochen Vock