Warten auf IOC-Entscheidung zu Russland | Sport | DW | 05.12.2017
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Doping

Warten auf IOC-Entscheidung zu Russland

Mit Spannung wird erwartet, ob das Internationale Olympische Komitee Russland wegen Staatsdopings von den Winterspielen 2018 ausschließt oder nicht. Die russische Regierung kündigt bereits Widerstand an.

Russland will Strafen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Dopingskandal nicht einfach hinnehmen. Der Sprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, kündigte in Moskau an, das Land werde sich schützend vor seine Sportler stellen. Wie genau der Kreml vorgehen werde, ließ er noch offen. "Wir ziehen es vor, jetzt Schweigen zu bewahren, bis das IOC seine Entscheidung veröffentlicht und vor allem bis wir eine offizielle, schriftliche Information dazu erhalten", sagte Peskow. Russlands Sportminister Pawel Kolobkow wurde etwas konkreter: "Alles, was wir tun können, ist, vor Gericht zu ziehen und die Interessen unserer Leute zu schützen, die wir als Champions betrachten."

Start unter neutraler Flagge?

Thomas Bach mit Wladimir Putin in Sotschi 2014 (Getty Images/I. Walton)

IOC-Chef Bach (l.) mit Putin in Sotschi 2014

Ein halbes Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland muss Putin eine demütigende Entscheidung des IOC für die stolze Sportgroßmacht fürchten. Im für Russland schlimmsten Fall könnte die russische Mannschaft komplett von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) ausgeschlossen werden. Die 14-köpfige Führungsspitze des IOC unter Leitung des deutschen Präsidenten Thomas Bachberiet an diesem Dienstag in Lausanne darüber, welche Strafe für jahrelanges, systematisches und staatlich gedecktes Doping angemessen ist. Im Fokus standen vor allem die ausgefeilten Manipulationen bei den Winterspielen 2014 in Sotschi. Auf dem Tisch lagen neben dem Komplett-Ausschluss auch ein Start nachweislich sauberer russischer Athleten unter neutraler Flagge - also ohne Hymne und andere nationale Embleme - sowie gegebenenfalls eine hohe Geldstrafe.

Russische Delegation wird zuerst informiert

Russland leugnet strikt ein staatliches Dopingsystem. Auch eine russische Delegation war geladen - unter anderen mit dem Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Alexander Schukow, sowie dessen Vorgänger Witali Smirnow, Leiter der Anti-Doping-Kommission. Sie sollte Gelegenheit bekommen, Stellung zu beziehen und am Ende der Beratungen als erste über die getroffenen Maßnahmen informiert zu werden. Das IOC hatte ungeachtet der schweren Vorwürfe im Bericht des kanadischen Ermittlers und Rechtsprofessors Richard McLaren vor den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro auf einen Komplett-Ausschluss verzichtet. Stattdessen ordnete das IOC Einzelfallprüfungen der Athleten durch die zuständigen internationalen Fachverbände an.

Bisher 25 lebenslange Sperren

Russland Sochi - Biathlon - Winter Olympics Tag 7 mit Olga Zaitseva (Getty Images/R. Heathcote)

Saizewa lebenslang gesperrt

Das führte zu Ungleichbehandlungen, da Verbände unterschiedlich vorgingen, sowie zu Klagen vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS. IOC-Präsident Bach muss sich seitdem immer wieder anhören, er persönlich habe nicht genug Härte gegen Russland gezeigt. Seit Rio hat sich auch für das IOC die Beweislage erhärtet, Bach versprach eine schonungslose Aufklärung. Dabei sollten zwei Kommissionen helfen. Unter Leitung des Schweizer IOC-Mitglieds Denis Oswald prüfte eine Expertenrunde inzwischen in 36 Fällen einen Dopingverdacht - auch mit extra entwickelten kriminaltechnischen Methoden. Inzwischen wurden 25 russische Sportler lebenslang gesperrt, darunter die zweimalige Biathlon-Olympiasiegerin Olga Saizewa

Gotzmann fordert Olympia-Ausschluss

Die Vorstandschefin der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), Andrea Gotzmann, forderte eine harte Bestrafung. "Sollte das IOC Russland nicht von den Winterspielen in Pyeongchang 2018 ausschließen, wäre sie "zutiefst enttäuscht und sprachlos", sagte Gotzmann in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". Es sei "ganz wichtig, ein deutliches Zeichen zu setzen für die Glaubwürdigkeit".

sn/ck (dpa, sueddeutsche.de)

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