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Bildung

Wanka: "Wir brauchen internationale Vernetzung"

Noch nie gab es so viele ausländische Studierende in Deutschland. Umgekehrt geht jeder dritte deutsche Student ins Ausland. Bildungsministerin Johanna Wanka ist das nicht genug. Sie will mehr weltweiten Austausch.

Gebührenfreie Unis und schöne Studienstädte: Deutschland wird bei ausländischen Studierenden immer beliebter. Rund 300.000 der über 2,6 Millionen Studierenden in Deutschland kommen mittlerweile aus dem Ausland. Fast die Hälfte bleibt noch eine Zeit nach dem Studienabschluss im Land. Die Mobilität der deutschen Studenten hat sich dagegen in den letzten 14 Jahren kaum verändert. Das geht aus dem neuen Bericht "Wissenschaft weltoffen" des Bundesbildungsministeriums hervor, der am Dienstag (15.7.) in Berlin vorgestellt wurde. Im Gespräch mit der Deutschen Welle erklärt Bildungsministerin Johanna Wanka, wie sie den internationalen Austausch fördern will.

DW: Deutschland ist mittlerweile das drittbeliebteste Land für ausländische Studierende. In den 1990er Jahren sah das ganz anders aus. Warum hat sich das so stark verändert?

Johanna Wanka: Früher hatte Deutschland nicht den Ruf als Wissenschaftsstandort, den es heute hat. Wir haben in den letzten Jahren sehr viel an den Hochschulen getan, aber auch in der Gesellschaft, um zu demonstrieren, dass wir uns freuen, wenn ausländische Studierende und Wissenschaftler zu uns kommen. Seit 2005 haben wir den Wissenschaftsstandort Deutschland gerade von Seiten der Bundesregierung enorm gestärkt und jedes Jahr mehr Geld darin investiert. Und zwar gegen den internationalen Trend, denn in anderen Ländern wurden die Mittel eher heruntergefahren. Wir haben heute mehr und attraktivere Studienangebote, und Studierende glauben, dass sie mit einem deutschen Abschluss und einem temporären Verbleib an unseren Hochschulen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Allerdings gibt es immer wieder Diskussionen um die deutsche Willkommenskultur, die nach Ansicht vieler internationaler Studierender besser sein könnte.

Eine koreanische Studentin im Kasseler Ausländeramt (Foto: dpa)

Willkommen in Deutschland: Der Wissenschaftsstandort ist bei ausländischen Studierenden sehr beliebt

Wir sind mittlerweile besser als unser Ruf. Es ist gerade an den Hochschulen sehr viel getan worden mit Welcome-Centern und echter, herzlicher Willkommenskultur.

Aus welchen Ländern kommen die rund 300.000 Studenten, die hier sind?

Der Schwerpunkt sind europäische Studierende. Die zweite große Gruppe sind die Studierenden aus Asien. Und wenn man die Staaten anschaut, aus denen die meisten ausländischen Studenten kommen, dann steht China auf Platz eins, gefolgt von Russland, Österreich und Indien.

Wie stark sind Studenten aus Afrika in Deutschland vertreten?

Es kommen leider nur zehn Prozent aus Afrika. Deshalb haben wir in meinem Ministerium jetzt eine sogenannte "Afrika-Strategie" für den Bereich Forschung und Wissenschaft entwickelt. Dabei ist uns ein Paradigmenwechsel wichtig. Wir wollen einen Wissenschaftsaustausch auf Augenhöhe und keinen, der ihnen vermittelt, dass wir ihnen helfen. In Afrika sind fast fünfzig Prozent aller Menschen unter 18 Jahre alt, und wir müssen dort mehr für Deutschland werben, aber auch vor Ort Angebote etablieren. Afrika ist für uns ein Thema der Zukunft.

Müssen sich die deutschen Hochschulen angesichts der zunehmenden Zahl ausländischer Studierender nicht darauf einstellen, dass deren Sprachniveau zumindest anfangs nicht so gut ist?

Zwei ausländische Studentinnen bei einem Sommerkurs für deutsche Sprache und Kultur an der Universität Bonn (Foto: picture-alliance/JOKER)

Wer Interesse an der deutschen Sprache hat, kann zum Beispiel einen Sommerkurs an der Hochschule besuchen

Das tun sie bereits durch eine ganze Reihe von englischsprachigen Angeboten. Wir haben über 1000 Masterstudiengänge an deutschen Hochschulen, die auf Englisch angeboten werden. Doch wir sehen auch in unseren Studien, dass die jungen Leute nicht nur Interesse daran haben, ein Fach in Deutschland zu studieren, sondern auch die deutsche Sprache zu lernen. Oftmals ist Englisch das Einstiegstor, um nach Deutschland zu kommen, aber dann gibt es auch den Willen und Wunsch, die Sprache zu können. Dafür bieten die Hochschulen und Goethe-Institute sehr, sehr viele Angebote.

Etwa jeder dritte Studierende in Deutschland geht während seines Studiums ins Ausland. Das ist zwar im Vergleich zu anderen Ländern recht viel, aber seit vielen Jahren konstant. Sie wollen, dass künftig jeder zweite deutsche Student eine Zeit im Ausland verbringt. Brauchen Sie dafür nicht mehr finanzielle Anreize?

Ungefähr 30 Prozent aller Studenten, die im Bachelor, also grundständig studieren, absolvieren eine unterschiedlich lange Zeit im Ausland. Da haben wir von Seiten des Bundes die Möglichkeit, bei Studierenden, die die staatliche Ausbildungsförderung des Bafög erhalten, ein sogenanntes Auslands-Bafög zu zahlen. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten mit Stipendien etwa des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, bei der Alexander von Humboldt-Stiftung oder im Rahmen des Erasmus-Programms.

Warum ist es Ihnen eigentlich so wichtig, dass mehr deutsche Studenten im Ausland studieren und noch mehr ausländische Studierende nach Deutschland kommen?

Internationale Austauschstudentinnen an der privaten Handelshochschule Leipzig (Foto: picture alliance/ZB)

Wissenschaft ist international!

Wissenschaft ist international. Es gibt kein Wissenschaftsgebiet, das sich abschotten kann und nur autonom in einem Land existiert. Deswegen ist es Grundlage von guter Wissenschaft, dass man international vernetzt ist und miteinander kooperiert. Und für die Studierenden ist ein Auslandsaufenthalt eine Erfahrung, bei der interkulturelle und sprachliche Kompetenzen gestärkt werden. Das nützt ihnen dann natürlich auch für die berufliche Tätigkeit. Ein kleines Land wie Deutschland ist darüberhinaus stark darauf angewiesen, dass es sich international vernetzt, dass man von anderen partizipiert, aber auch viele Menschen weltweit für Deutschland interessiert, damit sie zumindest zeitweise bei uns sind.

Das Gespräch führte Naomi Conrad.

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