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Bildung

Europas Jugend soll mobiler werden

Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, weniger Jugendarbeitslosigkeit: Das erhofft sich die EU von dem neuen Austauschprogramm "Erasmus +". Zum nationalen Auftakt lud Bildungsministerin Wanka am Donnerstag nach Berlin ein.

Eine "europäische Erfolgsgeschichte", ein "Brückenbauer" zwischen Menschen, Bildungssystemen und Staaten: Wenn es um den europäischen Jugendaustausch geht, ist die deutsche Bildungsministerin Johanna Wanka voll des Lobes. Und weil sie sich mit ihren europäischen Amtskollegen einig ist, dass sich die Investition in die Mobilität der Studenten, Auszubildenden und Schüler wirtschaftlich und kulturell lohnt, gibt es dafür nun auch mehr Geld. Rund 14,8 Milliarden Euro sollen in den kommenden sieben Jahren in das

neue europäische Austauschprogramm "Erasmus +"

fließen. Ein Programm, das künftig alle Auslandsangebote für Studenten, Schüler und Auszubildende bündelt und mehr als vier Millionen jungen Menschen einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland finanzieren will - doppelt so vielen wie bisher.

"Die finanziell deutlich bessere Ausstattung bietet jungen Menschen einzigartige Chancen, sich persönlich weiterzuentwickeln und wichtige berufliche Kompetenzen anzueignen", betonte Wanka am Donnerstag in Berlin. Dort stellte sie vor rund 500 Bildungsexperten auf einer nationalen Auftaktkonferenz das neue Programm vor. Zwei Tage lang diskutieren die Entscheider aus den deutschen Hochschulen, aus der Berufs- und Erwachsenenbildung sowie aus dem Schulbildungs- und Jugendbereich nun darüber, wie Erasmus+ erfolgreich in Deutschland umgesetzt werden kann. Keine einfache Aufgabe, schließlich müssen die bisherigen Programme Erasmus, Comenius, Leonardo da Vinci und "Jugend in Aktion" eng miteinander vernetzt werden.

Mit Erasmus+ gegen die Jugendarbeitslosigkeit

Jugendliche sitzen am Rand des Marktplatzes von Demmin, der von Plattenbauten umgeben ist, auf einer Parkbank (Foto: dpa)

Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit: Das Programm soll Jugendlichen eine neue Perspektive geben

Mit dem neuen Programm wolle man möglichst viele junge Frauen und Männer erreichen, die "diesen Schritt für sich bislang nicht in Erwägung gezogen haben", erklärte die deutsche Jugendministerin Manuela Schwesig. Für sie ist der Austausch besonders wichtig, weil er "ein gutes Mittel gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit" sei. Die europäischen Politiker erhoffen sich aber vor allem eines von Erasmus+: Es soll dazu beitragen,

die steigende Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu reduzieren

. Mehr als 5,6 Millionen Jugendliche unter 25 Jahren waren im vergangenen Jahr ohne Job. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von knapp 23,5 Prozent.

"Das neue Programm wird deshalb auch dazu beitragen, dass junge Europäer zusätzliche Kompetenzen und Qualifikationen im Ausland erwerben und damit ihre Beschäftigungschancen verbessern", sagt Siegbert Wuttig, Leiter der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im

Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD)

im Gespräch mit der Deutschen Welle. Gerade die Erfahrungen auf einem anderen Arbeitsmarkt, die das Programm Auszubildenden, Studierenden und Hochschulabsolventen durch Unternehmenspraktika bietet, sind dabei eine große Hilfe.

Mehr Geld für Austauschstudenten

Das Bundesbildungsministerium geht davon aus, dass von Erasmus+ bis 2020 rund 275.000 Studierende, 150.000 Auszubildende und 130.000 junge Menschen im Beruf von Auslandssemestern, Praktika und Begegnungen profitieren werden. "Allein im Hochschulbereich können wir nun mehr Studierende mit mehr Fördergeldern unterstützen", sagt Wuttig. So gehen im Hochschuljahr 2014/15 rund 16 Millionen Euro in die Mobilität der Studenten. Bislang lag die monatliche Förderung bei durchschnittlich 220 Euro - egal, an welcher ausländischen Uni ein deutscher Student war. Jetzt werden die Lebenshaltungskosten im Studienland berücksichtigt. "Das bedeutet, für einen Aufenthalt in teuren britischen oder französischen Unistädten zahlen wir bis zu 500 Euro monatlich."

Eine junge Frau hält einen Globus in der Hand (Foto: Fotolia/contrastwerkstatt)

Mit Erasmus+ steht den Studierenden die Welt offen

Zudem soll das Programm künftig auch ein kleines Fenster zur Welt öffnen, also die Möglichkeit zum Austausch mit außereuropäischen Ländern geben. Für die Hochschulen wird mit der neuen Maßnahme "Strategische Partnerschaften" die Möglichkeit geschaffen, ihre Internationalisierungsstrategien auszubauen. Mit den "Internationalen Hochschulpartnerschaften" können Hochschulen mit europäischen Partnern beispielsweise Unis in Entwicklungsländern helfen, ihre personellen und räumlichen Kapazitäten auszubauen.

Alle Förderprogramme auf einen Blick

Siegbert Wuttig blickt diesen Entwicklungen positiv entgegen: "Mit Erasmus+ haben wir ein Verfahren entwickelt, das den Hochschulen auf einen Blick zeigt, welche Förderprogramme es gibt." Dies sei ein entscheidender Schritt für die größere Mobilität der Studierenden, meint Wuttig. Denn dass ein Auslandsaufenthalt den Horizont privat wie auch beruflich erweitert, ist unter Studierenden keine Frage mehr.

Die Bonner Psychologiestudentin Bianca Lopez, die ein Jahr an der Universidad Complutense in Madrid war, ist der Ansicht, dass jeder Studierende die Möglichkeit bekommen sollte, sich durch ein Auslandssemester weiterzuentwickeln. Deshalb engagiert sie sich im Erasmus-Student-Network an ihrer Heimatuni. "Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich so tolle Erfahrungen sammeln würde", sagt sie.

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