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Wahlkampf on demand

Constantin Schreiber8. September 2005

Podcasting ist der neueste Audio-Trend aus den USA. Es ermöglicht Radio on demand. Im Bundestagswahlkampf 2005 entdecken jetzt die Parteien die Bedeutung der neuen Multi-Media-Möglichkeiten.

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Volker Kauder und Angela Merkel: CDU-Wahlkämpfer an der i-pod-frontBild: AP

"I-Kauder " - so wird er genannt in der Podcast-Szene Deutschlands. Die Rede ist von Volker Kauder, dem Generalsekretär der CDU. "I-Kauder" podcastet seit vier Wochen - und bereichert Deutschland seitdem mit aktuellen Berichten aus dem Bundestagswahlkampf 2005. Es sind nicht nur die harten Fakten und politischen Reden, die es von ihm zu hören gibt. "I-Kauder" podcastet mit Gefühl. "Ich möchte in meinen Podcasts eine Mischung aus Politik und lebensnahen Situationen. Einmal habe ich darüber berichtet, was so geschehen ist auf meiner Heimfahrt von unserem Parteitag in Dortmund. Was passiert, wenn man auf der Autobahn in der Schlange steht und dort mit anderen Menschen in Kontakt kommt."

Trend aus den USA: Podcasting

Bundestag Reichstagsgebäude in Berlin
Per Podcast in den Bundestag? "Alle Wege nutzen"Bild: picture-alliance/ ZB

Das so genannte Podcasting ist ein Trend aus den USA, der das Radio in Übersee binnen kurzer Zeit revolutioniert hat. Das Marktforschungsunternehmen Forrester Research schätzt die Zahl der im Internet erhältlichen Podcasts bis Ende 2005 auf 300.000. Bis 2009 soll die Zahl Progrnosen zufolge auf 13 Millionen ansteigen. Podcasting ist ein technisches Verfahren, mit dem Audio-Dateien aus dem Internet heruntergeladen werden können. Das Wort "Podcasting" setzt sich zusammen aus den Wörtern "broadcasting" und "iPod". "iPod" ist der Markenname eines MP3-Players der Firma Apple. Das Neue am Podcasting ist, dass der Nutzer sich Beiträge zu ausgewählten Themen automatisch auf seinen Player downloaden lassen kann und diese Beiträge dann jederzeit - oder, wie es gennant wird, on demand - anhören kann.

Die Politik entdeckt das Podcasting

Die Wahlkampfstrategen der Parteien haben den neuen Trend erkannt, und buhlen seit Neuestem on demand um Wählerstimmen. Fest im Blick haben Kauder und Co die Jungwähler, die im Allgemeinen als technisch versierter und experimentierfreudiger gelten. Da es aber bislang noch keine repräsentative Marktforschung zu der Altersverteilung der deutschen Podcaster gibt, möchten sich die Polit-Podcaster in ihrer Zielgruppe nicht einschränken.

"Aus den Zuschriften, die wir nach unseren Podcasts bekommen, habe ich den Eindruck, dass es meistens schon jüngere Menschen sind, die Podcasting nutzen", sagt Volker Kauder, "ich glaube, dass es auch Menschen sind, die viel unterwegs sind, und dann vielleicht abends noch einfach etwas hören wollen."

Wahlkampf on demand

Seine Podcasts beendet Volker Kauder mit folgendem Satz. "Im Übrigen: Rot-Grün muss weg". Das hat er von dem römischen Staatsmann Cato abgekupfert, der seine politischen Reden stets mit der Floskel beendete: Ceterum censeo Carthaginem delendum esse. "Im Übrigen: Karthago muss zerstört werden." Bei Karthago hat das damals geklappt. Heute hält allerdings der politische Widersacher kräftig dagegen: Die SPD podcastet selbst. Zwar noch nicht ganz so lange, wie die CDU, dafür aber mit größerem Erfolg - zumindest wenn man die Zugriffszahlen betrachtet. Da liegen die SPD-Beiträge auf Platz 10 der i-tunes-Liste der 100 populärsten Podcasts Deutschlands - und die CDU auf Platz 50.

"Offensichtlich scheint das, was wir inhaltlich machen, die Menschen auch anzusprechen," schlussfolgert Kajo Wasserhövel, Wahlkampfleiter der SPD im Bundestagswahlkampf. "Wir alle miteinander haben ein Interesse daran, dass wir am 18. September eine hohe Wahlbeteiligung haben, damit die Bundesregierung dann ein starkes Mandat hat. Dazu muss man alle Wege nutzen - und dazu gehört auch das Podcasting."