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Afrika

Wahl mit Hindernissen in Afrikas "Musterland"

Ghana hat gewählt: Fast 14 Millionen Menschen durften entscheiden, wer neuer Präsident wird und wer ins Parlament in Accra einzieht. Die Stimmabgabe verlief vielerorts jedoch nicht reibungslos.

Vor dem Wahllokal Osu Cinema werden die Schlangen länger - und der Ton unter den Wartenden wird rauer. "Ich will endlich meine Stimme abgeben, schließlich stehe ich schon seit drei Uhr heute Nacht hier an", sagt ein Mann in einem verwaschenen roten Fußballtrikot verärgert. "Hier kümmert sich einfach niemand um uns", schimpft eine Frau neben ihm. "Wieso bewachen die Polizisten hier nur die Wahlurne und versuchen nicht, die Warteschlangen etwas zu ordnen?", fragt ein dritter.

Vor dem Wahllokal - einer einfachen Stoffplane, die von einem Metallgestänge gestützt wird - hat sich unterdessen eine Menschentraube gebildet.Erregt diskutieren die Wähler mit den Mitarbeitern der Wahlkommission. "Hier sollen Wähler aus drei Wahlkreisen ihre Stimme abgeben. Als wir kamen, standen die Menschen schon da", erklärt der Wahlleiter in seiner blauen Weste und zuckt ratlos mit den Schultern: "Wir haben versucht, ihnen zu erklären, dass sie sich je nach Wahlkreis in einer anderen Schlange anstellen müssen. Aber sie verstehen das nicht."

Präsidentschaftswahl Ghana 2012: Wähler, die in der Schlangen warten, um ihre Stimme abzugeben. (Foto: EPA/LEGNAN KOULA)

Wer seine Stimme abgeben wollte, musste Zeit und Geduld mitbringen

Keine großen Zwischenfälle

Ähnlich wie im Wahllokal Osu Cinema verliefen die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am Freitag (07.12.2012) im ganzen Land: Es gab Probleme, aber keine größeren Zwischenfälle. Zahlreiche Wahllokale öffneten erst am spätern Vormittag. "Ich höre, dass viele Menschen immer noch vor den Wahllokalen stehen, weil die Wahlunterlagen noch nicht eingetroffen sind. Ich bitte sie, noch weiter zu warten, sie werden ihre Stimme abgeben können", sagte Vizepräsident Paa Kwesi Bekoe Amissah-Arthur. Dass die Menschen trotz allem ruhig blieben, sei "vorbildlich". Allerdings hatten Beobachter in Ghana dieses Problem schon vorhergesagt: Denn zum ersten Mal gab es 26.000 Wahllokale im ganzen Land  - eine enorme logistische Herausforderung für die Wahlkommission. Wegen Verzögerungen beim Wahlbeginn durften die Wähler in einigen Wahlkreisen auch nach dem offiziellen Wahlende um 17 Uhr ihre Stimme abgeben.


Probleme bereitete auch die biometrische Wähleridentifizierung. Im Mai waren erstmals alle Wähler aufgerufen, sich registrieren zu lassen. Dabei wurden sie fotografiert und ihre Fingerabdrücke digital gespeichert. Rund 14 Millionen Menschen standen am Ende im Wählerverzeichnis. Am Wahltag mussten sie sich per Fingerabdruck in ihrem Wahllokal identifizieren. "Wir hatten einige Fälle, bei denen die Lesegeräte die Fingerabdrücke nicht erkannt haben", berichtet der Leiter eines Wahllokales in der Nachbarschaft von Osu Cinema. In einigen Fällen half Händewaschen. Aber einige Wahlberechtigte konnte die Maschine trotzdem nicht identifizieren - sie durften deshalb nicht wählen. Andernorts fielen die Maschinen ganz aus. In diesen Wahlkreisen soll die Abstimmung am Samstag (08.12.2012) nachgeholt werden


„Stille Entschlossenheit“ der Wähler

Präsidentschaftswahl Ghana 2012: Wähler muss sich vor der Stimmabgabe identifizieren, dahinter warten weitere Wähler (Foto: DW/ Usman Shehu Usman)

Die Maschinen, die die Wähler identifizieren sollten, arbeiteten nicht überall einwandfrei

In den meisten Fällen ertrugen die Wähler die Probleme bei der Stimmabgabe mit Geduld. "Ich bin stolz, dass ich wählen kann", sagt eine Frau, die in der Schlange vor dem Osu Cinema Wahllokal steht. "Ich gehe zum ersten Mal wählen. Das ist ein schönes Gefühl", freut sich ihre Nachbarin. Einige Wähler haben vorsorglich Plastikstühle mitgebracht, um nicht mehrere Stunden stehen zu müssen.

Ghanas Spitzenpolitiker lobten unisono die Lust auf Demokratie im Land. Er bewundere die "stille Entschlossenheit" seiner Landsleute bei diesen Wahlen, sagte Ex-Präsident Jerry Rawlings, als er seine Stimme in der Hauptstadt Accra abgab. Auch Interims-Präsident John Dramini Mahama vom National Democratic Congress (NDC) und der Kandidat der größten Oppositionspartei New Patriotic Party (NPP), Nane Akufo-Addo, äußerten sich ähnlich positiv.

Ergebnisse wahrscheinlich nicht vor Sonntag

"Viele Menschen haben vor der Wahl gedacht, es wird Chaos geben. Doch es ist alles wie bei den letzten Malen auch", sagt ein Mann, als er das Wahllokal Osu Cinema verlässt. Wie viele andere Wähler geht er nicht nach Hause. Die meisten versammeln sich vor Geschäften oder den Fenstern und Türen der Häuser. Überall laufen Fernseher und Radios. Nach dem Warten vor den Wahllokalen, wartet man nun gespannt auf das Wahlergebnis. "Ich hoffe, dass die Regierung in den nächsten vier Jahren dafür sorgt, dass es kein Chaos im Land gibt“, sagt eine Frau, die an ihrem Marktstand sitzt, wie viele direkt neben einem Radio. Wer in den nächsten vier Jahren das Land regieren wird, ob John Dramini Mahama oder Nane Akufo-Addo, will die Wahlkommission voraussichtlich am Sonntag bekannt geben.

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