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Afrika

Wahlen in Afrikas "Musterland" Ghana

In Ghana wird an diesem Freitag ein neuer Präsident gewählt: Das Land gilt nach vielen friedlichen Machtübergängen als Vorbild für Demokratie. Beobachter gehen von einem knappen Ergebnis aus.

Dem Zufall überlässt Habibuh Sualahi bei diesen Wahlen nichts. "Seit Oktober drehe ich hier meine Runden", erzählt der 24-jährige untersetzte Mann in dem schwarzen T-Shirt. Mit der Hand zeigt er auf den großen Markt im Stadtzentrum von Kumasi, ein scheinbar unendliches Gewirr aus Hütten. Frauen sitzen im Schatten davor und bieten bunte Plastikbehälter, Mehlsäcke oder Elektrogeräte an. "Market Mammies" werden diese Frauen hier genannt. Sie sind eine wichtige Macht in Kumasi. Ohne ihre Unterstützung kann hier niemand eine Wahl gewinnen.

Auch Habibuh Sualahi ist eigentlich Händler auf dem Markt. Er hat einen Stand, wo er Farben verkauft. Doch dazu kommt er im Moment nicht. Jeden Tag geht er über den Markt und will die Händler für die Oppositionspartei Neue Patriotische Partei (NPP) gewinnen. Er ist einer ihrer ehrenamtlichen Helfer im Wahlkampf. "Ich will, dass die NPP gewinnt", sagt Habibuh. "Sie haben schon mal regiert und viel Gutes getan."

Politiker versprechen viel für die Armen

Menschen auf dem Markt von Kumasi, Ghana (Foto: DW / Aygül Cizmecioglu)

Kumasi: Hochburg der Opposition

Wahlkampf in Kumasi – für die NPP ist das ein Heimspiel. Bei den letzten Wahlen vor vier Jahren holte der Spitzenkandidat Akufo-Addo hier mehr als 72 Prozent aller Stimmen. Am Ende fehlten ihm aber landesweit 20.000 Stimmen, er verlor gegen den damaligen Spitzenkandidaten der Regierungspartei Nationaler Demokratischer Kongress (NDC) von John Atta Mills. Doch der starb im Juli an Krebs. Sein Nachfolger als Präsident, John Dramini Mahama, will sich nun im Amt bestätigen lassen.

Beide Präsidentschaftskandidaten machen Wahlkampf mit einem annähernd gleichen Programm: Bildung, Gesundheit, mehr Wohlstand für alle - Leitthemen in Ghana, denn vom wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre haben viele im Land nicht profitiert. Auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen liegt das Land in Westafrika auf Platz 152 – von 182 Ländern. Ein Drittel der Bevölkerung kann immer noch nicht lesen oder schreiben.

Besonders intensiv wird dieser Wahlkampf auch durch die besondere Situation der beiden Favoriten: Nach seiner knappen Wahlniederlage 2008 will NPP-Spitzenkandidat Akufo-Addo diesmal unbedingt gewinnen. John Dramini Mahama will das Amt behalten, das er erst seit fünf Monaten innehat.

Parteianhänger gehen aufeinander los

Ghanas Präsident John Mahama (Foto: AFP)

Ghanas Präsident John Mahama

"Wir haben einen sehr guten Wahlkampf erlebt", sagte Präsident Mahama vor wenigen Tagen vor Journalisten in Accra. "Lasst uns dafür arbeiten, dass Ghana wieder ein Zeichen der Hoffnung in Afrika wird". Denn auch wenn der Wahlkampf in vielen Landesteilen friedlich bleibt – es kam bereits zu einigen blutigen Zusammenstößen zwischen Anhängern der beiden großen Parteien.

Einer dieser Zusammenstöße geschah an einer belebten Straßenkreuzung in Kumasi, nur wenige Autominuten vom Markt entfernt. Dort gingen nach einer Wahlkundgebung eine Woche vor der Wahl Anhänger beider Seiten aufeinander los. Am Ende musste ein Mensch schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht werden. "Hier haben jetzt viele Menschen Angst vor den Wahlen", sagt ein Händler, der einen kleinen Kiosk an der Ecke betreibt.

Ghanaer fürchten Sabotage am Wahltag

Der Kandidat der regierenden Partei Nana Akufo-Addo 2008. (Foto: AP)

Oppositionskandidat Nana Akufo-Addo

Doch viele Menschen treibt noch eine ganz andere Frage um: Ist die Wahlkommission auf die Wahl ausreichend vorbereitet? Bereits am Mittwoch (05.12.) durften Polizisten und Mitarbeiter der Wahlkommission ihre Stimmen abgeben, damit sie am Freitag, dem eigentlichen Wahltag, ihrer Arbeit nachgehen konnten. Reibungslos verlief dieser Testlauf nicht: Viele Wahlberechtigte fanden ihre Namen nicht im Wählerverzeichnis. Die Namen anderer Wähler standen in den Verzeichnissen von Wahlkreisen, in denen sie gar nicht lebten. Zudem fiel in den Wochen vor der Wahl mehrfach der Strom aus. Viele Menschen machen sich Sorgen, dass das im Wahlkampf auch passieren könnte und Saboteure dies nutzen könnten, um Wahlurnen zu stehlen.

Die Wahlkommission beruhigt unterdessen die Bevölkerung: "Die Polizei hat uns versichert, dass sie die Sicherheit der Wähler und der Stimmzettel garantieren wird", sagt die Sprecherin der Wahlkommission, Sylvia Annor. Zudem würden die Stromfirmen sicherstellen, dass es keine Stromausfälle geben werde. Stimmzettel und Wahlurnen würden an allen 26.000 Wahllokalen rechtzeitig eintreffen.

Auf dem Markt von Kumasi bleiben viele Händler trotz aller offenen Fragen gelassen. "Wir haben doch schon fünf Wahlen erlebt", sagt ein Händler. "Deshalb glaube ich, dass diese Wahl auch gut verlaufen wird".

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