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Afrika

Wahl in Guinea geht in die zweite Runde

Bei den ersten freien Wahlen in Guinea seit der Unabhängigkeit 1958 hat keiner der 24 Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Die Guinéer müssen nun in einer Stichwahl ihren neuen Präsidenten bestimmen.

Wahlkampfveranstaltung in Guinea Ende Juni 2010 (Foto: AP)

Wahlkampf vor dem ersten Wahlgang

Cellou Dalein Diallo, Präsidentschaftskandidat in Guinea (Foto: AP)

Sein Ergebnis reichte nicht ganz: Cellou Dalein Diallo

Der Liberale Cellu Dalein Diallo, Kandidat der Union der Demokratischen Kräfte Guineas, hat zwar die erste Runde der Präsidentschaftswahlen gewonnen, doch die absolute Mehrheit verpasst: 39,7 Prozent der Guinéer haben für ihn gestimmt. Zweiter wurde der Sozialdemokrat Alpha Condé der Partei Volksversammlung mit 20,7 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission des westafrikanischen Landes am Freitag (02.07.2010) mitteilte.

Die beiden bestplatzierten Kandidaten müssen nun in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Sie soll am 18. Juli stattfinden, wenn das Verfassungsgericht das Wahlergebnis bestätigt.

Verdacht auf Manipulation?

Alpha Condé, Präsidentschaftskandidat in Guinea (Foto: AP)

Alpha Condé kann noch auf den Sieg hoffen

17 der insgesamt 24 Kandidaten erhoben bereits am Mittwoch Manipulationsvorwürfe, die die Wahlkommission jedoch zurückwies. Auch internationale Beobachter erklärten, sie hätten keine Hinweise auf Manipulationen im großen Stil.

Die Wahl, bei der 77 Prozent der 4,2 Millionen wahlberechtigten Guinéer teilnahmen, sei friedlich verlaufen. Weder aus der Hauptstadt Conakry noch aus den übrigen Landesteilen waren während der Wahl Zwischenfälle gemeldet worden.

Langer Weg zu den ersten freien Wahlen

Karte Guineas (Grafik: AP)

Nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1958 regierte der autoritäre Präsident Ahmed Sékou Touré das westafrikanische Land. Erst 26 Jahre später putschte sich Lansana Conté an die Macht - nach dem Tod Tourés. Auch Conté herrschte mehr als zwei Dekaden lang mit eiserner Hand. Cellu Dalein Diallo, Sieger des ersten Wahlgangs Ende Juni, war mehrfach unter Conté Premierminister. Nach dem Tod Contés 2008 fand erneut ein Putsch statt unter der Führung von Junta-General Sékouba Konaté.

Internationales Entsetzen löste am 28. September 2009 die blutige Niederschlagung einer Oppositionskundgebung im Stadion von Conakry aus. Mehr als 150 Oppositionelle wurden getötet und mehr als 100 Frauen vergewaltigt. Das innenpolitische Chaos ordnete sich erst langsam, nachdem Präsident Dadis Camara schließlich im Januar 2010 die Macht an den Junta-Chef Sékouba Konaté abgab.

Idenfizierung von Toten nach dem Massaker in Guinea, in Conakry 2009 (Foto: DPA)

Nach dem Massaker 2009: Viele Tote mussten identifiziert werden

Er vollzog die Kehrtwende: Er ernannte einen zivilen Ministerpräsidenten, richtete einen vorläufigen Regierungsrat ein und setzte eine neue Verfassung durch, die die Macht des Präsidenten deutlich beschneidet und seine Amtszeit auf zwei Legislaturperioden beschränkt. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten dürfen die Guinéer nun auch von ihrer Meinungs- und Redefreiheit Gebrauch machen.

Guinea ist trotz reicher Bodenschätze wie Bauxit, Eisenerz, Diamanten und Gold eines der ärmsten Länder Afrikas. Korruption und Misswirtschaft sind weit verbreitet und verhindern die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des rund zehn Millionen Einwohner zählenden Landes.

Autor: Nicole Scherschun (afp, ap)
Redaktion: Oliver Samson

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