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Politik

Waffenstillstand in Sri Lanka endet mit Blutbad

Nur wenige Stunden nach dem offiziellen Ende des Waffenstillstands in Sri Lanka sind bei einem Bombenanschlag auf einen vollbesetzten Bus 26 Menschen getötet worden. Aus dem Norden der Insel wurden Kämpfe gemeldet.

Der Bus wurde mit einer Mine und Schüssen angegriffen, Quelle: AP

Der Bus wurde mit einer Mine und Schüssen angegriffen

Angehörige von Opfern des Anschlages in Buttala, Quelle: AP

Angehörige von Opfern des Anschlages in Buttala

Bei einem Anschlag in der abgelegenen Stadt Buttala, 240 Kilometer südöstlich von Sri Lankas Hauptstadt Colombo, sind am Mittwoch (16.01.2008) mindestens 26 Menschen getötet und 64 verletzt worden. Das Verteidigungsministerium machte die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) für den Anschlag verantwortlich. Sie hätten die "feige" Tat begangen, obwohl sich auch unschuldige Schulkinder in dem Bus auf dem Weg zwischen Buttala und Okkampitiya aufgehalten hätten. Ob bei dem Anschlag Schulkinder getötet wurden, war zunächst unklar.

Tod im Kugelhagel

Die Bombe war den Angaben zufolge am Straßenrand versteckt. Nach der Explosion traf ein Kugelhagel den Bus. Kurz darauf explodierte in der Nähe noch ein zweiter Sprengsatz. Dabei wurden drei Soldaten leicht verletzt. Ärzte wurden aus Colombo eingeflogen, um die Verletzten zu versorgen. Nach Angaben von Sanitätern hatten viele der Toten Schusswunden. Wenig später wurde in derselben Gegend ein Anschlag mit einer ferngezündeten Mine auf einen Armeelastwagen verübt. Ein Militärsprecher sagte, drei Soldaten seien verletzt worden.

Die Tat ereignete sich an dem Tag, an dem der Waffenstillstand zwischen Sri Lankas Regierung und den LTTE offiziell auslief. Die Regierung hatte das Abkommen aufgekündigt, nachdem am 2. Januar einem mutmaßlichen LTTE-Anschlag auf einen Armeebus fünf Menschen ums Leben gekommen waren. Am Dienstag vergangener Woche kam der Minister für Aufbau und Entwicklung, D.M. Dassanayake, bei einer Bombenexplosion ums Leben.

Armee glaubt an einen Sieg

Der Waffenstillstand war de facto schon vor etwa zwei Jahren zusammengebrochen. Das Abkommen wurde 2002 unter Vermittlung von Norwegen geschlossen. Die danach aufgenommenen Friedensgespräche mit den LTTE endeten jedoch in tiefen Meinungsverschiedenheiten. Die Regierung versucht jetzt, die Herrschaft der LTTE im Nordosten der Insel Ceylon militärisch zu zerschlagen. Dabei kamen in den vergangenen Wochen viele Menschen ums Leben.

Die Armee hatte angekündigt, nach dem Ende des Waffenstillstands zum Vernichtungsschlag gegen die Tamilen-Rebellen anzusetzen. An verschiedenen Fronten im Norden, der zu Teilen von den Befreiungstigern kontrolliert wird, übe das Militär bereits Druck auf die Rebellen aus, sagte Militärsprecher Udaya Nanayakkara und fügte hinzu: "Wenn wir so weitermachen, werden wir in der Lage sein, die LTTE zu besiegen." Im Norden der Insel seien am Mittwoch heftige Kämpfe mit der LTTE entbrannt, teilte die Armee jetzt mit.

"Fatale Konsequenzen"

Der japanische Sonderbeauftragte Yasushi Akashi ermahnte Präsident Mahinda Rajapaksa, Quelle: AP

Der japanische Sonderbeauftragte Yasushi Akashi ermahnte Präsident Mahinda Rajapaksa

Die deutsche Welthungerhilfe befürchtet nach dem Ende des Waffenstillstands einen Anstieg der Flüchtlinge im Norden des südasiatischen Inselstaates. Auch Japan, der größte bilaterale Geldgeber Sri Lankas, warnte am Dienstag vor "fatalen humanitären Konsequenzen". Der japanische Sonderbeauftragte für Sri Lanka, Yasushi Akashi, erklärte, der Konflikt mit den LTTE müsse politisch gelöst werden.

Auch die Bundesregierung hatte sich am Dienstag besorgt über die Aufkündigung des Waffenstillstandsabkommens geäußert. Obwohl das Abkommen zuvor häufig verletzt worden sei, drohe sich die schwierige Lage nun weiter zu verschärfen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Dienstag. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) mahnte, die EU solle in der gegenwärtigen Situation alle Druckmittel nutzen, um die Konfliktparteien zur Beilegung des Konflikts und zur Beendigung der militärischen Auseinandersetzung zu bringen. (stu)

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