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Welt

Wachstumsmarkt Sicherheitsindustrie

Kriege, Konflikte, Terrorismus, Cyberrisiken, Gewaltkriminalität: Viele Menschen fühlen sich bedroht. Und sie sind bereit, in Sicherheit zu investieren. Eine Studie beleuchtet aktuelle Risiken und den Sicherheitsmarkt.

Die Berenberg-Bank ist die älteste Privatbank Deutschlands. Sie hat vor 400 Jahren den Dreißigjährigen Krieg erlebt. Sie hat die französische Revolution beobachtet, den Ersten und den Zweiten Weltkrieg überstanden und allerlei wirtschaftliche und politische Wirren. Auch die im Frühjahr in den Panama-Papers aufgedeckten Verbindungen zu Briefkastenfirmen und dubiosen Investoren scheinen an dem Traditionsunternehmen ohne erkennbare Folgen vorübergegangen zu sein. Ein solches Unternehmen arbeitet langfristig – und braucht dafür auch eine klare Vorstellung von der Zukunft. Seit einigen Jahren arbeitet Berenberg mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut HWWI zusammen. Gemeinsam publiziert man die Studienreihe "Strategie 2030 – Vermögen und Leben in der nächsten Generation". Jetzt wurde die jüngste Studie vorgelegt: zum Thema Sicherheit.

Traurige Aktualität nach Istanbul

Durch das blutige Attentat in Istanbul hat die lange vorbereitete Veröffentlichung traurige Aktualität erlangt. Wenig überraschend ist dem Thema "Internationaler Terrorismus" ein eigenes Kapitel in dem 35-Seiten-Bericht gewidmet. Mit nüchternem Blick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen erklärt Professor Henning Vöpel, mittlerweile sei die ehedem latente Bedrohung durch den Terrorismus so konkret, dass "wir öffentlich und auch privat mehr Sicherheit herstellen wollen". Der HWWI-Direktor fährt im DW-Interview fort: "Das Sicherheitsbedürfnis hat zugenommen; die Kosten, Sicherheit herzustellen, haben zugenommen."

Türkei Explosionen und Schüsse am Flughafen in Istanbul

Terroranschläge, wie jüngst in Istanbul, verstärken das Gefühl einer diffusen Bedrohungslage

Gerade kleine, offene Emerging Markets würden unter den wirtschaftlichen Kosten von Terroranschlägen leiden, betont die Studie. Die Kosten einmaliger Anschläge auf große Volkswirtschaften blieben jedoch überschaubar - jenseits des unmessbaren menschlichen Leids. Die direkten Kosten des Internationalen Terrorismus für 2014 addierten die Experten des HWI und der Berenberg-Bank auf 53 Milliarden US-Dollar.

Megathema Cybersicherheit

Beim Blick auf die Cyber-Kriminalität kommen die Wirtschaftsexperten auf eine rund acht mal höhere Schadenssumme. Die wird für 2014 auf 400 Milliarden US-Dollar geschätzt. "Terrorismus ist medial und auch von der gefühlten Bedrohungslage her akut, das betrifft uns auch emotional. Aber von den Kosten her, rein wirtschaftlich betrachtet - perspektivisch auch gedacht für die nächsten 20 Jahre – sind die Risiken oder Kosten durch Cyberrisiken viel bedeutsamer," betont HWWI-Chef Vöpel. Für 2020 wird eine Verfünffachung des weltweiten Datenvolumens gegenüber 2015 erwartet. Der Aufbau der Industrie 4.0, der Austausch von Programmdateien im Rahmen der 3-D-Drucktechnologie, die wachsende Vernetzung durch das "Internet der Dinge" und die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz sorgen für vermehrte Angriffsmöglichkeiten. Henning Vöpel nennt als Beispiel einen Rechner mit Künstlicher Intelligenz, der sich um Gesundheitsdienstleistungen kümmert, so wie das der IBM-Supercomputer Watson schon versuchsweise tut. "Der wird dann gefüttert mit Gesundheitsdaten von Menschen. Wenn dann die Algorithmen durch Hackerangriffe gestört oder verändert werden, wären die potenziellen Schäden immens". Für Vöpel ist klar: Cyber-Risiken werden sicherheitstechnisch das interessanteste und dominierende Thema der nächsten zehn Jahre sein.

Silhuette eines Mannes vor blau schimmernden Rechenanlagen (Foto: Ralf Hirschberger/dpa)

Cybersicherheit wird das Megathema der nächsten Jahrzehnte

Ambivalente Rüstungsausgaben

Ganz weit oben in der Berenberg-Studie rangieren die geopolitischen Konflikte. Weltweit seien Anfang 2016 nicht weniger als 42 Konfliktherde gezählt worden. Als Folge der globalen Bedrohungslage seien zuletzt die Sicherheitsausgaben weiter gestiegen. Die Studie verweist auf die Rekordsumme von 1, 8 Billionen US-Dollar, die 2015 weltweit in Militärausgaben gesteckt wurden. Die Rüstungsausgaben sieht Vöpel ambivalent: "Einerseits bedeutet es eine Zunahme der Gefährdung. Andererseits ist es eine Reaktion von Ländern dahingehend, die Sicherheitslage weltpolitisch in den Griff zu bekommen."

Es liegt auf der Hand, dass die Studie eines Wirtschaftsinstituts und einer Bank das Thema Sicherheit auch aus Anlegersicht in den Blick nimmt. Die Sicherheitsindustrie bleibt ein Wachstumsmarkt, heißt das Fazit der Studie. Das Volumen des Sicherheitsmarktes habe sich seit 2008 annähernd verdoppelt. Einzelne, auf den Sicherheitsbereich spezialisierte Fonds Fonds hätten sich seit 2008 deutlich besser entwickelt als die Aktienindizes.

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