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Wirtschaft

VW: Showdown in Salzburg

Im Poker um die Macht bei VW und die Zukunft von Konzernchef Winterkorn hat sich der Kern des Aufsichtsrates nach Salzburg zurückgezogen. Die Sitzung ging am Abend zu Ende, eine Erklärung soll am Freitag folgen.

Im VW-Machtkampf sucht der engste Kreis des Aufsichtsrats nach einem Ausweg aus der Führungskrise. Das sechsköpfige Präsidium kam am Nachmittag zu einer Sondersitzung im österreichischen Salzburg zusammen. Am Ende des Treffens war nur eins klar: Heute würde niemand mehr etwas darüber erfahren - die Beteiligten äußerten sich nicht. Laut der Nachrichtenagentur dpa will das Präsidium des Aufsichtsrates am Freitag eine Erklärung abgeben - "im Laufe des Tages".

Das österreichische Bundesland Salzburg ist die Heimat von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und dort befindet sich auch der Familiensitz der Porsches. Außerdem hat in Salzburg der größte Autohändler Europas, die Porsche Holding Salzburg, ihren Sitz. Das Unternehmen ist eine Volkswagen-Tochter. Das Präsidium kam dort außer der Reihe zusammen, nachdem Firmen-Patriarch Piëch am vergangenen Freitag vom Vorstandsvorsitzenden abgerückt war: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", hatte Piëch dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gesagt und damit für Turbulenzen bei VW gesorgt.

"Da ist uns jetzt einer abhanden gekommen."

VW-Chef Winterkorn hatte ebenfalls an der außerordentlichen Präsidiumssitzung in Salzburg teilgenommen und dafür einen anderen Termin abgesagt. Ursprünglich wollte Winterkorn eine Klausurtagung der Bundestags-Fraktionsvorstände von Union und SPD besuchen, die Einladung dazu war lange vor der Führungskrise beim Autobauer ausgesprochen worden.

Das Fehlen Winterkorn bei der Klausurtagung, bei dem es um neue Initiativen für Innovation und Wachstum gehen soll, hatte Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer bekanntgegeben. Am Tagungsort in Göttingen sagte der Politiker: "Da ist uns jetzt leider einer kurzfristig abhanden gekommen."

Der innere Zirkel

Dem Aufsichtsrats-Präsidium, das sich in Salzburg trifft, gehört für die Eignerseite neben Piëch und seinem Cousin Wolfgang Porsche auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) an. Für die Arbeitnehmer sitzen Betriebsratschef Bernd Osterloh, sein Stellvertreter Stephan Wolf und der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber in dem Gremium, das in der Regel die Sitzungen des Aufsichtsrates vorbereitet.

Der überraschende Bruch Piëchs mit seinem einstigen Zögling Winterkorn war auf Ablehnung im Aufsichtsrat gestoßen. Nun will zumindest Betriebsratschef Bernd Osterloh Piëch die Stirn bieten und den angesehenen Manager verteidigen. Osterloh hatte als Reaktion auf Piëchs Abrücken von Winterkorn gesagt, wenn es nach den Arbeitnehmern gehe, solle dessen Vertrag über 2016 hinaus verlängert werden. An der positiven Haltung des Betriebsrats zu Winterkorn habe sich nichts geändert, hieß es aus dessen Umfeld am Donnerstag.

Übereinstimmend sagen Insider, dass eine offene Frontenbildung im Aufsichtsrat gegen Piëch eher unwahrscheinlich erscheint Der Aufsichtsratschef und Vertreter der Piëch-Eigentümerfamilie gilt als das eigentliche VW-Machtzentrum. Wolfgang Porsche ist im Präsidium der Sprecher des Familienzweigs der Porsches, der zusammen mit den Piëchs die Stimmenmehrheit an VW hält. Porsche hatte Ferdinand Piëchs vernichtendes Zitat zunächst als "Privatmeinung" zurückgewiesen. Die Aussage sei nicht abgestimmt

Nicht nur eine Frage des Alters

Die Diskussion über die künftige Spitze von Volkswagen schwelt schon länger wegen des fortgeschrittenen Alters der beiden Hauptakteure. Oberaufseher Piëch wird am Freitag 78 Jahre alt und ist noch bis 2017 gewählt. Der Vertrag des 67-jährigen Winterkorn läuft Ende 2016 aus.

Bisher wurde erwartet, dass er später auf Piëch als Aufsichtsratschef folgt. Ein Nachfolger für Winterkorn in der Unternehmensführung war bisher nicht in Sicht, galt der Schwabe doch als unersetzlich. Er lenkt das VW-Imperium mit seinen inzwischen zwölf Marken seit 2007. Unter seiner Ägide ist der Wolfsburger Konzern weit vorangekommen und steht davor, Toyota als die Nummer eins zu überholen.

In dem Riesenunternehmen haben sich allerdings auch noch andere, gleichwohl drängende Probleme angehäuft: So liegt beispielsweise die Rendite der Kernmarke VW nur bei rund zwei Prozent. Piëch, der die Strategie des Konzerns bisher mitgetragen hat, ist offenbar der Geduldsfaden gerissen. Im Aufsichtsrat kritisierte er die schon lange bekannten Schwachstellen zuletzt immer schärfer, wie es in Unternehmenskreisen hieß.

Vor allem das lahmende Geschäft in den USA habe den Chefkontrolleur in Rage gebracht. Während die deutschen Konkurrenten BMW und Daimler am zweitgrößten Automarkt weltweit gut verdienen, gingen die Verkaufszahlen von VW im vergangenen Jahr mangels attraktiver Modelle deutlich zurück.

dk/hb (dpa/rtr/afp)