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Kinderrechte

Vorfahrt für Kinderrechte: Der "KidsRight Index"

Der "KidsRight Index" misst die Umsetzung von Kinderrechten weltweit. Das diesjährige Ranking dokumentiert eine insgesamt positive Entwicklung. Er wartet aber auch mit einem überraschenden Ergebnis auf.

Kinder, die ethnischen, konfessionellen oder sprachlichen Minderheiten angehören, werden weltweit diskriminiert. Darauf aufmerksam zu machen und diesen Trend umzudrehen, ist eines der wesentlichen Anliegen der Autoren der KidsRights Index 2017 - eines Rankings, das sich der weltweiten Einhaltung der Kinderrechte widmet.

Der Trend sei zwar überall auf der Welt zu beobachten. Besonders besorgniserregend ist der Studie zufolge aber im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika. Die Diskriminierung von Kindern, fordert Marc Dullaert, Gründer und Vorsitzender der KidsRights Foundation, sollte 2017 darum auf die politische Prioritätenliste: "Die Diskriminierung gefährdeter Gruppen von Kindern und Jugendlichen sollte von den Regierungen aller 165 im Index repräsentierten Länder direkt angegangen werden. Sie hindert zukünftige Generationen erheblich daran, ihr Potenzial voll auszuschöpfen.” 

Im Hinblick auf die Kinderrechte sämtlicher sozialer und kultureller Gruppen sticht eine Region besonders positiv heraus: Europa. Unter den zehn Spitzenplätzen des Rankings befinden sich acht europäische Staaten. Die Spitzenstellung nimmt Portugal an, gefolgt von Norwegen, der Schweiz, Island, Spanien, Frankreich und Schweden.  Auf Platz acht und neun liegen mit Thailand und Tunesien die ersten nicht-europäischen Länder. Auf Platz zehn befindet sich Finnland.

Am unteren Ende der insgesamt 165 Plätze rangieren der Tschad, Vanuatu, Sierra Leone, Afghanistan und die Zentralafrikanische Republik.

Libyen Auffanglager Surman (DW/M. Dumas)

Weltweit schlechte Entwicklung für Minderheiten: Szene aus dem libyschen Auffanglager Surman

Überraschendes Ergebnis für Großbritannien

Das Ranking gründet auf insgesamt fünf Kriterien: dem Recht auf Leben; dem Recht auf Gesundheit; dem Recht auf Bildung und Erziehung; dem Recht auf Schutz; und auf dem Engagement, das jedes Land auf die Umsetzung dieser Rechte verwendet.

Der Index, initiiert von der Kids Rights Foundation in Zusammenarbeit mit der Erasmus-Universität Rotterdam und dem International Institute of Social Studies, misst jeden einzelnen dieser Punkte. Ein besonders gutes Abschneiden bei einem der Kriterien kann ein schlechtes bei einem anderen nicht ausgleichen. Dieses Verfahren führt zu teils unerwarteten Ergebnissen: So liegt Großbritannien in dem Ranking auf Platz 156, direkt hinter Angola und vor Papua-Neuguinea. Der wesentliche Grund: Bei der Umsetzung der Kinderrechte schneidet Großbritannien der Studie zufolge sehr schlecht ab. Auf diese Weise nehmen die Briten zur Kenntnis, dass Kinderrechte, jedenfalls der Studie zufolge, in Eritrea, Lesotho, Liberia, der Demokratischen Republik Kongo und in Niger besser gewahrt sind als in ihrem Land.

Großbritannien Spielplatz (picture-alliance/empics/G. Fuller)

Laut Studie besorgniserregend: Lage der Kinderrechte in Großbritannien

Befriedigendes Ergebnis für Deutschland

Deutschland schneidet in dem Vergleich relativ gut ab: Es landet auf dem 18. Platz. Im Vorjahresindex stand das Land noch auf Platz 12. Allerdings hat der leichte Abstieg wenig mit verschlechterten Umständen in Deutschland selbst zu tun. "Die deutschlandspezifischen Daten haben sich nicht wesentlich verändert”, sagt Ellen Vroonhof, Project Manager bei KidsRights. "Sie zeigen lediglich einen leichten Rückgang bei der Teilnahme von Kindern am Grundschulunterricht. Der Fall von Platz 12 auf 18 ist größtenteils Änderungen in der Rangfolge anderer Länder geschuldet, da die Leistung eines Landes immer an dem der anderen Länder gemessen wird.”

Nach Auskunft der Autoren zeigt der KidsRights Index eines sehr deutlich: Wirtschaftlich starke Länder übertreffen schwächere Nationen in ihrer Leistung nicht zwingend. Das liegt an einem weiteren Kriterium des Index: Er beurteilt das Engagement der Länder in Bezug auf Kinderrechte nicht nur absolut, sondern auch gemessen an den Ressourcen, die den jeweiligen Ländern zur Verfügung stehen. So erklärt sich auch die Position ärmerer Länder wie Thailand und Tunesien unter den besten zehn. Beiden Ländern gelinge es, ein befähigendes Umfeld für die Rechte von Kindern zu schaffen.

Deutschland Kinder im Auto freuen sich auf die Ferienreise (picture-alliance/JOKER)

Zufriedenstellend: Kinderrechte in Deutschland

"Im Allgemeinen verdeutlicht der Index, dass Industriestaaten es zunehmend verfehlen, entsprechende finanzielle Mittel in die Schaffung eines stabilen Umfelds für Kinderrechte zu investieren", so die Autoren der Studie. Viele ärmere Staaten verdienten, gemessen an ihrem Budget und ihren Möglichkeiten, Lob für ihre Mühen. "Umso mehr ist es dennoch alarmierend, dass einige Industriestaaten ihre Führungsverantwortung vernachlässigen und es versäumen, bestmöglich in die Rechte von Kindern zu investieren."

Insgesamt bemühten sich die allermeisten Länder um die Etablierung von Kinderrechten. Raum für eine bessere Entwicklung sehen die Autoren des Index aber dennoch: Viele der installierten Gesetze und Bestimmungen entsprächen nicht der UN-Kinderrechtskonvention. Die aber sei weiterhin der entscheidende Maßstab.

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