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Kultur

Von Mexiko um die Welt gerollt

Einer allein nützt nichts. Aber 25 bis 30 Leute können 50.000 andere animieren: einfach aufstehen, dabei die Arme hochreißen. Und wieder hinsetzen. Wildfremde Nachbarn machen im Sekundenbruchteil mit - eine "La Ola".

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"La Ola": Kleine Ursache, große Wirkung

Eine La-Ola-Welle Einkleidung für Olympische Spiele

Die Hände zum Himmel ...

Seit dem Fußball-Weltcup in Mexiko-Stadt 1986 sorgt die "Mexikanische Welle" - oder "La Ola" - weltweit für Massenspaß. Was Physiker daran faszinierend finden, ist, dass sich Menschen wie Teilchen verhalten: Es macht keinen Unterschied, ob eine Welle übers Meer oder durch ein Stadion rollt. Das Prinzip ist gleich: Die Welle entsteht spontan, ist beliebig wiederholbar und braucht eine "kritische Masse" von Teilchen, die den Anstoß geben. Wie die Wassermoleküle bewegen sich die Zuschauer hoch und runter - sie "schwingen" senkrecht zur Ausbreitungsrichtung der Welle -, ohne ihren Platz zu verlassen.

Die typische "La Ola"

Fußball-WM 2006 Olympiastadion Berlin

Olympiastadion Berlin

Einmal unterwegs, folgt die "La Ola" einem mathematischen Modell, das die Wissenschaftler Illés Farkas und Tamás Vicsek von der Eötvös-Universität in Budapest gemeinsam mit dem Dresdner Verkehrswissenschaftler Dirk Helbing beschrieben haben ("Nature", 12.9.2002). Sie analysierten dazu Videoaufnahmen von 14 "La Ola"-Wellen in Fußballstadien, die mehr als 50.000 Leute fassen.

Fußball Fan, Borussia Dortmund

Fan von Borussia Dortmund

Die typische "La Ola" läuft im Uhrzeigersinn durch's Stadionrund und breitet sich mit einer Geschwindigkeit von 20 Sitzen pro Sekunde aus. Das sind rund 40 Stundenkilometer. Ein einzelner "Wellenschlag" ist zwischen sechs und zwölf Metern breit. Das heißt: Eine Auf- und Ab-Bewegung umfasst 15 Zuschauer, die nebeneinander sitzen. Zwei, drei Dutzend Leute reichen aus, um eine "La-Ola"-Welle ins Rollen zu bringen - im physikalischen Sinne ist das eine kleine "Störung" oder "Reizung" von außen. Je mehr Leute mitmachen, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt.

Wellen sind (einigermaßen) gleich

Herzlinien

So schlägt das Herz

Die "La Ola"-Welle ist eine Reizwelle. Ganz ähnlich funktioniert zum Beispiel der Herzschlag: Das Gehirn sendet einen Befehl beziehungsweise einen Impuls ("kontrahieren!"), woraufhin sich in den angesprochenen Herzzellen Natrium- und Kaliumionen in Bewegung setzen und in den Nachbarzellen eine Kontraktion veranlassen. Die Welle breitet sich gleichmäßig rhythmisch aus. "Wir haben herausgefunden, dass sich die Gesetzmäßigkeiten und Theorien, die ursprünglich zur Analyse dieser Phänomene entwickelt wurden, auch auf menschliches Sozialverhalten anwenden lassen", schreiben die Wissenschaftler in ihrem Aufsatz.

Mechanische Menschenmassen

1. Mai Krawalle in Berlin

Krawall und Gegengewalt

Nun wäre es die Aufgabe von Psychologen und Sozialwissenschaftlern, herauszufinden, ob - und wenn ja, warum - Menschen in jeder Situation auf solche "La-Ola"-Reize reagieren. Die Frage ist: Kann man auf diese Weise eine Menschenmenge dazu bringen, bestimmte Verhaltensmuster zu zeigen? Oder anders herum: Wie schnell kann sich eine aufgeregte und gereizte Menge verselbstständigen? "Es ist außerordentlich wichtig, die Bedingungen zu verstehen, unter denen kleine Grüppchen die Kontrolle über große Massen erlangen können, und wie schnell und in welcher Form sich diese 'Störung' beziehungsweise der 'Wechsel' im Verhalten ausbreitet", sind die Wissenschaftler überzeugt.

La-Ola-Welle Confederations Cup 2005

Ach ja, was Fußballtrainer und Kommentatoren noch wissen sollten: Die "La Ola" läuft immer dann am besten, wenn den Zuschauern im Stadion langweilig ist.

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