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Kultur

Von der Berlinale nach Burundi

Sie kommen aus Burundi, Indien oder Marokko, doch nun sind die zwölf Festivalmacher fünf Wochen in Berlin, um ganz in die Welt der Berlinale einzutauchen - und etwas mit nach Hause zu nehmen. Sie nennen es "Fische".

Drei männliche und eine weibliche Teilnehmerin des DW-Akademie-Trainigs Film Festival and Event Management posieren nach der großen Pressekonferenz am 1.2.2010 vor Plakaten des Berlinale 2010 in Berlin (Foto: dw)

Die Teilnehmer wollen von der Berlinale so viel wie möglich mitnehmen

Die Festival-Macher Raymond Kalisa, Ajitpal Singh, Edward Cabagnot und Majdouline El Alami sind vier der zwölf Teilnehmer, die für das Training "Film Festival and Event Management" der Deutsche Welle-Akademie ausgewählt wurden. Jeder hat eine Vision für das eigene Festival zu Hause. Zu sehen, wie die Berlinale funktioniert, zu hören, wie die Leute hier arbeiten und dabei Teil dieser Berlinale-Welt zu sein, sollen sie ihrer Vision ein Stückchen näherbringen.

60 Jahre Erfahrung

Berlinale-Festivalleiter Dieter Kosslick schneidet eine riesige Geburstagstorte an (Foto: dpa)

Dieter Kosslick, das Gesicht der Berlinale

Als sie aus der großen Pressekonferenz mit Festivalleiter Dieter Kosslick kommen – der Mann, den sie alle so bewundern, schneidet gerade zum Abschluss im Blitzlichtgewitter eine riesige Berlinale-Geburtstagstorte an – sprudelt es aus ihnen nur so heraus. Edward von den Philippinen kann es kaum erwarten, Kosslick so bald wie möglich persönlich zu treffen. "Wir würden ihn gern als Jury-Mitglied fürs Cinemalaya einladen", verrät er und kündigt an, man werde für den deutschen Gast viel philippinisches Bier bereit halten.

Zeigen, wie man fischt

Plakat des Burundi International Film Festival (Foto: Burundi Film Center)

Das Burundi International Film Festival ist eines der geladenen Festivals

Raymond ist überrascht, wie viele Journalisten anwesend waren und wie gut sich die einzelnen Sektionsleiter vorbereitet hatten. "Ich merke, dass ich hier ganz schön viele Hausaufgaben aufbekomme", sagt er und denkt dabei an seine Funktion als Co-Direktor des Burundi International Film Festivals. Er habe sich vorher einfach nicht ausmalen können, wie groß, wie wichtig die Berlinale sei. Später spricht Raymond einen Gedanken aus, den viele der Teilnehmer teilen: "Die Leute hier sollen mir zeigen, wie man fischt. Ich will nicht, dass sie mir Fische geben, aber ich will lernen, wie man sie fängt und isst, so dass ich niemals wiederkommen muss, um zu sagen: Gebt mir mehr Fisch." Fische meint Geld, Kontakte, Ideen.

In dem fünfwöchigen Training geht es um Vermarktung, Netzwerke, um Finanzieren, Organisation, Filmanalyse und -auswahl. Dazu gibt es Theorie und Praxis, also auch Filmbesuche, Hintergrundgespräche, Empfänge. Die Festivalmacher aus Asien und Afrika sollen möglichst viele Sparten innerhalb der Festivalorganisation kennenlernen.

Jenseits von Bollywood

Der indische Teilnehmer des DW-Akademie-Trainings Film Festival and Event Management posiert neben einem Berlinale-Starportrait von Sibel Kekilli (Gegen die Wand)

Ajitpal mit Sibel Kekilli aus "Gegen die Wand" im Starporträt, Regisseur Fatih Akin ist Ajitpals Idol

Was die Teilnehmer eint, ist die Liebe zum Film und der Wunsch, anspruchsvolles Kino in ihrer Heimat eine Plattform zu geben. Ajitpal vom Ahmedabad International Film Festival interessiert besonders, wie Filme für einen internationalen Markt und mit Geldern aus unterschiedlichen Ländern produziert werden können. Deshalb fiebert er jeder Veranstaltung entgegen, die mit dem European Film Market, dem Berlinale Co-Production Market oder dem World Cinema Fund zu tun hat. "Wenn ich mehr weiß, kann ich den jungen Filmemachern in Indien erklären, dass sie eben nicht zwangsläufig nach Bombay fahren müssen, wo ihnen der Produzent ohnehin sagen wird, dass sie für ihren Film einen Star und einen Song brauchen." Ajit lacht, der Hype um das Bollywood-Kino Indiens ist ihm sichtlich unangenehm.

Mehr als eine Hospitanz am Roten Teppich

"Alles", antwortet Majdouline und prustet los. Sie würde am liebsten einfach alles von der Berlinale mit zu sich ins marokkanische Rabat nehmen - auch die Sponsoren. Sie hat gerade das International Festival of Scientific Documentary gegründet und steckt noch in der Anfangsphase der Planungen.

Für Projektmanagerin Verena Wendisch war es wichtig, unter den eingeladenen Festivals in Bezug auf Größe, Erfahrung und inhaltliche Ausrichtung ein Gleichgewicht herzustellen. Auch die Mischung aus Gästen aus Asien und Afrika gehöre seit Anfang an zum Konzept des Trainings der DW-Akademie. 2010 findet es nun zum siebten Mal statt. Mittlerweile gibt es ein lebendiges Netzwerk der Ehemaligen. Für die diesjährigen Teilnehmer, die den Auftakt der Berlinale kaum noch erwarten können, ist das eine doppelt schöne Aussicht: Sie haben die Berlinale noch vor sich - und zu Hause erwarten sie schon die Vorbereitungen für das nächste Festival.

Autor: Ricarda Otte

Redaktion: Oliver Samson

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