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Filme

Von Belgien direkt zur Berlinale: Die junge Nachwuchsschauspielerin Martha Canga Antonio im Interview

Die Berlinale ist eröffnet und auf dem roten Teppich tummeln sich Hollywoodstars und viele andere Promis. Mittendrin: Eine junge Belgierin, die erst kürzlich als Filmstar entdeckt wurde. Wir haben sie getroffen.

Straßenbanden, Jugendgewalt und Liebe – darum geht es in dem Film "Black" der belgischen Filmemacher Adil El Arbi und Bilal Fallah. Die Story - sie erinnert ein wenig an Shakespeares "Romeo und Julia"- spielt in Brüssel, in einem Viertel mit hoher Jugendarbeitslosigkeit und dementsprechend hoher Bandenkriminalität. Die Probleme sind vorprogrammiert, als sich ein junges Mädchen aus dem Umfeld einer schwarzafrikanischen Jugendbande in ein Mitglied einer rivalisierenden marokkanischen Gang verliebt.

Das Mädchen Mavela wird von der jungen Schauspielerin Martha Canga Antonio gespielt. Wie viele andere Darsteller in dem Film stand auch sie vor ihrem Debüt in "Black" noch nie vor einer Kamera. Marthas Eltern kamen aus Angola nach Belgien, wo sie zuerst im französischsprachigen, dann im flämischen Teil lebten. Martha spricht daher Portugiesisch, Niederländisch und Französisch, aber auch Spanisch, Englisch und ein paar Worte Deutsch.

DW-Korrespondentin Andrea Rönsberg traf Martha kurz vor ihrer Abreise nach Berlin in einem Café in ihrer Heimatstadt Mechelen. Sie ist eine von zehn jungen Nachwuchsschauspielern, die am Wochenende auf der Berlinale als "European Shooting Stars" vorgestellt werden.

Martha Canga Antonio

Sie sah den fertigen Film und wusste: "Ich werde Schauspielerin"

In ihrer Familie arbeite niemand im Filmbusiness, meint Martha. Aber als sie ihrem Onkel in Angola von ihrer Filmrolle erzählte, las er ihr Gedichte vor, die er selbst geschrieben hatte. "Ich denke, wir haben wohl alle eine künstlerische Ader", sagt die junge Frau lachend.

DW: Sie hatten bis vor Kurzem nie etwas mit Schauspielerei zu tun - wie haben Sie denn von dem Casting für "Black" gehört?

Martha Canga Antonio: Der Film basiert auf einem Roman von Dirk Bracke. Der Autor ist in der flämischen Community ziemlich bekannt. Ein paar Monate nachdem ich das Buch gelesen hatte, sah ich auf Facbeook, dass der Roman verfilmt werden sollte und man Schauspieler suchte, und eben auch Leute ohne Erfahrung. Das Buch hatte mich sehr berührt, deswegen wollte ich gern dabei sein.

Was hat Sie an der Story berührt?

Sie zeigte mir eine Welt, die ich nicht kannte, die aber ganz in meiner Nähe war. Ich wohne in Mechelen, ich wusste nichts über Jugendbanden oder, dass es so viele davon in Brüssel gibt. Das war also eine neue Welt für mich. Und diese neue Welt ist hier in Brüssel, nur 40 Minuten entfernt.

Außerdem ist es eine wunderschöne Liebesgeschichte. Es ist die Story von einem Jungen und einem Mädchen, die sich sehr ähneln und doch so unterschiedlich sind, die sich verlieben und alles für diese Liebe tun.

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Indem ich versucht habe, Mavela als Persönlichkeit zu verstehen. Ich habe keine Ahnung von Jugendbanden, aber ich weiß was es bedeutet, 15 zu sein, verliebt zu sein und zu glauben, man kenne die Welt, während man versucht, seinen Platz darin zu finden.

Der Film ist ziemlich intensiv und auch brutal. Was war für Sie der schwierigste Moment während des Drehs?

Alle denken, es war die Vergewaltigungsszene – war es aber nicht. Es war die Szene direkt danach. Mavela ist bei einem Freund, sie duscht, und in dem Augenblick wird ihr klar, was passiert ist, und sie rastet komplett aus.

Bis dahin war es mir immer gelungen, sozusagen einen Schalter umzulegen und aus Martha wurde MaveIa. Aber in der Szene war das echt schwierig, es war wirklich heftig.

Filmszene aus dem Film Black

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei rivalisierende Jugendbanden in Brüssel

Hat der Film Sie verändert?

Ja, denn ich habe viel über mich gelernt. Wenn man schauspielert, ist man in seiner Rolle, aber man muss auch ein bisschen von sich selbst einfließen lassen. Man muss tief in sich hineinschauen und daran bin ich gewachsen.

Was haben Sie über sich selbst gelernt?

Ich wusste nicht, dass ich diesen Schalter umlegen konnte: Wenn es beim Dreh heißt: "'Action!", dann ist man eine andere. Ich hatte Angst, dass ich das nicht kann.

Der erste Dreh am allerersten Tag war eine Kampfszene mit den Mädchen. Ich war über mich selbst verblüfft - es war mein erster Kampf.

Sie haben ihr Kommunikationsmanagement-Studium zurückgestellt, um Schauspielerin zu werden. Warum?

Ich habe bei den Dreharbeiten eine neue Leidenschaft entdeckt, es hat mir wirklich viel Spaß gemacht. Aber ich habe mich erst entschieden, etwas daraus zu machen, als ich den fertigen Film gesehen habe. Bei den Dreharbeiten habe ich mein Bestes gegeben, ohne genau zu wissen, was daraus wird. Aber als ich das Ergebnis sah, war mir klar, das muss ich weitermachen.

Was bedeutet Ihnen die Nominierung zum "European Shooting Star"?

Es motiviert mich sehr. Die sehen in uns wirklich gute zukünftige Schauspieler, und das ist verrückt (lacht). Ich sehe mich selbst erst seit ein paar Monaten als Schauspielerin.

Was erhoffen Sie sich von der Zukunft?

Schon lange bevor ich Schauspielerin wurde, habe ich immer gesagt, ich möchte die Welt sehen. Also hoffe ich, dass das jetzt Wirklichkeit wird.

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