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Kultur

Vom Recht zur Kultur

Brechen am Goethe-Institut neue Zeiten an? Zur Nachfolgerin von Hilmar Hoffmann wurde Jutta Limbach gewählt. Sie ist keine Kompromisslösung, was hoffen läßt.

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Jutta Limbach als Noch-Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts

Das Verfassungspräsidentenamt, so sagte Jutta Limbach einmal sarkastisch, sei ein "bürgerlicher Tod". Denn seit 1994, als sie an die Spitze des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe gewählt wurde, muss die durchaus meinungsfrohe Juristin vor jeder öffentlichen Äußerung abwägen, ob ihr daraus später nicht ein Strick gedreht werden könnte - Befangenheit wiegt bei einer Präsidentin doppelt schwer. Als Präsidentin des Goethe-Instituts könnte sie nun wieder ins "bürgerliche Leben" zurückkehren.

Dabei hat sich die am 27. März 1934 geborene Berlinerin während ihrer Karlsruher Zeit keineswegs einen Maulkorb verpasst. In einer Fülle von Interviews und Reden hat die Sozialdemokratin immer wieder Stellung bezogen - sei es
für eine europäische Verfassung, sei es für die Aufnahme
plebiszitärer Elemente ins Grundgesetz oder zur
Gleichberechtigung der Frauen.

Als Frau unter Männern

Ihre erste Karriere begann 1971 mit ihrer Berufung als
Rechtsprofessorin an die Berliner Freie Universität - zu einer Zeit, als die juristischen Fakultäten noch fest in Männerhand waren. In den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte sie schließlich 1989, als sie in der rot-grünen Koalition zur Berliner Justizsenatorin ernannt wurde - kurz bevor der Fall der Mauer gerade in Berlin eine Reihe schwieriger juristischer Probleme aufwarf. Limbach setzte sich damals entschieden
für eine strafrechtliche Verfolgung der DDR-Regierungskriminalität ein.

Bald nach Beginn ihrer Karlsruher Zeit geriet sie in eine der schwierigsten Krisen des Gerichts. Mit dem Kruzifixbeschluss von 1995 wie auch mit der "Soldaten sind Mörder" - Entscheidung sah sich das bis dahin in hohem Ansehen stehende Gericht einer Welle der Empörung ausgesetzt - vom Karlsruher Elfenbeinturm war die Rede. Die Präsidentin setzte daraufhin auf Transparenz: Eine Pressesprecherin wurde installiert, die Fernsehübertragung von Urteilsverkündungen erlaubt. Schließlich führte das Gericht 1999 "Tage der offenen Tür" ein. Die entschiedene Demokratin Jutta Limbach rückte das höchste deutsche Gericht näher ans Volk. Ihr diplomatisches Auftreten dürfte ihr auch bei ihrer neuen Aufgabe als Chefin des Goethe-Instituts zu Gute kommen.

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