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Wirtschaft

Vom Minijob zur festen Stelle

Ein Minijob soll ein Einstieg in den Arbeitsmarkt sein. Das gelingt allerdings nicht immer. Jobcenter bemühen sich nun verstärkt darum, mehr Menschen auf Dauer in ein festes Arbeitsverhältnis zu vermitteln.

Es ist ein Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen, aber es soll bundesweit Schule machen: Jobcenter wollen Hartz-IV-Empfänger, die einem 400-Euro-Job nachgehen, verstärkt helfen, eine sozialversicherungspflichtige Arbeit zu bekommen. Speziell geschulte Mitarbeiter der Arbeitsagenturen sprechen derzeit gezielt Minijobber und Arbeitgeber an.

Etwa 30 Millionen Menschen in Deutschland gehen einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach. Bundesweit gibt es nach Informationen der Bundesagentur für Arbeit (BA) über sieben Millionen Minijobber – ihre Zahl steigt. Ein Teil von ihnen macht den Job im Nebenverdienst, aber auch zahlreiche Hartz IV-Empfänger sind dabei. Viele von ihnen sind auf aufstockende Geldleistungen aus dem Arbeitslosengeld II angewiesen. Arbeitnehmer, sagt Susanne Cziske vom Dortmunder Jobcenter, suchten ja häufig Personal. Auf die Idee einen ihrer Minijobber fest einzustellen und zu qualifizieren, kämen sie selten: "Die Jobcenter führen nun Minijobber und Arbeitgeber zusammen."

Erfolge bei der Vermittlung

Zwei Maler tapezieren ein Zimmer im Zuge der Renovierung eines Mehrfamilien-Mietshauses Foto: Matthias Rietschel (AP)

Arbeitsplatz Altbausanierung

Mithilfe der für das Pilotprojekt ausgesuchten Jobcenter in Nordrhein-Westfalen werden derzeit monatlich aus insgesamt rund 150 Minijobs sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen. Handwerksmeister Thomas Jansen, sein Betrieb saniert vorwiegend Altbauten, hat bereits Minijobbern feste Stellen gegeben: "Das sind keine ausgebildeten Leute, sondern Quereinsteiger", sagt Jansen. Einer sei darunter, der aufgrund einer Beinverletzung seinen alten Beruf nicht mehr ausüben konnte und es daher am Arbeitsmarkt sehr schwer hatte, eine neue Stelle zu finden.

Es gebe auch die Möglichkeit, dass Arbeitgeber einen Zuschuss von der Arbeitsagentur beantragen können, wenn sie aus einem Minijob eine feste Stelle machten, sagt Susanne Cziske vom Dortmunder Jobcenter. Aber das gehe nur dann, wenn der Minijobber für seine neue Tätigkeit nicht die volle Leistung erbringen könne: "Oftmals werden die Kunden auch in anderen Bereichen eingesetzt. Und das hat natürlich dann auch zur Folge, dass sie andere Tätigkeiten ausüben." Da könne es dann schon einmal einen so genannten "Eingliederungszuschuss" geben.

Minijobs sind nicht überflüssig

Sechs Mitarbeiter hat Handwerksmeister Thomas Jansen. Auf sie muss er sich verlassen, damit der Betrieb weiterhin die Aufträge erfüllen kann. Sie müssten weniger Spezialisten, dafür Alleskönner sein, sagt Jansen. Er finde sehr schnell heraus, welcher Minijobber sich im Betrieb bewähren könnte: "Das sieht man relativ schnell, wo man sie einsetzen kann, wo ihre Grenzen sind, wo man noch helfend eingreifen und vor allen Dingen noch ausbildend eingreifen muss." In seinem kleinen Betrieb funktioniere es - nicht zuletzt mit der Hilfe seiner Mitarbeiter.

Das Pilotprojekt wird von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und von der EU finanziell unterstützt. Dabei geht es nicht darum, Minijobs schlecht zu reden. Sie seien, wie von der Politik und den Verbänden immer wieder betont wird, ein fester Bestandteil des Arbeitsmarktes. Denn für viele Unternehmen bleibt es wichtig, auch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten flexibel zu sein. Und für Menschen, die lange Zeit keiner Arbeit nachgegangen sind, können Minijobs ein erster Schritt in eine dauerhafte Erwerbstätigkeit sein. Allerdings: ein Minijob bedeutet später auch nur eine Minirente.

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