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Afrika

Vom Kaufmannsclub zur Afrika-Lobby

Früher haben sich im Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft Unternehmen gegenseitig über neue Entwicklungen in Afrika informiert. Heute berät der Verein auch afrikanische Unternehmen, die nach Europa wollen.

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Von Hamburg nach Afrika - der Afrika-Verein schlägt die Handelsbrücke

"Wir waren zu Beginn mehr ein Verein der Kaufleute untereinander. In den 60er Jahren kamen unter der Regie von Heinz Hansen zum Afrika-Verein auch die Industrie, Banken und Transportleute dazu", sagt Heinrich Woermann. So habe der Afrika-Verein eine breite Basis gewonnen. Woermann hat die Entwicklung des Afrika-Vereins seit den 1950er Jahren begleitet und war bis 1989 lange Jahre im Vorstand aktiv.

Ende der Kolonialzeit

Seine Firma, das Handelshaus C. Woermann, gibt es bereits seit 1837. Die Hamburger gehörten im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten deutschen Händlern in Afrika. Es war denn auch im Haus von C. Woermann, wo sich Ende 1933 Vertreter deutscher Handelshäuser und Plantagenbesitzer trafen, um den "Afrika-Verein Hamburg-Bremen" zu gründen. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise zwangen die Konkurrenten zur Zusammenarbeit. 1934 begann der Verein seine Arbeit in einem kleinen Büro in Hamburg. Der verlorene Zweite Weltkrieg zerstörte zunächst alle Träume von einer Rückkehr der großen Zeit des deutschen Afrika-Handels. Spannend wurde es dann wieder Ende der 1950er Jahre, als immer mehr Kolonien unabhängig wurden. "Da kamen dann Fragen auf: Wie geht man mit den Ländern um? Wie kann man sie beraten? Insbesondere als die Nationalisierungswelle in Westafrika begann und die ausländischen Firmen mehr oder minder geschlossen werden mussten", sagt Heinrich Woermann.

Schweigen zur Apartheid

Rassenunruhen in Soweto (Foto: AP)

Der Afrika-Verein bezog bei den Rassenunruhen keine Position

Nach dem Soweto-Aufstand gegen die Apartheid in Südafrika 1976 mussten sich die deutschen Unternehmen vermehrt für ihre Präsenz im Süden des Kontinents rechtfertigen. Die Historiker Andreas Eckert und Felix Brahm berichten in der Jubiläumsschrift von heftigen Auseinandersetzungen im Vorstand des Afrika-Vereins: Sollte man sich politisch äußern oder nicht? Mit Rücksicht auf die in Südafrika aktiven Mitglieder entschied sich der Vorstand zu schweigen. Besonders im Geschäft mit Südafrika oder in Nigeria spielen große deutsche Unternehmen wie Daimler oder Siemens eine Rolle. Auch sie sind Mitglied im Afrika-Verein. Deren Zahl wächst stetig. Als das Interesse an Afrika Mitte der 1990er Jahre seinen Tiefpunkt erreichte, waren es nur noch knapp 200 Firmen. Heute sind es 553 – so viele wie nie zuvor.

Austausch auf Augenhöhe

Der Handels-Veteran Heinrich Woermann betont, dass der Afrika-Verein heute auch Anlaufstelle für afrikanische Unternehmen ist. Heutzutage sei es wichtiger, dass auch die Afrikaner wissen, was sie mit Europa machen können. Dass sie wüssten, wie sie ihre afrikanischen Produkte nach Europa verkaufen können, sagt Woermann. "Es gab Zeiten, da haben wir die Afrikaner nicht als gleichwertige Partner gesehen", erinnerte der Vereinsvorsitzende Jens Peter Breitengroß bei der Jubiläumsfeier. Diese Zeiten seien zum Glück längst vorbei.

Autor: Thomas Moesch

Redaktion: Christine Harjes/Dirk Bathe

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