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Afrika

Deutsche Interessen in Angola

Angola gehört seit einigen Jahren zu den weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Letztes Jahr wuchs Angolas Bruttoinlandsprodukt um etwa 13 Prozent. Deutschland will sich seinen Platz als Investor sichern.

Mann in orange-farbenem Anzug auf einer Ölbohrinsel vor Angolas Küste (Foto: AP)

Das Öl macht Angola zusammen mit Diamanten zu einem wirtschaftlich sehr reichen Land

Auf dem zweiten deutsch-angolanischen Wirtschaftsforum, das am Freitag (27.02.2009) anlässlich des Staatsbesuchs des angolanischen Präsidenten José Eduardo dos Santos in Berlin stattfand, hofften die Deutschen diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen. Neben dem Präsidenten waren zudem mehrere angolanische Minister zugegen. Auf dem Forum trafen sie unter anderem auf den deutschen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Angolas Präsident José Eduardo dos Santos vor einem Mikrophon (Foto: AP)

Angolas Präsident José Eduardo dos Santos wird das Wirtschaftsforum in Berlin besuchen

Angola ist inzwischen der zweitgrößte Öl-Exporteur Afrikas, direkt hinter Nigeria. Außerdem verfügt das Land über Diamanten und Mineralien, Landwirtschaft und Fischerei. Auch nach Ende des Bürgerkrieges 2002 ist Angolas Wirtschaft noch stark vom Öl abhängig. Wegen Korruption und schlechter Regierungsführung kamen die Öleinnahmen der Bevölkerung jedoch kaum zu gute – zumal nur wenige inländische Arbeitskräfte in der Ölförderung beschäftigt werden.

Die Welt will nach Angola

Frau mit Baby auf dem Rücken vor türkis-farbener Wand, hinter ihr ein kleiner Junge mit herunter gelassener Hose (Foto: AP)

Der wirtschaftliche Reichtum Angolas kommt nicht bei der Bevölkerung an. Die lebt größtenteils in Armut.

Der wirtschaftliche Reichtum Angolas lockt internationale Investoren an. Auch Deutschland will mitmischen. Vor allem in den Bereichen Energie, Bergbau und Infrastruktur will sich die Bundesrepublik noch stärker in Angola engagieren – bevor andere Staaten ihr zuvorkommen, sagt Rainer Dzösch von der Deutsch-Angolanischen Wirtschaftsinitiative. "Es ist beachtlich, welche ausländischen Unternehmen sich dort engagieren, was da an Investitionen getätigt wird, an Krediten an dieses Land gegeben wird", so Dzösch. Abgesehen von China investierten mittlerweile auch Kanada, die Türkei und Israel in Angola.

Die weltweite Finanzkrise habe die angolanische Regierung allerdings unterschätzt, sagt Rainer Dzösch. Angolas Problem sei seine Abhängigkeit von Öl-Exporten. Der Ölpreis hat sich aufgrund der Finanzkrise in den vergangenen Monaten mehr als halbiert. Das angolanische Wirtschaftswachstum wird darunter leiden, sagt Andreas Wenzel vom Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft.

Fischer in Holzbooten, die abends an den Strand zurückkehren (Foto: dpa)

Auch der Fischfang ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Angola

Schluss mit Wachstum?

"Die verschiedenen Prognosen für das Jahr 2009, beziehungsweise 2010 gehen da sehr weit auseinander", so Wenzel. Die angolanische Regierung selbst erwarte trotzdem weiterhin ein Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Internationalen Wirtschaftsforschungs-Institutionen kommen aber teilweise zu deutlich pessimistischeren Einschätzungen. Sie gehen davon aus, dass die Wirtschaft in Angola in diesem Jahr überhaupt nicht wächst.

Allein das Geschäft mit dem Öl macht fast zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes aus. Die Organisation Erdöl exportierender Länder, OPEC, hat nun die Fördermengen gekürzt, um so weltweit den Ölpreis zu stabilisieren. Angola wurde von der Vorgabe hart getroffen: Das Land muss seine Fördermenge von fast zwei Millionen Barrel pro Tag auf anderthalb Millionen Barrel zurück fahren.

Export-Einbrüche

Beides, der Verfall der Preise und die Einschnitte bei den Fördermengen, bleiben nicht ohne Folgen. So geht die Londoner Analysefirma Economist Intelligence Unit davon aus, dass die Ölexporte Angolas von 65 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf nur noch 21 Milliarden Dollar in diesem Jahr einbrechen werden.

Die Benguela-Bahn, ein Zug außerhalb von Benguela, Angola (Foto: dpa)

Infrastruktur-Projekte werden nicht wegen der Krise abgebrochen, sagt Andreas Wenzel

Trotzdem sei Angola immer noch ein Land mit vielen Möglichkeiten für Deutschland, sagt Andreas Wenzel vom Afrika-Verein. Das Land sei nicht in dem Maße von der internationalen Finanzkrise betroffen wie andere Länder. "Die zur Zeit laufenden Infrastrukturprojekte werden auch weiter voran getrieben und umgesetzt, so dass es also weiterhin für international tätige Unternehmen sehr interessant ist, zu versuchen, sich auf dem angolanischen Markt zu behaupten", so Wenzel.

Arbeitsplätze und Ausbildung mangelhaft

Vor allem die Landwirtschaft biete noch viele Möglichkeiten zur Entwicklung. Jahrelang habe die angolanische Regierung vor allem die Öl- und Diamantenförderung voran getrieben, anstatt auch andere Wirtschaftszweige zu fördern, meint Rainer Dzösch von der Deutsch-Angolanischen Wirtschaftsinitiative.

Und auch die meisten ausländischen Investoren kümmerten sich wenig um die Konsequenzen ihrer Investitionen für die Angolaner. Rainer Dzösch ist der Meinung: "Man hat versäumt, eine Industrie aufzubauen, die den Angolanern auch Arbeitsplätze verschafft, die Ausbildungsmöglichkeiten bringt". Die Chinesen zum Beispiel bringen alle Arbeitskräfte, die sie für ihre Projekte benötigen, aus China mit – genauso wie das Baumaterial. "Das kann ja in dem Land auch gar nicht alles hergestellt werden, weil man die Produktionskapazitäten gar nicht hat", ergänzt Dzösch.

Angolaner in Straßenbau-Fahrzeug (Foto: DW)

Ausländische Unternehmen sollten Arbeitsplätze für die Bevölkerung schaffen

Deutsche Unternehmen wären, was den Einsatz der Arbeiter betrifft, jedoch anders. Sie würden Fabriken aufbauen, in denen vor allem Angolaner beschäftigt werden sollen. Die verdienen allerdings auch deutlich weniger als deutsche Angestellte.

Autorin: Sola Hülsewig

Redaktion: Katrin Ogunsade

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