Vogelgrippe erfasst auch Massentierhaltung | Aktuell Deutschland | DW | 12.11.2016
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Behörden im Alarmzustand

Vogelgrippe erfasst auch Massentierhaltung

Erst immer mehr tote Wildvögel, dann Fälle bei einem Privathalter. Inzwischen ist auch die Massentierhaltung von der aktuellen Epidemie betroffen. Die Fakten zeigen: Die Vogelgrippe breitet sich rasch aus.

Die hochansteckende H5N8-Variante wurde in einem Zuchtbetrieb für Bruteier in Schleswig-Holstein nachgewiesen. "Die Situation ist besorgniserregend", sagte der dortige Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). "Wir können nach wie vor nur hoffen, dass dies ein Einzelfall ist." Alle 30.000 Tiere des Hofes im kleinen Ort Grumby würden getötet, am Sonntag werde damit begonnen.

Die ersten Ausbrüche bei Hausgeflügel waren am Freitag bei zwei weitaus kleineren Höfen im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern und in Lübeck-Ivendorf in Schleswig-Holstein gemeldet worden.

Stallpflicht, wo die Gefahr am größten ist

Angesichts der Ausbreitung der Vogelgrippe berief Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) den Zentralen Krisenstab Tierseuchen ein. In einer ersten Sitzung wurde ein bundesweit einheitliches Vorgehen zum Schutz vor der Geflügelpest beschlossen. Es solle überall dort die Stallpflicht für Geflügel angeordnet werden, wo die Wahrscheinlichkeit eines Eintrages der hochansteckenden H5N8-Variante hoch sei, teilte das Ministerium mit.

Das seien "insbesondere Feuchtgebiete, Rastgebiete von Zug- und Wildvögeln, aber auch Gebiete mit einer hohen regionalen Dichte von Geflügelbetrieben." Einig waren sich Bund und Länder auch, dass Hygieneregeln und andere Maßnahmen in allen Geflügelbetrieben verstärkt werden müssen. 

Schneller sein als das Virus

Dem Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) wäre eine bundesweite Stallpflicht für Geflügel am liebsten. "Wir müssen schneller sein als sich das Virus ausbreitet", hatte ZDG-Vizepräsident Friedrich Otto Ripke erklärt. Wie der Erreger in den von der Außenwelt abgeschotteten Bestand in Grumby gelangen konnte, ist noch unklar. Es gebe jede Menge Spekulationen, sagte Minister Habeck. "Aber die helfen nicht an dieser Stelle."

Deutschland Vogelgrippe (dpa)

Massentierhaltung ist gerade in der Geflügelzucht weit verbreitet

Erstmals war die H5N8-Variante der aktuellen Epidemie in Deutschland am 8. November bei verendeten Wasservögeln in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Verendete Wildvögel wurden seither auch in Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Die Behörden vieler Bundesländer reagierten mit Stallpflicht-Zonen vor allem in der Nähe von Seen und Flüssen. Damit soll eine Ansteckung über Kot oder verunreinigtes Wasser verhindert werden.

Es trifft nicht nur Deutschland

Betroffen von dem neuen Ausbruch des Virus ist nicht nur Deutschland. Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpest-Nachweise bei Wildvögeln oder in Geflügelbeständen gemeldet -  so zum Beispiel aus Österreich, der Schweiz, Dänemark, Ungarn und Polen.  Der Erreger gilt als ungefährlich für Menschen, ist aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel.

Allerdings: Bestimmte Vogelgrippestämme können auch bei Menschen zu schweren Erkrankungen führen - vor allem der gefürchtete Subtyp H5N1, durch den schon mehr als 400 Menschen starben, aber auch der Typ H7N9. Nach dem bisherigen Kenntnisstand gehört H5N8 aber nicht zu den für den Menschen gefährlichen Stämmen des Vogelgrippevirus.

haz/cr (dpa, afp)