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Hintergrund

"Viele Leute haben Angst vor Google"

Google habe sein positives Image längst verloren und wurde zur zweiten großen Internet-Krake, meint Medien-Experte Marcel Machill. Wie der Kampf gegen Microsoft enden könnte, sei aber noch völlig offen. Ein Interview.

Microsoft Windows Google Symbolbild

Microsoft und Google liefern sich ein spannendes Rennen um die Vorherrschaft im Internet

DW-WORLD.DE: Microsoft war viele Jahre Alleinherrscher in der Computer- und Internet-Welt: mit Betriebssystemen, Bürosoftware, Internetbrowser. Google ist in diese Märkte vorgestoßen und wir sehen einen Kampf der IT-Giganten. Wer wird den für sich entscheiden?

Marcel Machill

Marcel Machill ist Professor für Journalistik mit dem Schwerpunkt internationale Mediensysteme

Marcel Machill: Derjenige wird diesen Kampf für sich entscheiden, der auf lange Sicht über die bessere Suchmaschinen-Technologie verfügt. Microsoft hat den Suchmaschinen-Markt etwas verschlafen. Google hat sich mit einer überragenden Technologie diese Dominanz im Suchmaschinenbereich erobert. Gleichzeitig ist es aber interessant zu sehen, in welcher rasenden Geschwindigkeit das Image Googles sich von der freundlichen, transparenten Suchmaschine gewandelt hat zu der neuen Krake im Internet, die alle möglichen Bereiche aufkauft und noch dazu einen wichtigen Bereich, nämlich den der Suche dominiert. Das ist schon sehr erstaunlich, wie sich das gewandelt hat. Mittlerweile haben viele Leute Angst vor Google, vor dieser Markdominanz. Und niemand spricht mehr über die Monopol-Stellung von Microsoft, die es ja auch immer noch gerade im Bereich der Betriebssysteme gibt.

Tim O'Reilly hat unlängst in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen" gesagt: Das Microsoft-Zeitalter liegt hinter uns, wir erleben jetzt das Google-Zeitalter. Hat er Recht? Was sagen Sie dazu?

Im Moment sieht das ganz so aus. Aber man könnte salopp sagen: Es ist noch nicht aller Tage Abend. Wir haben gesehen, dass Google sich mit einer neuen Suchmaschinen-Technologie - dem Page-Rank-Verfahren - den ersten Platz im Suchmaschinen-Markt erobert hat. Jetzt sind aber die Verfolger aufgewacht. Als erster ist damals Yahoo aufgewacht. Yahoo hatte bis 2003 noch eine enge Kooperation mit Google. Das hat Yahoo 2003 aufgekündigt und hat seitdem massiv in eigene Suchmaschinen-Technologie investiert. Auch Microsoft hat in eigene Suchmaschinen-Technologie massiv investiert. Und dies sind jetzt die beiden großen Verfolger.

Wie geht es jetzt weiter?

Passanten gehen vorbei am Hauptgebaeude des Suchmaschinenunternehmens Google in Mountain View im US-Bundestaat Kalifornien. (AP Photo/Paul Sakuma)

Eingang zum Google-Hauptsitz in Mountain View, Kalifornien

Eventuell könnte der frühe Erfolg Google zum Verhängnis werden. Denn dadurch, dass Google derzeit die unangefochtene Nummer Eins der Suchmaschinen ist, wird Google auch zuerst Opfer von Manipulationen in diesem Bereich. Die Suchmaschinen sind ja nicht immer so schön neutral und liefern immer das Relevante, was wir uns wünschen. Weil Google so stark ist und von allen benutzt wird, springen die so genannten Search Engine Optimizer - die SEOs - gerne auf und manipulieren die Rankings. Also ist Google das erste Opfer, weil es so wichtig ist. Und deshalb werden die Ranking Listen von Google schlechter. Wenn man vergleicht mit Yahoo und Microsoft, kann es sein, dass der Zweite oder Dritte bessere Ergebnisse liefert - also weniger manipulierte und weniger von Spam durchsetzte Ergebnisse - als Google. Deshalb kann man noch nicht genau sagen, wie sich das die nächsten zwei oder drei Jahre weiter entwickelt.

Lesen Sie weiter: Kann Google mit immer neuen Anwendungen dem Office-Paket von Microsoft Konkurrenz machen?

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