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Deutschland

Viele freiwillige Helfer im Hochwassergebiet

Wie viele Städte an der Elbe kämpft auch Wittenberg in Sachsen-Anhalt gegen das Hochwasser. Dabei kann die Feuerwehr auf zahlreiche freiwillige Helfer setzen. Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist gewaltig.

Von schlechter Laune oder Angst ist in der Menschenkette am Elbufer in Wittenberg in Sachsen-Anhalt nichts zu spüren. Frauen und Männer, Jung und Alt stapeln Sandsäcke zu einem kleinen Damm. Bei Sonnenschein und einem strahlend blauen Himmel wirkt das Ganze sehr entspannt und wenig bedrohlich. Doch die Elbe ist im Stadtteil Kleinwittenberg dem Ufer schon bedrohlich nahegekommen, und das ist von keinem Deich geschützt. Lediglich eine schmale Straße trennt die ersten Häuser von der Elbe, die stündlich breiter wird. Es gilt, einen Damm aus Sandsäcken zu errichten.

Elbe-Hochwasser in Wittenberg Bild: Christian Werner 07.06..2013

Die Elbe ist in Wittenberg über die Ufer getreten

Oliver Neubauer von der Freiwilligen Feuerwehr leitet den Einsatz vor Ort. Sein wettergegerbtes Gesicht hat seit ein paar Tagen keinen Rasierapparat mehr gesehen. Er sieht verschwitzt und abgearbeitet aus. Kein Wunder - beim Wettlauf gegen das Wasser gönnen sich Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und freiwillige Helfer nicht allzu viele Pausen. Sie wollen diesen Wettlauf um jeden Preis gewinnen. Neubauer ist froh, dass viele Einwohner den Einsatzkräften unter die Arme greifen: "Die Einsatzbereitschaft der Wittenberger Bürger ist erstaunlicherweise wieder sehr gut, genauso wie 2002." Damals hatte das Jahrhunderthochwasser in der Stadt große Schäden angerichtet.

Den Einsatz der Helfer organisiert die Feuerwehr. Sie hat den Überblick, wo dringend zupackende Hände benötigt werden und wo eher nicht. Dadurch soll vermieden werden, dass es zu Engpässen oder zu einem Überschuss an Helfern kommt.

Viele Menschen spenden Essen und Trinken

Unter den Freiwilligen sind auch Jugendliche. Drei 15-jährige Jungen haben sich in Kleinwittenberg an der Elbe eingefunden und packen mit zu. "Wir machen das einfach, weil wir einmal heute schulfrei haben und dann hatten wir einfach Lust, helfen zu gehen", erzählt einer von ihnen.

Elbe-Hochwasser in Wittenberg Verpflegung der freiwilligen Helfer Bild: Christian Werner 07.06..2013

Viele Helfer schleppen nicht nur Sandsäcke, sondern bringen auch Verpflegung

Auch die Versorgung läuft über Freiwillige. Wittenberger bringen belegte Brote, Kuchen, Kaffee oder kalte Getränke zu den Helfern an der Elbe, die bei den sommerlichen Temperaturen schnell ins Schwitzen geraten. Ein Eiscafé hat einen Wagen vorbei geschickt und bietet kostenfrei Eis an. Nur für Helfer, wie ein Pappschild an dem Eiswagen verrät. Restaurants und Kneipen kochen Essen und versorgen die Arbeiter. Eine junge Frau mit Strohhut betreut mehrere Tische, die vollgepackt sind mit Essen. Daneben steht ein Grill mit Bratwürsten. Sie berichtet: "Wir hatten gestern den Auftrag, 150 zu versorgen, und die sind alle satt geworden. Abends war noch was übrig, das haben wir dann über die Elbe nach Pratau gebracht, die Feuerwehrleute haben sich gefreut, dass sie noch abends frischen Kaffee gekriegt haben."

Unternehmen stellen Mitarbeiter für Hochwasserhilfe frei

Im Wittenberger Rathaus lobt Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) die Einsatzbereitschaft der Bürger. Momentan sei es sogar so, dass keine weiteren Freiwilligen mehr benötigt werden, was nicht überall auf Verständnis stößt. "Es gibt auch ein Problem, wenn Hilfe angeboten wird und man kann Hilfe nicht wirklich sinnvoll einsetzen", sagt er. Dann schlage die Stimmung ins Gegenteil und schaffe Frust aufseiten der Helfer und derjenigen, die die Hilfe koordinierten. Deswegen entscheidet die Feuerwehr, wo wie viele Helfer benötigt werden. Busshuttles sind unterwegs, um die Freiwilligen zu ihren Einsatzorten zu bringen.

Elbe-Hochwasser in Wittenberg Helfer in Wittenberg beim Bauen eines Schutzwalls aus Sandsäcken. , Bild: Christian Werner 07.06..2013

Inzwischen hat Wittenberg genug Helfer, weil so viele mit anpacken

Sollte der Bedarf an Hilfskräften wieder steigen, würde die Stadt auch wieder einen Aufruf starten. Derweil stellen viele Wittenberger Unternehmen ihre Mitarbeiter frei, damit sie an den Deichen und Dämmen mit anpacken können. So auch eine Firma für Korrosionsschutz. Geschäftsführerin Doris Namislo erzählt: "Auch Wittenberger Mitarbeiter, die nicht betroffen sind, haben gesagt, sie wollen helfen." Einige hätten gefragt, ob sie einen Transporter bekommen könnten, damit es bei den Sandsäcken keinen Leerlauf gebe. Die Sandsäcke werden in einer Kiesgrube abgefüllt. Dort sind ebenfalls zahlreiche Freiwillige am Werk. Unternehmen stellen Firmenfahrzeuge zur Verfügung, um möglichst viele Sandsäcke möglichst schnell dorthin zu bekommen, wo sie gebraucht werden.

Bisher ist in Wittenberg von Angst oder Panik keine Spur. Die meisten Einwohner und auch Oberbürgermeister Eckhard Naumann hoffen, dass Vorkehrungen ausreichen werden. "Die Deiche sind saniert, wir haben professionell agierende Leute. Die Schwachstellen sind analysiert und bekannt", sagt er.

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