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Digitales Leben

#Hochwasser - Social Web im Katastrophenfall

Während die Flüsse in Süd- und Ostdeutschland ganze Landstriche überfluten und Strom- und Telefonleitungen gekappt werden, läuft die mobile Kommunikation weiter. Diese Möglichkeit wird nicht nur von Betroffenen genutzt.

Der überflutete Dresdner Stadtteil Gohlis (Sachsen) am 05.06.2013. (Foto: Matthias Hiekel/dpa pixel)

Hochwasser im Dresdner Stadtteil Gohlis

"Suche möglichst zentrumsnah Duschgelegenheit...wäre klasse nach einem Tag im Schlamm :-)...", lautet eine Anzeige im Hochwasser-Hilfe-Netzwerk. Die Seite vermittelt Helfer und Hilfesuchende in den Hochwassergebieten in Ost- und Süddeutschland.

Bei Twitter steht der Hashtag #Hochwasser unter den Top Trends, bei Facebook haben sich spontan Gruppen gebildet; Leute aus den betroffenen Gebieten vernetzen sich, um gegenseitig Hilfe zu organisieren: Transport, Lebensmittelversorgung, medizinische Hilfe und Informationen zu Pegelständen. Sie bieten Unterkunft oder Sachspenden an, auch Unterstützung beim Aufräumen nach der Flut.

Die Bilder gleichen sich mit denen aus den Jahren 2002, 2006, 2010. Wieder wird es "Jahrhunderthochwasser" genannt. Aber etwas hat sich dennoch geändert: Die Informationen verbreiten sich viel schneller als beispielsweise beim Elbhochwasser 2002. Dafür sorgen das Internet, die sozialen Medien sowie die mobile Kommunikationstechnik.

Dresden: Menschen schichten Sandsäcke auf (Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images)

In Dresden packen alle mit an um die Stadt vor den Fluten zu schützen

Auch wenn Fernsehteams ihre Reporter und Kameras ins Katastrophengebiet geschickt haben, greifen die TV-Sender, egal ob private oder öffentlich-rechtliche, auch auf Videos zurück, die von Privatleuten ins Netz gestellt wurden. Aufgenommen mit Handys, verwackelt, mit schlechtem Ton. Das Netz ist schneller als ein Ü-Wagen, und es ist näher dran am Menschen.

Bürger als Sensoren

Zunehmend interessant sind die sozialen Netzwerke auch für den Katastrophenschutz. "Es ist ein neuer Infokanal, der, gerade um junge Menschen zu erreichen, zunehmend an Bedeutung gewinnt. Und die Behörden müssen sich darauf einstellen, das auch zu nutzen", sagt der Vizepräsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Ralph Tiesler im Gespräch mit der Deutschen Welle. Dies sei eine Möglichkeit zur direkten Kommunikation mit den Bürgern, die ausgebaut werden muss, in beide Richtungen. Wichtig sei es einerseits für die Aufklärung der Bevölkerung im Katastrophenfall: "Wir müssen selber im Netz präsent sein. Um auch zu verhindern, dass Falschmeldungen in Umlauf geraten", erklärt Tiesler.

Andererseits können die sozialen Netzwerke wertvolle Informationen für Katastrophenhelfer liefern. Um Twittermeldungen oder Youtube-Videos richtig einordnen zu können, ist allerdings viel Personal erforderlich. "Das ist ein hoher redaktioneller Aufwand", so Tiesler. Gerade im aktuellen Fall sei es schwierig, die Menge an Informationen richtig auszuwerten. "Wir können jedoch jetzt schon den Bürger als Sensor nutzen, denn die Informationen der Menschen vor Ort sind meist noch genauer als zum Beispiel Luftaufnahmen." So könnten auch lokale Meldungen von Bürgern mit den Wetter-, Pegel- oder Schadensprognosen abgeglichen werden, was den Helfern ein genaueres Bild über die Situation verschaffen kann.

Mittlerweile gibt es Forschungsprojekte, die sich damit beschäftigen, wie man Informationen aus den sozialen Netzwerken mit elektronischer Hilfe auswerten kann, indem man zum Beispiel Tweets nach bestimmten Schlüsselwörtern absucht. Das aber, so Ralph Tiesler, sei alles noch in der Entwicklung.

Bilder von 2002

Rettungskräfte bergen in der überfluteten Innenstadt von Passau (Bayern) einen Mann. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby)

Eine Rettungsaktion in der überfluteten Innenstadt von Passau

Vor Ort allerdings, wo Bevölkerung und Hilfskräfte Tag und Nacht gegen das Wasser kämpfen, kann man nicht sehr viel mit den Informationen aus den Netzwerken anfangen. Wolfgang Brandt, Sprecher der Koordinierungsstelle Krisenmanagement in Brandenburg, sieht keinen Nutzen darin und schwört auf die verbale Kommunikation zwischen den Menschen: "Jeder kennt hier jeden. Die Leute reden miteinander und geben alle wichtigen Informationen schnell an die zuständigen Stellen weiter."

Für Frank Villmow vom DLRG Lagezentrum im niedersächsischen Bad Nenndorf sind die Meldungen im Netz nicht immer sicher. "Wir beobachten das zwar und in Einzelfällen können wir auch reagieren. Man muss jedoch abwägen, ob man den Informationen trauen kann oder nicht." So passiere es durchaus, dass auch Bilder aus dem Jahr 2002 eingestellt werden. "Das ist ein offenes Netz, wo jeder etwas reinstellen kann." Zeit, um die Meldungen aus dem Netz auf ihre Echtheit zu überprüfen, haben die Menschen in den Hochwassergebieten nicht.

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