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Asien

Verwirrung um Strahlenbelastung in Fukushima

Um die aktuelle Strahlenbelastung im beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima gibt es Irritation. Die Betreiberfirma stellte ihre eigenen Angaben zur Stärke der Radioaktivität in Block 2 des Kraftwerks infrage.

Beschädigtes Atomkraftwerk Fukushima (Foto: dapd)

Bei der Berechnung der Zahlenwerte habe es möglicherweise Fehler gegeben, sagte ein Sprecher des Atomkonzerns Tepco am Sonntag (27.03.2011). Zuvor hatte das Unternehmen mitgeteilt, das Wasser im Reaktor zwei sei zehn Millionen Mal höher belastet als normal. Mitarbeiter, die die Messungen vornahmen, flohen aus dem betroffenen Reaktor, bevor eine zweite Messung abgeschlossen war.

Tepco räumte allerdings ein, dass sich in allen vier Reaktoren kontaminiertes Wasser befindet. Wo es herstamme, sei unklar.

Grundwasser in Gefahr

Zerstörtes Reaktorgebäude (Foto: AP)

Eines der zerstörten Reaktorgebäude

Bereits zuvor hatte die Reaktorsicherheitsbehörde NISA in dem Wasser an Reaktor 2 eine hohe Konzentration des Isotops Jod-134 festgestellt, was auf einen Schaden am Reaktorkern hinweisen könnte. Regierungssprecher Yukio Edano sagte im japanischen Fernsehen, das kontaminierte Wasser stamme "fast zweifellos" aus einem Reaktorkern. Sollte tatsächlich der Kern betroffen sein, könnte die Radioaktivität in der Umgebung von Fukushima deutlich steigen. Die wahrscheinlichste Folge wäre eine Kontamination des Grundwassers.

Auch das Meer um das Atomkraftwerk wird immer stärker radioaktiv verseucht. Bei jüngsten Messungen übertraf die Strahlung den zulässigen Grenzwert bereits um das 1850-fache. Viele Experten gehen jedoch davon aus, dass sich die Konzentration der radioaktiven Substanzen im Meer schnell verdünnt, so dass derzeit keine größere Gefahr für Mensch und Umwelt bestehe.

Süß- statt Salzwasser

Der AKW-Betreiber Tepco bemüht sich inzwischen darum, mehr und mehr Süßwasser in die Reaktoren und Becken mit abgebrannten Brennstäben zu pumpen. Zunächst wurde zur Kühlung Meerwasser eingesetzt. Fachleute befürchten aber, dass verdampfendes Meerwasser Salzkrusten zurücklässt. Sie könnten sich etwa zwischen den heißen Brennstäben festsetzen und den Fluss des kühlenden Wassers behindern.

AKW Fukushima Daiichi (Foto: dpa)

Vor der Havarie: Im Vordergrund die Reaktorblöcke 1 bis 4, im Hintergrund die Blöcke 5 und 6

Das radioaktive Wasser, das in den Turbinen-Gebäuden der Reaktorblöcke von Fukushima I steht, hat bereits mehrere Arbeiter verstrahlt. Tepco räumte ein, dass drei am dritten Reaktorblock verstrahlte Arbeiter nicht vor dem radioaktiven Wasser im Turbinen-Gebäude gewarnt worden waren. "Wenn der Informationsaustausch ordentlich funktioniert hätte, wäre der Zwischenfall möglicherweise verhindert worden", sagte ein Tepco-Manager.

Die Turbinen-Räume schließen direkt an die Reaktorblöcke an. In ihnen stehen die großen Stromgeneratoren, deren Rotorblätter im Normalfall von dem am Reaktor aufgeheizten Dampf in Schwung gebracht werden. Das verseuchte Wasser soll vorerst in den großen Kondensationsbecken gesammelt werden, in denen normalerweise der Dampf abgekühlt wird.

Autor: Hajo Felten (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Herbert Peckmann

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