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Wissen & Umwelt

Der schleichende Tod durch Verstrahlung

Erdbeben und Tsunami in Japan haben nicht nur Tausende getötet, verletzt und obdachlos gemacht - weiteres Unheil lauert jetzt in den beschädigten Atomkraftwerken: radioaktive Strahlung - die unsichtbare Gefahr.

Ein Mann in einem weißen Schutzanzug mit einer Atemmaske steht vor dem schwarz-gelben Symbol für radioaktive Strahlung (Foto: AP)

Höchste Gefahrenstufe, wenn Radioaktivität im Spiel ist

Man sieht sie nicht, man schmeckt sie nicht, man riecht sie nicht. Aber sie kann tödlich sein: Radioaktivität. Sie gelangt durch Einatmen in den Körper oder wird von der Haut aufgenommen.

Schilddrüsenkrebs, Tumore, Akute Leukämie, Augenerkrankungen, psychische Störungen bis hin zu Schädigungen des Erbgutes sind nur einige der schlimmsten gesundheitlichen Folgen, die eine hohe Strahlenbelastung beim Menschen verursachen kann. Ist der Körper einer massiven Strahlendosis innerhalb kürzester Zeit ausgesetzt, dann führt das binnen weniger Stunden oder Tage zum Tod.

Belastung durch Jod

Tonne mit dem schwarz-gelben Zeichen für Radioaktives Material (Foto: picture-alliance/dpa)

Gefährlicher Inhalt für Jahrzehnte - radioaktives Material

Eine der Krankheiten, die nach einem atomaren Unfall auftreten, ist Schilddrüsenkrebs. Verantwortlich dafür sind die radioaktiven Isotope von Jod 131 und Jod 133. Sie sind vor allem in den ersten Tagen nach einem atomaren Unfall wesentlich für die Strahlenbelastung. Um ihr vorzubeugen, verabreichen Ärzte betroffenen Patienten in der Regel Jod.

Eine hohe Dosis an Jod verhindert nämlich, dass sich gefährliches, kontaminiertes Jod in den körpereigenen Zellen festsetzt. Der Körper wird quasi mit dem Stoff überschwemmt, damit das überschüssige und verseuchte Jod ausgeschieden wird. Jodhaltige Arzneimittel verteilt die japanische Regierung nun auch im unmittelbaren Umfeld der Atomkraftwerke. Die schützende Wirkung dieser Maßnahme hält aber lediglich einige Tage an und hilft nur denjenigen, die noch nicht kontaminiert sind.

Cäsium und Strontium

Gefährliche Bestandteile radioaktiver Strahlung sind auch die Radionukleide Strontium 90 und Cäsium 137. Sie lagern sich im Knochengewebe ab, was auch zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Der Körper verwechselt diese Substanzen mit Calcium und baut die gefährlichen Stoffe in die physiologischen Prozesse im Muskel- und Knochengewebe ein. Das Knochenmark aber ist dafür zuständig, neue Blutköperchen zu bilden, und dieser Prozess kann durch die ionisierende Strahlung außer Kontrolle geraten. Dann kommt es zur gefürchteten und oft tödlich endenden Leukämie, dem Blutkrebs.

Schädigungen des Erbgutes

Auch massive Schädigungen des Erbgutes kann radioaktive Strahlung verursachen, so wie es der Fall war nach den Atombombenabwürfen am Ende des Zweiten Weltkrieges über den japanischen Städten Nagasaki und Hiroshima. Kinder mit schrecklichen Missbildungen wurden geboren.

Eine Bergungsmannschaft bei Aufräumarbeiten während der Nachtschicht im beschädigten Atomkraftwerk in Tschernobyl 1986 (Foto: picture-alliance/dpa)

Tschernobyl: Bislang das schwerste Reaktorunglück 1986

Und auch bei einer Katastrophe wie im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl im April 1986 sind die Spätfolgen unübersehbar. 20 Jahre nach dem Unfall ist die Krebsrate in den meisten betroffenen Regionen um 40 Prozent angestiegen. Und Schätzungen zufolge starben allein in Russland 25.000 Menschen, die bei den Aufräumarbeiten am Reaktor mitgearbeitet haben.

Kaum Behandlungsmöglichkeiten

Bei einer Verstrahlung gibt es kaum Abhilfe. Entscheidend aber ist, ob es sich um eine Kontamination handelt oder aber um eine Inkorporation. Bei einer Kontamination lagern sich radioaktive Stoffe auf der Körperoberfläche ab. Es klingt banal, aber in solchen Fällen versucht man, diese Stoffe mit normalem Wasser und mit Seifenschaum abzuwaschen. Eine Inkorporation hingegen ist wesentlich riskanter, denn dabei gelangen die gefährlichen Stoffe direkt in den Körper, und es gibt kaum Möglichkeiten, sie auszuschwemmen.

Intensität und Zeit sind ausschlaggebend

Ein Geigerzähler zeigt die von einem Castor-Behälter ausgehende radioaktive Strahlung an (Foto: picture-alliance/dpa)

Mit einem Geigerzähler kann man radioaktive Strahlung messen

Gemessen wird die Radioaktivität in Millisievert. Bei einer Belastung von 250 Millisievert oder 0,25 Sievert über einen kurzen Zeitraum kann bereits eine Strahlenkrankheit auftreten.

Die durchschnittliche Belastung aus der Umwelt beträgt nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) derzeit etwa 2,1 Millisievert. Dieser Wert bezieht sich aber auf ein Jahr. Bei 4000 Millisievert oder vier Sievert beginnt die sogenannte akute Strahlenbelastung. Die Sterblichkeit erhöht sich enorm. Ab sechs Sievert beträgt sie 100 Prozent. Der Betroffene hat keine Chance - diese Belastung führt unmittelbar zum Tod.

Autorin: Gudrun Heise
Redaktion: Nicole Scherschun

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