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Aktuell Afrika

Verunsicherung nach Ebola-Fall in Spanien

Der Fall einer mit Ebola infizierten Krankenschwester in Spanien wird auch in Deutschland aufmerksam beobachtet. Madrid will die Ausbreitung unbedingt verhindern, aber ausschließen lässt sie sich nicht.

Nachdem am Montag in Spanien die europaweit erste Ebola-Ansteckung gemeldet wurde, sind jetzt vier weitere Patienten im Zusammenhang mit der Epidemie in Behandlung. In der Madrider Fachklinik befinden sich nun neben der an Ebola erkrankten Pflegehelferin und ihrem Ehemann eine weitere Pflegehelferin, eine Krankenschwester der Intensivstation und ein Ingenieur, der aus Nigeria nach Spanien zurückgekehrt war.

Spanien will die weitere Ausbreitung des lebensgefährlichen Virus unbedingt verhindern, doch weitere Infektionen konnten die Gesundheitsbehörden am Dienstag nicht grundsätzlich ausschließen. Die infizierte Pflegerin hatte seit ihrer Erkrankung mit rund 30 Ärzten und Pflegekräften sowie 22 Personen aus ihrem privaten Umfeld Kontakt. Sie alle wurden unter Beobachtung gestellt.

Der Zustand der Frau sei indes weiter stabil, erklärten die Mediziner. Sie hatte nach Angaben der Behörden bereits seit einer Woche leichtes Fieber. Dem sei aber von Seiten der Ärzte zunächst keine Bedeutung beigemessen worden.

Frankfurter Klinikpersonal beunruhigt

Die Infektion der Krankenschwester wird nach Überzeugung eines führenden Experten aber keine Epidemie zur Folge haben. Ein solcher Fall sei zu erwarten gewesen, erklärte Peter Piot von der London School of Hygiene and Tropical Medicine am Dienstag. "Die Behandlung von Ebolapatienten ist riskant, und gerade medizinisches Personal kann sich leicht infizieren."

In Deutschland wird der Fall dennoch mit großer Aufmerksamkeit beobachtet, zumal an der Frankfurter Uniklinik seit Freitag ebenfalls ein Ebola-Patient behandelt wird. Der Arzt aus Uganda hatte sich in Sierra Leone bei seinem Einsatz für eine Hilfsorganisation mit dem Virus angesteckt.

Bisher habe man bei der Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen aber kein Leck festgestellt, erklärte Hans-Reinhard Brodt, der die Infektiologie leitet. Noch fehlen Informationen darüber, wie es in Spanien zu der Ansteckung kommen konnte. Diese Unsicherheit beunruhige sein Personal, fügte Brodt hinzu.

EU richtet Luftbrücke nach Westafrika ein

Unterdessen hat die Europäische Union angekündet, eine Luftbrücke in die von der Ebola-Epidemie betroffenen Länder in Westafrika einzurichten. Mit rund einer Million Euro sollen Flüge nach Sierra Leone, Liberia und Guinea finanziert werden. Die erste von drei Großraummaschinen werde am Freitag rund 100 Tonnen Hilfsgüter von Amsterdam nach Sierra Leone bringen.

Auch in Deutschland werden Hilfsmaßnahmen in die Wege geleitet. Angesichts der anhaltenden Verbreitung von Ebola hat die Bundesregierung eine Anlaufstelle für medizinische Großspenden aus der Gesundheitswirtschaft eingerichtet. Ab sofort können Unternehmen medizinische Hilfsgüter beim Technischen Hilfswerk abgeben.

Von der Leyen muss Versprechen zurücknehmen

Zusätzlich laufen die Vorbereitungen für die Bundeswehr-Hilfsmission auf Hochtouren. Rund 3000 Soldaten und Zivilisten haben sich freiwillig für Hilfseinsätze gemeldet. Die Auswahl der Kandidaten sei noch nicht abgeschlossen, aber spätestens in zwei Wochen sollen die Schulungen in Hamburg beginnen, erklärte ein Bundeswehr-Sprecher.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen musste indes eingestehen, dass Soldaten und freiwillige Helfer im Notfall doch nicht ausgeflogen würden. Dies war von ihr am 22. September versprochen worden. Wie "Spiegel Online" berichtet, gestand Verteidigungsstaatssekretär Markus Grübel ein, die Bundeswehr verfüge nicht über eigene Lufttransportmittel, mit denen die Ebola-Patienten transportiert werden könnten.

Bei der Ebola-Epidemie sind in den am meisten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone in den vergangenen Monaten mehr als 3400 Menschen gestorben. Täglich werden neue Infektionen und Todesfälle bekannt.

djo/mak (afp, dpa, kna)