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Wissen & Umwelt

Als Helfer im Ebola-Gebiet Liberia

Sie sind bei Erdbeben vor Ort, bei Explosionen und Flutkatastrophen oder etwa beim Cholera-Ausbruch auf Haiti 2010. Ohne freiwillige Helfer geht nichts. Auch im Kampf gegen Ebola ist jeder von ihnen unersetzlich.

Seit 30 Jahren arbeitet Thomas Laackmann für die

Hilfsorganisation I.S.A.R.

. Weltweit werden die Rettungsspezialisten dieser Nichtregierungsorganisation bei Katastrophen angefordert. Nach zwölf Tagen in Liberia sind Einsatzleiter Laackmann und zwei weitere Helfer Ende September nach Deutschland zurückgekehrt. In Liberia hat I.S.A.R in Zusammenarbeit mit dem Partner

action medeor

zwei Isolierstationen eingerichtet. So hat er die Zeit in Liberia erlebt:

Zur Person:

  • Name: Thomas Laackmann
  • Alter: 49 Jahre
  • Beruf: Krankenpfleger
  • Mitarbeiter der Hilfsorganisation I.S.A.R (International Search and Rescue)
  • Letzter Einsatzort: Liberia
  • Was ihn antreibt: "Wenn man in seinem zivilisierten Land lebt und weiß, dass man wirklich mit vielen, vielen Kleinigkeiten Leuten helfen kann, dann ist das eine enorme Motivation."

Trotz all seiner Erfahrung war die Arbeit im Ebola-Gebiet doch eine ganz andere und besondere Herausforderung, erzählt Laackmann: " Wenn I.S.A.R. zu einem Erdbeben fährt, dann haben wir eine Zerstörung, die man auch einschätzen kann. Ebola ist natürlich eine ganz andere Gefahr. Die Gefahr ist nicht sichtbar, aber ständig da." Es sei wichtig, das immer im Hinterkopf zu haben genauso wie die Hygienemaßnahmen.

Aufbau einer Isolierstation in Afrika (Foto: I.S.A.R. GERMANY).

Beim Aufbau einer Isolierstation muss jeder mit anfassen

Mehr Isolierstationen werden benötigt

Die Aufgabe des kleinen Teams war es, zwei Isolierstationen aufzubauen und die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen. "Wir mussten dafür sorgen, dass beispielsweise der Boden begradigt wurde, wir mussten Generatoren besorgen, damit es Strom gab, uns um Wasseranschlüsse kümmern, um die komplette Infrastruktur."

Insgesamt 44 Betten in zwei Isolierstationen haben sie aufgebaut, direkt neben einer schon bestehenden mit 50 Betten. Die sei mit 85 Menschen hoffnungslos überbelegt gewesen, erzählt Laackmann. "Die Patienten mussten auf dem Boden liegen, sie haben keinen Platz mehr gefunden. Da gibt es ganz dringenden Handlungsbedarf."

Katastrophenhelfer - wie Thomas Laackmann - sind an schlimme Situationen und an Elend gewöhnt und auch daran, überall mit anfassen zu müssen. In Liberia kam es nicht nur auf seine medizinischen Kenntnisse als Krankenpfleger an. Jedem Helfer müsse sehr bewusst sein, um welche Art Einsatz es sich handelt und sich so gut wie möglich darauf vorbereiten, sich aber auch darüber im klaren sein, dass sich nicht alles planen lässt. "Ich denke, jeder Einsatz ändert einen ein Stück weit, aber man muss professionell sein und sich sagen: Ich habe einen Auftrag, den muss ich durchführen. Dass nichts zu nah an einen herantritt, das ist einfach nur Professionalität."

Bilder, die bleiben

Ebola (Foto: I.S.A.R. GERMANY)

Viele Kinder haben ihre Eltern durch Ebola verloren

Trotz seiner großen Erfahrung gibt es auch für Thomas Laackmann immer wieder Situationen, die ihn nicht unberührt lassen. Da gebe es zum Beispiel die Geschichte von dem Vater, der mit seiner kleinen Tochter von etwa sieben oder acht Jahren, mit einem Taxi vor einer Isolierungsstation vorfährt, erzählt er. Der Vater war offensichtlich an Ebola erkrankt und wurde aufgenommen. "Das Mädel stand dann vor dieser Station. Sie war Gott sei dank nicht erkrankt. Sie wurde von den Helfern desinfiziert - gut abgewaschen also - und bekam dann ein neues Kleidchen an. Da stand sie dann und wusste nicht, wie sie jetzt nach Hause kommen sollte. Wir konnten uns dann mithilfe eines lokalen Mitarbeiters um das Kind kümmern." Sie hätten dem Mädchen Geld für ein Taxi gegeben, damit sie nach Hause fahren konnte. "Ich denke, dass das Kind nach diesem Ereignis ziemlich traumatisiert gewesen ist." Ein Bild, das ihm im Kopf geblieben ist.

Strenge Untersuchungen

Dass er sich mit Ebola infiziert haben könnte, hält Laackmann für so gut wie ausgeschlossen. Vor dem Abflug seien er und die beiden anderen Helfer in Monrovia gründlich untersucht worden, dann nochmal in Casablanca und in Deutschland habe sie ein Arzt von I.S.A.R. gründlich durchgecheckt. Fünfmal täglich messen die drei Fieber. Denn das kann ein Zeichen für eine Infektion sein. Aber es ist alles in Ordnung.

Seine Frau sei an diese Einsätze gewöhnt, so Laackmann. Sie habe damit gerechnet, dass er irgendwann auch ins Ebola-Gebiet fliegen würde. "Wir sind sehr gut geschult, wir wissen, wie wir uns schützen können, und von daher hatte ich auch keine Angst, aber Respekt wie eigentlich vor jedem Einsatz. Angst ist ein falscher Begleiter."

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