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Südafrika und die Apartheid

Verteidiger Nelson Mandelas gestorben

Er war einer der bedeutendsten Strafverteidiger in der Geschichte Südafrikas. Nun ist der südafrikanisch-britische Menschenrechtsanwalt Joel Joffe (Artikelbild) im Alter von 85 Jahren verstorben.

Als einer der Strafverteidiger des späteren südafrikanischen Präsidenten und Nationalhelden Nelson Mandela im so genannten Rivonia-Prozess legte sich Joffe offen mit der damaligen Apartheid-Regierung an. Der Prozess wurde nach einem Johannesburger Vorort benannt, in dem Mandela und seine Mitstreiter verhaftet wurden.

Joffe starb bereits am 18. Juni im Alter von 85 Jahren in London, wie die Hilfsorganisation Oxfam und die Nelson-Mandela-Stiftung mitteilten. In seiner Autobiografie hatte Mandela den Anwalt als "General hinter den Kulissen" in seinem Verteidigerteam gewürdigt.

Zentrale Rolle

Joffe wurde am 12. Mai 1932 als Sohn jüdischer Eltern in Johannesburg geboren. Er studierte Wirtschaft und Jura an der Witwatersrand-Universität und arbeitete nach seinem Abschluss 1955 als Anwalt.

1963 und 1964 spielte er im Rivonia-Prozess eine zentrale Rolle im Verteidigerteam von Mandela und mehreren anderen Widerstandskämpfern des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), die gegen das Apartheid-Regime der weißen Minderheit in Südafrika kämpften.

Der Prozess hatte damals weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt und ein Schlaglicht auf das brutale Justizsystem in Südafrika geworfen. Mandela und seine Mitangeklagten entgingen zwar der Todesstrafe, sie wurden aber zu lebenslanger Haft verurteilt und auf die Gefängnisinsel Robben Island verbannt. Mandela verbrachte 27 Jahre in Haft und kam erst 1990 frei. 1994 wurde er der erste schwarze Präsident Südafrikas.

"Wunderbare Menschen"

2007 sagte Joffe in der BBC, im Rivonia-Prozess sei es ihm darum gegangen, "das Leben dieser wunderbaren Menschen zu retten". Die ANC-Angeklagten seien für ihn "die besten Menschen" gewesen, die er je getroffen habe: "So viel Mut, so viel Integrität, so engagiert. Es war eine große Ehre, sie zu verteidigen."

Südafrikas Nationalheld und ehemaliger Staatspräsident Nelson Mandela (picture-alliance/dpa)

Südafrikas Nationalheld und ehemaliger Staatspräsident Nelson Mandela

Nach dem Prozess war Joffe in Südafrika unerwünscht, 1965 ging er nach Großbritannien. Dort gründete er eine Versicherung und war von 1995 bis 2001 Vorsitzender von Oxfam. Von 2000 bis 2015 saß er für die Labour-Partei im britischen Oberhaus. Als Parlamentarier setzte er sich unter anderem für aktive Sterbehilfe ein.

Der britische Anti-Apartheids-Kämpfer Peter Hain würdigte Joffe als eine "Ikone". Er habe selbst nie im Rampenlicht stehen wollen und habe immer nur "alle anderen unterstützt".

cgn/ww (afp, ap)