1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Verlage fusionieren aus Notwehr

Die Fusion von Random House und Penguin ist eine Hochzeit von Riesen in einer Branche, die vorwiegend aus Zwergen besteht. Gemeinsam geht es nun gegen den dritten Riesen dieser beschaulichen Welt: Amazon.

Für Kenner der Bücherbranche ist diese Meldung ein Aufreger: Random House und Penguin fusionieren, 250 Jahre Verlagsgeschichte kommen zusammen. Klassiker und aktuelle Bestseller verlegen beide Häuser in hohen Auflagen: Werke von Michael Crichton und Orhan Pamuk, Salman Rushdie oder auch E.L. James, die mit dem Erotik-Bestseller "50 Shades of grey" für Furore sorgte.

Das Verlagshaus Bertelsmann, das seit Ende der 1990er Jahre sein weltweites Buchgeschäft unter der Dachmarke Random House führt, wird Mehrheitseigner sein. Rund 2,5 Milliarden Euro soll das neue Unternehmen umsetzen, so die Erwartung - falls die Kartellaufsicht zustimmt. Es wäre damit der größte Buchverlag der Welt. Von England bis China, von Argentinien bis Neuseeland wird der Verlagsriese dann die Welt mit Büchern zur Bildung und Unterhaltung versorgen.

2,5 Milliarden Euro Umsatz weltweit - das hört sich gewaltig an. Aber man sollte hier die Perspektive wahren: Der Umsatz des deutschen Supermarktkonzerns Aldi Süd ist beispielsweise fünfmal größer als der des neuen Verlagsgiganten. Bis dato zweifelt niemand in der Buchbranche am Sinn dieser Fusion, denn in den vergangenen Jahren hat sich diese beschauliche Welt radikal verändert. Ein neuer Konkurrent ist aufgetaucht: Amazon. Und ein neues Geschäftsfeld ist entstanden: E-Books. Beide sind für die Verlage eine Herausforderung.

Keine Verlage ohne Amazon

Die Andere Buchhandlung in Köln-Sürth. Copyright: DW/Jochen Kürten September, 2012

Das Internet macht der klassischen Buchhandlung Konkurrenz

In den USA, dem mit Abstand größten Buchmarkt der Welt, wird mittlerweile jedes vierte gedruckte Buch über Amazon gekauft. Besonders Verlage wie Random House und Penguin, deren Programme weitgehend auf den Massenmarkt ausgerichtet sind, könnten ohne Amazon nicht mehr existieren. Das wissen die Verlage, das weiß aber auch Amazon – und lässt sich dafür teuer bezahlen. Hinter vorgehaltener Hand erfährt man, dass Amazon in den USA von den Verlagen Rabatte von 60 bis 70 Prozent beim Einkauf einfordert und erhält.

Es gibt niemanden, der sich dieser Marktmacht des Online-Händlers widersetzen könnte. Und wenn es jemand versucht, ist die Reaktion gnadenlos: Fünf der allergrößten US-Verlage fanden sich vor Gericht wieder, weil sie ein Abkommen mit Apple getroffen hatten über die Preisgestaltung bei E-Books. Das passte Amazon gar nicht in den Kram, weil es dadurch seine Politik des Preisdumpings nicht durchsetzen konnte. Und niemand war deshalb überrascht, als auch das US-Justizministerium dieses Vorgehen wettbewerbswidrig fand. Fast alle beklagten Unternehmen fanden sich reumütig bereit, die Klage durch einen Vergleich aus der Welt zu schaffen.

Alte Bekannte: Bertelsmann und Pearson

Macht kann man nur mit Macht begegnen, das ist eine alte Weisheit in der Wirtschaft. Und dieser Weisheit folgen jetzt die Konzerne Bertelsmann und Pearson, die Eigentümer von Random House und Penguin. Man kennt sich: Gemeinsam hat man die Financial Times Deutschland aus der Taufe gehoben, gemeinsam hat man den britischen Fernsehsender Channel 5 betrieben. Auch die Geschäftsmodelle passen zusammen: Penguin ist die bekannteste Verlagsmarke in der englischsprachigen Welt und besonders in Indien und China hat man in den vergangenen Jahren diese Marke höchst erfolgreich eingeführt. Random House, die Dachmarke für die Bertelsmann-Buchverlage, ist in den USA und Großbritannien ein Synonym für Kultur und gute Unterhaltung; seit Jahren gehört das Joint Venture, das man gemeinsam mit dem Berlusconi-Buchverlag Mondadori führt, in Spanien und Lateinamerika zu den ganz Großen im Buchmarkt. All diese Aktivitäten werden jetzt zusammengefügt, allein der deutschsprachige Markt mit den Dutzenden von Random-House-Imprints und der starken Penguin-Tochter Dorling Kindersley bleibt außen vor.

Besucher betrachten am Sonntag, 18. Oktober 2009, am ersten oeffentlichern Besuchertag der Buchmesse in Frankfurt am Main, Hessen, e-books am Stand des Ehrengastes China. (AP Photo/Daniel Roland) ---Visitors are seen on the first public day of the book fair in Frankfurt, central Germany, on Sunday, Oct. 18, 2009. (AP Photo/Daniel Roland)

E-Books sind das Geschäft der Zukunft

Es geht aber nicht nur um Sympathie. Beide Unternehmen wissen, dass sie in den kommenden Jahren massiv investieren müssen, und zwar bei elektronischen Büchern. In den USA wird mittlerweile schon jedes dritte Buch in der elektronischen Variante gekauft. Besonders bei Krimis und der Fantasy-Sparte wächst dieser Anteil kontinuierlich. Und just bei diesen elektronischen Büchern führt ebenfalls kein Weg vorbei an Amazon: Mehr als die Hälfte aller E-Books weltweit werden über Amazon verkauft. Und kein Verlag, sei er noch so groß, hat es geschafft, einen Verkaufskanal neben Amazon zu etablieren. Dafür braucht es viel Geld und große Namen. Von beidem haben Penguin und Random House reichlich.

Bahn frei für weitere Zusammenschlüsse

In Deutschland spricht der Börsenverein, der Buchmarkt-Branchenverband, bei E-Books von einem Marktanteil von 2 Prozent. In Ländern wie Frankreich, Spanien oder Italien ist der Anteil noch geringer – da ist viel Platz für Wachstum, und dieses Wachstum erfordert hohe Investitionen. Die wirtschaftliche Begründung für die Fusion ist deshalb nachvollziehbar. Und eigentlich rechnet man in der Buchbranche damit, dass auch andere große Verlagskonzerne, wie etwa Hachette Livres aus Frankreich, Planeta aus Spanien oder Simon & Schuster aus den USA sich durch das Zusammengehen von Random House und Penguin ermutigt sehen könnten, selbst nach Fusionsmöglichkeiten Ausschau zu halten.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema